Vor Börsenbeginn in Frankfurt : Janet Yellen bringt Kurse leicht ins Rutschen - Dax vorbörslich im Minus

Die Ankündigung von Fed-Chefin Janet Yellen, die Leitzinsen im Frühjahr 2015 leicht zu erhöhen, bringt die Börsen etwas ins Rutschen. Auch der Dax notiert am Donnerstagmorgen vorbörslich etwas schwächer.

Börse in Frankfurt. Foto: dpa
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die Ankündigung der Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, die Leitzinsen im Frühjahr 2015 leicht zu erhöhen, bringt die Börsen etwas ins Rutschen. Spekulationen auf steigende Zinsen in den USA dürften den Dax am Donnerstagmorgen laut Börsianern im Minus starten lassen. Die US-Notenbank wird voraussichtlich nächstes Jahr ihre Politik des extrem billigen Geldes beenden. Der Leitzins dürfte dann Ende 2015 bei einem Prozent liegen. Die Frage ist, wie die Worte von Janet Yellen zu interpretieren sind.

Nach der Rede von Janet Yellen moderate Verluste an der Wall Street


An der Wall Street sorgte diese Aussicht für Verluste. Der Dow-Jones-Index gab am Mittwoch 0,7 Prozent nach, der S&P-500 und der Nasdaq-Composite büßten jeweils 0,6 Prozent ein. In Frankfurt hatte sich der Dax vor Bekanntgabe des Fed-Entscheids 0,4 Prozent höher bei 9277 Punkten aus dem Handel verabschiedet.
In Asien machten die Anleger einen Bogen um Aktien. Der Nikkei-Index verlor am Donnerstag 1,7 Prozent, der Shanghai-Composite 0,7 Prozent.

Euro etwas schwächer

Die Aussicht auf eine baldige Zinserhöhung in den USA hat dem Euro zugesetzt. Die Gemeinschaftswährung fiel nach den Aussagen von Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwochabend auf ein Zwei-Wochentief von 1,3808 Dollar. Am Donnerstagmorgen notierte die Gemeinschaftswährung bei rund 1,3838 Dollar und war damit noch immer mehr als einen US-Cent von ihren Höchstständen aus der vergangenen Woche entfernt.
Die US-Notenbank-Chefin Yellen hatte gesagt, die Fed werde ihr milliardenschweres Anleihenprogramm voraussichtlich in diesem Herbst beenden. Mit der Anhebung der Zinsen könnten die US-Notenbanker dann sechs Monate später beginnen. “Das ist sehr viel früher, als der Markt bislang gedacht hat und das gibt dem Dollar Auftrieb“, sagte Sue Trinh von RBC Capital Markets in Hongkong.

Was Janet Yellen gesagt hat

Die US-Notenbank wird voraussichtlich nächstes Jahr ihre Politik des extrem billigen Geldes beenden. Die Federal Reserve (Fed) kündigte am Mittwoch an, ihre monatlichen Geldspritzen zur Stärkung der Wirtschaft um weitere zehn auf 55 Milliarden Dollar zu verringern. Die große Mehrheit der Notenbanker rechnet zudem 2015 mit ersten Zinserhöhungen. Diese dürften auch kräftiger ausfallen als zuletzt noch gedacht. An den Aktienmärkten sorgte dies für Kursverluste. Der Dollar stieg dagegen deutlich zum Euro.
Um die Wirtschaft in der Finanzkrise zu stützen, hält die Fed die Zinsen seit Jahren auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent. Zudem wurden mehrere Billionen Dollar in den Geldkreislauf gepumpt - unter anderem über den Ankauf von Staatsanleihen und Hypotheken-Papieren.


Damit ist es der Fed gelungen, dass sich die US-Wirtschaft und auch der Arbeitsmarkt erholt hat. Kritiker monieren allerdings, dass mit dem vielen billigen Geld die Grundlage für Preisblasen gelegt wird. Die Finanzkrise begann Mitte 2007, als die Preisblase am US-Immobilienmarkt platzte und zahlreiche Banken in Schwierigkeiten kamen.

Janet Yellen schlägt neuen Ton an

Bei ihrer ersten Pressekonferenz als neue Fed-Chefin schlug Janet Yellen gleich einen neuen Ton an: Sie gab den Märkten eine andere Orientierungshilfe, wie lange die Zinsen noch bei nahe null Prozent bleiben dürften. Bislang gab es eine konkrete Marke, nämlich eine Arbeitslosenquote von 6,5 Prozent, bis zu der die Fed die Füße mindestens stillhalten wollte. Jetzt orientiere sich die Notenbank an dem Inflationsziel von zwei Prozent sowie Fortschritten Richtung Vollbeschäftigung. Dies werde den jetzigen Verhältnissen besser gerecht, so Yellen. Denn die Arbeitslosenquote war zuletzt bereits auf 6,7 Prozent gefallen. Manche Börsianer kritisierten, dass die neuen Orientierungsmarken unkonkreter seien. Dadurch werde es schwieriger, die Geldpolitik der Fed vorauszusagen und sich entsprechend zu positionieren.
Die Kapitalmärkte schauen sehr genau auf die geldpolitische Wende in den USA. Misslingt sie, könnte es zu einem Crash an den Börsen kommen. “Ich fühle die Last der Verantwortung in meiner neuen Rolle“, sagte Yellen, die Nachfolgerin von Ben Bernanke.

Ende 2016 könnte der Leitzins bei 2,25 Prozent liegen - das ist immer noch sehr niedrig


Yellen rechnet damit, dass die Wertpapier-Käufe noch dieses Jahr auslaufen. Auf die Frage, wie lange dann die zeitliche Lücke bis zum Beginn der Zinserhöhungen ausfallen dürfte, sprach sie von “geraumer Zeit“. Das sei schwer zu definieren: “Aber es bedeutet wahrscheinlich so in etwa sechs Monate.“ Die große Mehrheit der Fed-Führungsmitglieder rechnet 2015 mit einem ersten Zinsschritt. Sobald es losgeht, dürfte es schneller nach oben gehen als zuletzt noch erwartet. Der Leitzins dürften dann Ende 2015 bei einem Prozent liegen. Noch im Dezember hatten die Fed-Banker für diesen Zeitpunkt einen Zinssatz von 0,75 Prozent erwartet.
Ende 2016 dürfte er dann nach der aktuellen Projektion auf 2,25 Prozent steigen. (mit Reuters und dpa)



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