Vor Börsenbeginn : Japan befreit sich aus der Deflation - mit einer Steuererhöhung

Japan gelingt es zunehmend, sich aus der Deflation zu befreien. Eine kräftige Steuererhöhung hat jetzt zu einer Teuerung von 1,3 Prozent geführt. Der Nikkei legt zu, der Dax liegt am Freitagmorgen vorbörslich etwas im Minus.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Japan befreit sich immer mehr aus der Deflation. Wie die Regierung in Tokio am Freitag mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im März ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln um 1,3 Prozent im Verglichen zum Vorjahresmonat. Analysten hatten eine Verteuerung von 1,4 Prozent erwartet. Die Daten gaben weiteren Grund zur Hoffnung, dass Japan sich langsam aus der seit 15 Jahren anhaltenden Deflation befreien kann. Die Notenbank will die Teuerungsrate an die Marke von zwei Prozent bringen. Für die Region Tokio lagen auch schon Daten für April vor. Demnach stiegen die Verbraucherpreise ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,7 Prozent, was ebenfall leicht unter den Erwartungen der Analysten von 2,8 Prozent lag. Die Teuerung stellt gleichwohl den stärksten Preisanstieg im Großraum Tokio seit 1992 dar. Im März hatte die Teuerung in der Hauptstadtregion noch bei 1,0 Prozent gelegen. Zum 1. April wurde die Umsatzsteuer von fünf auf acht Prozent erhöht. Die Steuererhöhung dürfte nach Einschätzung der japanischen Notenbank dazu führen, dass sich die Verbraucherpreise durchschnittlich um 1,7 Prozent verteuern.

Der Nikkei-Index legt etwas zu

Der japanische Aktienmarkt hat am Freitag dank der Inflationszahlen und des schwächeren Yen leichte Gewinne verbucht. Der Leitindex Nikkei legte im frühen Nachmittagshandel um 0,6 Prozent zu auf 14.495 Punkte. Der breiter gefasste Topix gewann 0,7 Prozent auf 1173 Zähler.

Dax etwas schwächer

Der deutsche Leitindex Dax liegt am Freitagmorgen vorbörslich etwas im Minus. Am Abend zuvor hatten die US-Börsen nur sehr geringe Gewinne verbucht. Die allgemeine Zurückhaltung der Anleger in Europa und den USA könnte mit neuen Spannungen in der Ostukraine zusammenhängen. Die Unternehmenszahlen, die derzeit täglich veröffentlicht werden, sind überwiegend positiv. Für die Zurückhaltung könnte aber auch sprechen, dass die Indizes wieder weit oben innerhalb ihres Seitwärtsbandes notieren, in dem sie sich seit Beginn des Jahres befinden. Der S&P 500 liegt nur wenige Zähler unterhalb seines Höchstkurses. Ob es den Börsen diesmal gelingt, nach oben auszubrechen, wird sich wohl erst in der kommenden Woche zeigen.

Microsoft verdient unter neuem Chef weniger und stellt sich neu auf

In seinem ersten Quartal an der Spitze von Microsoft muss sich der neue Konzernchef Satya Nadella mit einem geschrumpften Gewinn zufriedengeben. Im dritten Geschäftsquartal (Januar bis März) verdiente der Windows-Hersteller unterm Strich knapp 5,7 Milliarden Dollar und damit 7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stagnierte nahezu bei 20,4 Milliarden Dollar.
Nadella selbst zeigte sich am Donnerstag zufrieden mit dem Abschneiden. „Wir machen gute Fortschritte bei unseren Angeboten für Verbraucher wie Bing und Office 365 Home. Und unsere Firmenkunden nehmen unsere Cloud-Lösungen an“, erklärte er laut dpa am Firmensitz in Redmond. Microsoft werde davon auch langfristig profitieren.
Mit den Geschäftszahlen übertraf das Unternehmen die Erwartungen der Analysten. Die Aktie stieg nachbörslich um annähernd 3 Prozent. Dass die Zahlen auf den ersten Blick schwächer ausgefallen waren, lag auch an ungünstigen Buchungseffekten.
Nadella hat die Devise „mobile-first, cloud-first“ ausgegeben. Daten und Anwendungen sollen über das Netz von jedem Gerät aus erreichbar sein - auch von solchen, die von der Konkurrenz stammen. Ihm ist vor allem wichtig, dass die im Hintergrund ablaufenden Internetdienste über die riesigen Rechenzentren von Microsoft laufen.


