Vor Börsenbeginn : GfK: Krisenherde sind Risiko für das Konsumklima

Laut GfK stellen Krisenherde ein Risiko für das Konsumklima dar, das derzeit in Deutschland relativ gut ist. Der Dax zeigt sich am Freitagmorgen vorbörslich leichter. In den USA verärgert Amazon die Aktionäre mit sehr hohen Verlusten.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die Krisenherde in der Welt stellen nach Einschätzung von Konsumexperten ein potenzielles Risiko für die Verbraucherstimmung und das Konsumklima in Deutschland dar. Vor allem der Konflikt in der Ost-Ukraine könnte bei einer Verschärfung der Lage rasch auf das Konsumklima durchschlagen, sagte Rolf Bürkl vom Marktforschungsunternehmen GfK der Nachrichtenagentur dpa. Derzeit sei davon aber noch nichts zu spüren, wie jüngste Umfragen der GfK zeigten. Die Verbraucher seien weiter optimistisch.
„Das hängt davon ab, wie sich das weiter entwickelt. Würde die EU etwa Sanktionen gegen Russland verschärfen und würde das zu Auftragsrückgängen bei deutschen Unternehmen führen, könnten manche Beschäftigte von Arbeitslosigkeit bedroht sein“, gab Bürkl zu bedenken. Als weiteres Risiko sieht Bürkl steigende Energiepreise, wegen befürchteter eingeschränkter Gas-Lieferungen aus Russland. „Das würde sich sicherlich beim Konsumklima bemerkbar machen“, sagte Bürkl.
Derzeit sei das Konsumklima aber hauptsächlich von der guten Lage der deutschen Binnenwirtschaft geprägt. Menschen in Arbeit müssten kaum befürchten, ihre Stelle zu verlieren. Dank der hohen Lohnabschlüsse in vielen Branchen hätten viele Bundesbürger auch mehr Geld in ihrem Portemonnaie. „Als Folge der kräftigen Rentenerhöhung haben selbst Rentner erstmals seit Jahren real wieder mehr in ihrem Geldbeutel“, sagte der Konsumexperte.
Trotzdem werde die gute Verbraucherstimmung nicht von allen sozialen Schichten in gleicher Weise gestützt, räumte Bürkl ein. So sei die Anschaffungsneigung von Verbrauchern in „einfachen Lebenslagen“ naturgemäß niedrig, weil es ihnen an der dafür nötigen Kaufkraft fehle. „Dagegen ist die Konsumneigung bei Menschen aus hohen Lebenslagen relativ groß“. Trotzdem habe es in den vergangenen Monaten über alle Schichten hinweg eine ähnliche Entwicklung gegeben: „Die Konsumneigung wächst, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau“.

Dax vorbörslich leichter

Der Dax zeigt sich am Freitagmorgen vor Börsenbeginn leichter. Am Donnerstag hatte der Leitindex 0,4 Prozent höher bei 9794,06 Punkten geschlossen.

An der Wall Street gab es kaum Bewegung. Der marktbreite S&P-500-Index erreichte dennoch bei 1991,39 Punkten auf ein Verlaufshoch. Er schloss 0,05 Prozent fester bei 1987,98 Punkten, was einen Rekord als Tagesschlusskurs bedeutete. Für den schon am Vortag schwächelnden Leitindex Dow Jones Industrial ging es um 0,02 Prozent auf 17 083,80 Punkte bergab. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 sank um 0,08 Prozent auf 3983,19 Punkte.
Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren überraschend weiter gefallen - Ökonomen hatten mit einer Zunahme gerechnet, berichtet dpa. Derweil hatte sich die Stimmung in der US-Industrie im Juli überraschend eingetrübt, wie der vom Forschungsinstitut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex zeigte. Hier waren Experten von einem leichten Anstieg ausgegangen. Zudem waren die Verkäufe neuer Häuser im Juni viel stärker als erwartet gesunken, auch der Vormonatswert wurde deutlich nach unten revidiert.
Die Berichtssaison nahm derweil am Donnerstag weiter kräftig an Fahrt auf. Die Aktien von Facebook ragten mit einem Kurssprung von 5,18 Prozent auf 74,98 US-Dollar heraus - bei 76,74 Dollar hatten sie zuvor den höchsten Stand ihrer noch jungen Börsenhistorie markiert.
Der häufige Griff der Nutzer zum Smartphone füllt dem Online-Netzwerk die Kasse. Facebook-Chef Mark Zuckerberg zeigte sich zufrieden mit dem Quartal, das beim Umsatz und vor allem beim Gewinn deutlich besser als von Analysten erwartet ausgefallen war.
Unternehmensnachrichten aus dem Autosektor wurden uneinheitlich aufgenommen. Die Aktien von General Motors (GM) büßten noch vor der Zahlenvorlage 4,46 Prozent ein. Der Autobauer, der wegen technischer Probleme knapp 823 000 weitere Wagen zurückrufen musste, legt für die Entschädigung von Unfallopfern zunächst 400 Millionen Dollar zur Seite. Konkurrent Ford hingegen war nach einer dreijährigen Durststrecke in Europa in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt, was die Aktien um 0,34 Prozent steigen ließ.
Der Euro erholte sich etwas von der Talfahrt der vergangenen Tage und kostete zuletzt 1,3465 Dollar. US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren verloren 10/32 Punkte auf 99 30/32 Punkte und rentierten mit 2,51 Prozent.

