Vor Börsenbeginn : Janet Yellen: Verkauf der Anleihen dauert Jahre - Dax vorbörslich schwächer

Wann wird die Fed die vielen Anleihen wieder los, die sie seit der Finanzkrise gekauft hat? Das wird Jahre dauern, sagt Fed-Chefin Janet Yellen. Der Dax liegt am Freitagmorgen vorbörslich etwas schwächer.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird nach Einschätzung ihrer Vorsitzenden Janet Yellen bis zu acht Jahre benötigen, um sich von den im Zuge der Finanzkrise massenhaft aufgekauften Staatsanleihen wieder zu trennen. Eine Entscheidung darüber, wann und in welchem Umfang die Notenbank sich von ihren Bonds trennen werde, sei zwar noch nicht gefallen, sagte Yellen laut Reuters am Donnerstag bei einer Anhörung im US-Senat. Wahrscheinlich werde die Fed aber erst damit beginnen, wenn sie auch wieder die Zinsen erhöhe.

Fed-Chefin Janet Yellen macht eine Andeutung, wann die Verkäufe beginnen

“Wenn wir dies machen und wirklich erst dann, wird es wahrscheinlich fünf bis acht Jahre dauern, bis wir wieder auf einem Niveau wie vor der Krise angekommen sind“, erklärte Yellen mit Blick auf die inzwischen auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollene Bilanzsumme der Notenbank. Vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 lag sie bei etwa 800 Milliarden Dollar.
Trotz der jüngsten Konjunkturflaute in den USA hatte die US-Notenbank Ende April die Normalisierung ihrer Geldpolitik vorangetrieben. Die monatlichen Geldspritzen zur Belebung der Wirtschaft wurden erneut um zehn auf 45 Milliarden Dollar gedrosselt. Die Notenbank hatte Anfang des Jahres damit begonnen, ihre Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren zu drosseln, über die sie lange Zeit jeden Monat 85 Milliarden Dollar in den Wirtschaftskreislauf gepumpt hatte. Die Fed will ihre Konjunkturhilfen im Herbst ganz einstellen und peilt Beobachtern zufolge frühestens Mitte 2015 eine Zinserhöhung an.

Der Dax dürfte schwächer starten

Der Dax liegt am Freitagmorgen vorbörslich etwas im Minus. Am Donnerstag hatten Spekulationen auf eine baldige Lockerung der Geldpolitik den deutschen Leitindex um 0,9 Prozent auf 9607 Zähler nach oben getrieben. EZB-Chef Mario Draghi bekräftigte auf der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid seine Bereitschaft, eine drohende Deflation - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen - zu bekämpfen.

US-Technologiewerte geben erneut nach

New Yorker Aktien haben am Donnerstag mehrheitlich verloren. Lediglich der Leitindex Dow Jones Industrial hielt sich mit 0,20 Prozent im Plus und schloss bei 16 550,97 Punkten. Der S&P-500-Index gab aber seine Startgewinne ab und ging 0,14 Prozent tiefer bei 1875,63 Punkten aus dem Handel. Zuvor hatte sich das marktbreite Aktienbarometer bis auf 8 Punkte oder weniger als ein halbes Prozent an sein Rekordhoch herangetastet. Der gescheiterte Erholungsversuch der zuletzt schwachen Indizes der Technologiebörse Nasdaq verdarb laut Händlern die Stimmung. Der Auswahlindex NASDAQ 100 verlor schließlich 0,17 Prozent auf 3540,42 Punkte.
Schwache Energie- und Ölwerte hätten neben der enttäuschenden Entwicklung an der Nasdaq auf die Indizes gedrückt, sagten Händler laut dpa.
Der Nasdaq-100-Index hatte den dritten Tag in Folge an Wert verloren. Die Startgewinne hatten Börsianer mit Spekulationen auf geldpolitische Stimulierungsmaßnahmen in Europa begründet. Zudem kam Unterstützung von Konjunkturdaten aus China. Viele Börsianer konzentrierten sich aber auch auf die zahlreichen Bilanzen aus der laufenden Berichtssaison.

Anhaltende Divergenz Technologie - breiter Markt

Die anhaltende Schwäche der Technologiewerte bei gleichzeitiger Stabilität des breiten Marktes könnte ein Warnzeichen sein. Technologieaktien laufen den allgemeinen Trends oft voraus. Beunruhigend ist auch die Tatsache, dass in New York der Dow stieg, gleichzeitig aber eine Mehrheit der Aktien verlor. Es handelt sich um ein Muster, das oft sinkenden Indizes vorausläuft.

Twitter nach Absturz wieder fester

Tagessieger im Dow waren angesichts der andauernden Fusionspläne in dem Sektor die Aktien von AT&T mit einem Plus von 1,79 Prozent auf 36,40 US-Dollar. Die größte US-Telefongesellschaft ist laut einem Pressebericht am SatellitenTV-Konzern DirectTV interessiert. Der Bereich Muve Musioc könnte indes zum Verkauf gestellt werden. Zudem hat die Deutsche Telekom Zahlen vorgelegt, die dank der boomenden US-Mobilfunktochter einen kräftigen Umsatzschub zeigten.
Chevron-Papiere mussten dagegen einem Abschlag von 0,90 Prozent hinnehmen. Die Aktien des Ölkonzerns hatten zuletzt kräftig zugelegt und nun hätten auch wegen einer Abstufung des Analystenhauses Argus Gewinnmitnahmen eingesetzt, sagten Händler. Exxon-Titel gaben 0,77 Prozent ab. Am Dow-Ende fanden sich aber die Papiere von Merck & Co mit minus 1,81 Prozent wieder. Sie setzten ihre starke Korrekturbewegung der vergangenen Handelstage fort.


Internetwerte - die zuvor mit teils heftigen Kurseinbrüchen negativ in den Fokus geraten waren - konnten sich zum Teil etwas stabilisieren. Twitter-Aktien sprangen von ihrem am Vortag markierten Rekordtief unter 30 Dollar nach oben. Sie gewannen zusätzlich beflügelt von einer Hochstufung von Morgan Stanley 4,24 Prozent auf 31,96 Dollar. Die Analysten hoben auch Yelp an. Die Papiere des Empfehlungsportals konnten ihre zunächst höheren Gewinne zwar nicht ganz halten, legten aber um 1,04 Prozent zu.
Spitze im Nasdaq-100-Index war der Kaffeemaschinenhersteller Keurig Green Mountain mit einem Kursplus von 12,99 Prozent auf 104,19 Dollar. Händler lobten die deutlich besser als erwartet ausgefallenen Zahlen für das zweite Geschäftsquartal. Zudem wird die Partnerschaft mit dem Lebensmittelhersteller J. M. Smucker ausgeweitet. Aktien des Elektroautobauers Tesla rutschten dagegen nach der Ankündigung von hohen Entwicklungskosten im zweiten Quartal am Nasdaq-100-Ende um 11,30 Prozent ab. Die Produktion der Autos wird durch den begrenzten Vorrat an Batterien beschränkt.
Ein Euro kostete zuletzt 1,3835 Dollar. Er fiel im Zuge der Draghi-Rede von seinem zunächst erreichten 2,5-Jahreshoch deutlich zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Nachmittag in Frankfurt auf 1,3953 (Mittwoch: 1,3927) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7167 (0,7180) Euro. Am US-Rentenmarkt legte die richtungweisende zehnjährige Anleihe 2/32 auf 99 Punkte zu. Ihre Rendite errechnete sich bei 2,61 Prozent. (mit Reuters und dpa)

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