Vor Börsenbeginn : Flucht aus Junkbonds kann Aktienmarkt anstecken

Die Flucht der Anleger in den USA aus Junkbonds könnte der Auslöser für die Kursverluste an den Aktienmärkten sein. Nach starken Verlusten in der Vorwoche notiert der Dax am Montagmorgen vorbörslich etwas höher.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Eine Flucht von Anlegern aus sogenannten Junkbonds - Firmenanleihen geringer Bonität mit relativ hohen Renditen - könnte den Aktienmarkt angesteckt haben und eine der Ursachen für den Kursrutsch an den Börsen sein. Nach Angaben der "Financial Times" setzte die Flucht im Juli ein, als aus dem Junkbond-Markt an der Wall Street 5,5 Milliarden Dollar abflossen. Hintergrund ist die Befürchtung, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen früher erhöht, als erwartet.

Die Furcht vor einer Ansteckung der Aktienmärkte rührt aus dem Umstand her, dass es nach einer zweijährigen Phase der Ruhe an fast allen Märkten eine aufkommende Nervosität in einer ersten Anlageklasse auch die Alarmglocken anderer Anlageklassen schrillen lässt. Zuvor konnten weder Sanktionen gegen Russland noch die verschiedenen geopolitischen Konflikte die Märkte aus der Ruhe bringen. Seit Donnerstag vergangener Woche hat sich die Lage geändert. Der deutsche Leitindex verlor in der vergangenen Woche 4,5 Prozent.
Auch an der Wall Street hatten die Anleger Aktien aus ihren Depots geworfen.

Vorbörslich notiert der Dax am Montagmorgen leicht im Plus.

Sinn: Sanktionen drücken Wachstum in Deutschland

Die Ukraine-Krise und Sanktionen gegen Russland werden das Wirtschaftswachstum in Deutschland dem Präsidenten des ifo-Instituts zufolge auf Null drücken. Bereits in den Monaten April bis Juni habe die Entwicklung in der Ukraine Bremsspuren beim Wachstum hinterlassen, schrieb Hans-Werner Sinn in einem Gastbeitrag für die “Wirtschaftswoche“. Die Annahme, das zweite Quartal dieses Jahres weise gegenüber dem ersten Vierteljahr ein Plus von 0,3 Prozent auf, sei nicht mehr zu halten.


“Wahrscheinlicher ist ein Nullwachstum.“ Auch das dritte Quartal müsse wohl nach unten revidiert werden. “Das wird dann auch die Jahresprognosen für 2014 und 2015 senken.“ Die EU hatte am Mittwoch weitreichende Wirtschaftssanktionen gegen Russland beschlossen. Sie traten am Freitag in Kraft. Damit soll das Land zum Einlenken in der Ukraine-Krise bewegt werden. Die Krise trübt inzwischen die Aussicht von immer mehr deutschen Unternehmen. Wie das ifo-Institut ermittelte, sank die Stimmung im Juli bereits den dritten Monat in Folge. Das gilt als Anzeichen für einen Abwärtstrend in der Konjunkturentwicklung.

Deutschland werde allerdings nicht in eine Krise rutschen, schrieb Sinn. Die Binnenwirtschaft werde von einem ansehnlichen Konsumzuwachs getragen, der Dienstleistungssektor sei stabil und der ifo-Indikator habe im Vergleich zu früheren Vergleichsperioden nur moderat nachgegeben. “Es gibt somit keine Ähnlichkeiten zum Katastrophenjahr 2008.“ Damals hatte die Finanzkrise die Weltwirtschaft ins Wanken gebracht.
Im ersten Quartal war die deutsche Wirtschaft mit einem Plus von 0,8 Prozent so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Eine erste Schätzung für das zweite Quartal veröffentlicht das Statistische Bundesamt am 18. August. (mit Reuters)


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