Vor Börsenbeginn : Janet Yellen und Wladimir Putin geben Märkten leichten Auftrieb

Äußerungen der Fed-Chefin Janet Yellen sowie Putins gaben den Märkten in New York und Tokio etwas Auftrieb, Technologiewerte sanken aber. Der Dax notiert am Donnerstagmorgen vor dem Zinsentscheid der EZB vorbörslich uneinheitlich.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die Äußerungen der Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, sowie entspannende Äußerungen von Wladimir Putin haben die Aktien in den USA und Japan gestützt. Dabei versprach Janet Yellen den Finanzmärkten weiter ultrabilliges Geld. Sie betonte die Risiken für den Wirtschaftsaufschwung und bezeichnete die sehr konjunkturstimulierende Geldpolitik der Notenbank als weiter angebracht. “Sie sagte nicht, dass die Zinsen schon bald wieder nach oben gehen werden, und das war genau das, was die Leute erwartet hatten“, erklärte Ken Polcari vom Wertpapierhandelshaus O'Neil Securities gegenüber Reuters.

Technologieaktien verlieren weiter

Die US-Märkte fanden aber keine einheitliche Richtung. Die Technologieaktien fielen weiter. Technologieaktien gehen häufig Trends voran. Dass sie Schwäche zeigen, während Standardwerte stabil bleiben, könnte als Warnzeichen interpretiert werden.

Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss 0,72 Prozent höher bei 16 518,54 Punkten unmittelbar unter seinem Tageshoch. Der marktbreite S&P-500-Index legte um 0,56 Prozent auf 1878,21 Punkte zu. Damit bleiben die Standardwerteindizes auch in Reichweite ihrer im Vormonat markierten Rekordhochs. Die Technologiebörse Nasdaq wurde dagegen vom anhaltenden Ausverkauf bei Internet-Aktien belastet: Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 0,28 Prozent auf 3546,47 Punkte.
Händlern zufolge hat auch eine Flut von Quartalszahlen die Börsianer beschäftigt. Bisher lief die Berichtssaison einem Marktstrategen zufolge besser als erwartet. Zudem dürften die Unternehmensgewinne künftig weiter an Fahrt aufnehmen, denn die Konjunkturdaten ließen gute Zeiten erwarten. Das stützte die Börsen.
Einige Händler hoben aber auch die Schwäche der kleinen Werte hervor: Der Russel-2000-Index fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit drei Monaten.

Disney und Alibaba verlieren

Die Aktien des Medienkonzerns Walt Disney gaben ihre anfänglichen Gewinne in Reaktion auf Quartalszahlen ab und verloren 0,91 Prozent auf 80,29 Dollar. Dank des Animationsfilms „Die Eiskönigin“ hatte Disney Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert. Titel von Electronic Arts waren dagegen mit einem Kurssprung von 21,03 Prozent Star im S&P-500-Index. Der Videospieleentwickler hatte Rekordumsätze im mobilen Bereich bekannt gegeben und damit Anlegerfantasie geweckt.
Besonders hart getroffen wurden dagegen wieder viele Werte aus dem Internetbereich. Groupon-Aktien rutschten um 20,68 Prozent ab, nachdem das Rabattportal skeptischer als Analysten auf das zweite Quartal blickt. Auch der Aktienkurs von Twitter verlor weitere 3,74 Prozent, nachdem frühe Investoren und Mitarbeiter seit Dienstag ihre Anteilsscheine verkaufen durften. Mit einem Kurs zeitweise unter 30 Dollar rutschte das Papier auf den niedrigsten Stand seit dem Börsengang im November vergangenen Jahres. Zweitschlechtester Wert im Nasdaq-100-Index waren Yahoo-Papiere trotz der Börsenpläne der chinesischen Beteiligung Alibaba. Sie verloren 6,63 Prozent.
Aktien der Bioläden-Kette Whole Food Markets stürzten auch ab und rutschten nach einer weiteren Gewinnwarnung für dieses Jahr auf den tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Bereits im November und im Februar hatte das Unternehmen die Ziele heruntergeschraubt. Ein Händler verwies auch auf zahlreiche Analystenabstufungen unter anderem von der Deutschen Bank als Belastung. Die Papiere brachen am Ende des Nasdaq-100-Index um 18,81 Prozent auf 38,93 Dollar ein.
Ein Euro kostete zuletzt 1,3913 Dollar und fiel etwas von seinem zuletzt Niveau zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag in Frankfurt auf 1,3927 (Vortag: 1,3945) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7180 (0,7171) Euro. Am US-Rentenmarkt verharrte die richtungweisende zehnjährige Anleihe bei 101 10/32 Punkten. Ihre Rendite betrug 2,59 Prozent.

Dax vor EZB-Zinseintscheid uneinheitlich.

Vor dem Zinsentscheid der EZB dürften sich die Dax-Anleger laut Börsianern am Donnerstag zurückhalten. Anleger rätseln seit Wochen darüber, ob die Zentralbanker ihre Geldpolitik noch einmal lockern werden. Die Mehrheit der Analysten rechnet allerdings nicht mit einer Zinssenkung, weil die Inflationsrate mit 0,7 Prozent im April wieder etwas angezogen hat.

Beiersdorf gebremst

Währungsturbulenzen in Schwellenländern haben Beiersdorf zu Jahresanfang gebremst. Die Erlöse sind im ersten Quartal zwar um 6,7 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro gestiegen, wie der Kosmetikhersteller am Donnerstag mitteilte. Wegen Wechselkurseffekten blieb jedoch nur ein kleines Plus von 1,2 Prozent. Der Betriebsgewinn kletterte um gut neun Prozent auf 235 Millionen Euro. Analysten hatten mit weniger beim Betriebsgewinn gerechnet.

Der Handelsriese Metro hat im April, in den in diesem Jahr das wichtige Ostergeschäft fiel, den Umsatz steigern können. Der Umsatz habe auf vergleichbarer Basis um 4,7 Prozent zugelegt, sagte Metro-Chef Olaf Koch am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Vor allem die Supermarktkette Real habe die Erlöse gesteigert und ein Plus von 14,2 Prozent ausgewiesen. Metro hatte zuvor für das im März endende zweite Quartal des Geschäftsjahres 2013/14 ein Umsatzminus von 7,6 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro bekannt gegeben.

Der Bau- und Industriedienstleister Bilfinger ist im ersten Quartal trotz des milden Winters nicht vom Fleck gekommen. Bei einem nur leicht steigenden Umsatz brach das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) von Januar bis März um gut die Hälfte ein, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Die Leistung stieg um ein Prozent auf 1,88 Milliarden Euro. Das Ebita lag bei 22 Millionen Euro und damit noch niedriger als von Analysten erwartet. Diese hatten mit knapp 30 Millionen Euro gerechnet.

Die Münchener Rück ist wie erwartet mit einem Gewinnrückgang ins neue Jahr gestartet. Das Konzernergebnis schrumpfte im ersten Quartal auf 924 (Vorjahr: 970) Millionen Euro, wie der weltgrößte Rückversicherer am Donnerstag mitteilte. Vorstandschef Nikolaus von Bomhard hatte bereits auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche ein schwächeres Ergebnis signalisiert. Hintergrund ist der zunehmende Preiskampf im Markt durch neue Anbieter. Für das Gesamtjahr geht der Konzern weiter von einem Gewinn von drei Milliarden Euro aus.
2013 waren es 3,3 Milliarden, auch wegen ungewöhnlich niedriger Steuerlasten. (mit Reuters und dpa)


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