Amazon verärgert mit hohem Verlust

Der weltgrößte Online-Händler Amazon hat seine Aktionäre mit einem hohen Verlust verärgert, schreibt dpa. Im zweiten Quartal schrieb das US-Unternehmen wegen hoher Investitionen in Dienste und Produkte rote Zahlen von 126 Millionen Dollar (94 Mio Euro). Vor einem Jahr lag das Minus bei 7 Millionen Dollar. Für das laufende Quartal rechnet Amazon sogar mit einem operativen Verlust von bis zu 810 Millionen Dollar. Die Aktie rutschte nach Bekanntwerden der Zahlen am Donnerstag nachbörslich um annähernd 10 Prozent ab.
„Wir arbeiten hart daran, das Einkaufserlebnis bei Amazon stetig zu verbessern“, erklärte Firmengründer und -chef Jeff Bezos am Sitz in Seattle. Sein Ziel ist es, rasch Marktanteile zu gewinnen, neuerdings etwa durch Lieferungen am Sonntag in den USA. Amazon wuchs bis zuletzt tatsächlich rasant: Der Quartalsumsatz stieg um 23 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar. Bezos teurer Expansionskurs nagt aber am Gewinn und lässt Amazon immer wieder in die Verlustzone rutschen.
In der Vergangenheit waren die Anleger grundsätzlich einverstanden mit der Strategie des Firmengründers. Sie honorierten niedrige Gewinne und auch rote Zahlen mit weiteren Kurssteigerungen. Doch die kritischen Stimmen mehren sich. Seit Jahresbeginn hatte die Aktie schon vor den jüngsten Zahlen ein Zehntel ihres Werts verloren. Die Aussicht auf einen noch größeren Verlust im kommenden Quartal ließ die Investoren nun flüchten.
Kritik muss sich Amazon auch aus anderen Ecken gefallen lassen: Gewerkschafter kritisieren die Arbeitsbedingungen, und einzelne Buchverlage beklagen eine Gängelung durch den Versandriesen: Während Verhandlungen waren ihre Buchtitel plötzlich schwer zu bestellen.
Jüngst hatte Amazon in den USA sogar eine E-Book-Flatrate eingeführt, bei der Kunden für knapp zehn Dollar im Monat Zugang zu 600 000 Titeln bekommen.
Auch für das laufende Quartal peilt Amazon ein kräftiges Umsatzplus zwischen 15 bis 26 Prozent an. Um das stemmen zu können, eröffnet der Konzern reihenweise neue Versandzentren oder entwickelt neue Produkte wie das eigene Smartphone Fire Phone. In ausgesuchten US-Städten liefert Amazon mittlerweile sogar Lebensmittel aus. Die Zahl der Mitarbeiter stieg bis Ende Juni auf 132 600 an, 35 600 mehr als vor einem Jahr.
Amazon gibt Anlegern insgesamt aber wenig Informationen über die Entwicklung einzelnen Geschäftsbereiche. So veröffentlichte das Unternehmen noch nie Absatzzahlen seiner Geräte wie der Kindle-Tablets. Bei der eigenen Technik gab Bezos stets die Devise aus, man wolle sie Verbrauchern möglichst günstig anbieten und dann das Geld über den Verkauf von Diensten und Artikeln verdienen. Bei jüngsten Geräten wie der Fernsehbox Fire TV und dem Smartphone waren die Preise aber bereits vergleichbar mit denen der Konkurrenz.
Unklar ist auch, wie die Zahlen im Geschäft mit Cloud-Infrastruktur aussehen, in dem in den vergangenen Monaten ein Preiskampf ausgebrochen ist. Amazon ist ein führender Anbieter in dem Bereich und wird von vielen Firmen als technische Basis genutzt. (mit Reuters und dpa)


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