Die Strategie scheint aufzugehen: Das sogenannte Cloud-Geschäft mit der Plattform Azure wuchs um 150 Prozent. Auch die Cloud-Bürosoftware Office 365 verkaufte sich blendend. „Wir gewinnen Marktanteile hinzu“, erklärte der fürs Tagesgeschäft zuständige Manager Kevin Turner. Nadella hatte als symbolträchtigen Schritt jüngst das Office-Paket auch für Apples iPad verfügbar gemacht.
Nadella will Microsoft mit dem Cloud-Geschäft unabhängiger vom geschrumpften PC-Geschäft und dem Betriebssystem Windows machen.

Firmen müssen XP-Systeme austauschen

Zuletzt mehrten sich allerdings die Anzeichen, dass die Talsohle hier erreicht sein könnte. Microsoft selbst berichtete von gestiegen Verkäufen besonders im Firmenkunden-Geschäft. Viele Unternehmen müssen ihre alten XP-Systeme austauschen, da der reguläre Service für das alte Betriebssystem abgelaufen ist. Überraschenderweise stieg jedoch ebenfalls der Windows-Absatz im Privatkunden-Geschäft.
An diesem Freitag soll der Zukauf von Nokias Handygeschäft abgeschlossen werden, mit dem Microsoft seinen Vorstoß auf Smartphones voranbringen will. Die alte Microsoft-Führung hatte es nicht geschafft, die Vorherrschaft von Apples iPhone und von Smartphones mit Googles Betriebssystem Android zu brechen. Noch immer fristet das eigene System Windows Phone ein Nischendasein, wenngleich die Marktanteile steigen.
Es ist das erste Mal, dass der Nadella die Quartalszahlen präsentierte. Der Firmenveteran steht seit Anfang Februar an der Spitze des Software-Konzerns. Er löste Steve Ballmer ab. Ihm steht beratend der Mitgründer und langjährige Chef Bill Gates zur Seite.

Amazon trotz kräftigen Wachstums wegen neuer Projekte weiter zurückhaltend beim Gewinn

Der weltgrößte Online-Händler Amazon hat seinen Umsatz zuletzt kräftig gesteigert, schreibt aber weiter schmale Gewinne. Der Umsatz sprang im ersten Quartal im Jahresvergleich um 23 Prozent auf 19,74 Milliarden Dollar hoch. Der Gewinn verbesserte sich um knapp 32 Prozent auf 108 Millionen Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Die Aktie legte nachbörslich zeitweise um gut zwei Prozent zu.
Dass der Gewinn bei Amazon im Vergleich zu anderen Technologieunternehmen eher mager ausfällt, liegt an den hohen Investitionen, die Konzernchef Jeff Bezos in Produkte wie den Tablet-Computer Kindle Fire oder in Versandzentren steckt. Zuletzt verdichteten sich die Hinweise auf ein eigenes Smartphone.
Bezos will zunächst Marktanteile gewinnen und später mit dem Dienste-Angebot Geld verdienen, etwa an Filmen oder Musik. Zuletzt stellte der Konzern das Empfangsgerät Fire TV vor, das Inhalte aus dem Internet auf den Fernseher bringen kann. Im ersten Quartal stiegen die Ausgaben für Technologie und Inhalte um 44 Prozent auf 1,99 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal rechnet Amazon mit einem operativen Verlust zwischen 55 und 455 Millionen Dollar bei einem Umsatzwachstum zwischen 15 und 26 Prozent.
Amazon ist die Nummer eins im Online-Handel und versucht diese Stellung zu festigen. Nur Stunden vor der Bilanzvorlage berichtete das „Wall Street Journal“ von Amazons Ambitionen, vermehrt auch die Lieferung der Pakete an die Kunden selbst zu übernehmen. In kleinerem Umfang geschieht dies schon.
Zudem ist Amazon einer der weltgrößten Anbieter von Computerdiensten aus der Internet-Cloud. Der Konzern steht dabei in scharfem Wettbewerb mit Google und Microsoft. Zuletzt lieferten sich die Rivalen einen Preiskampf.

Starbucks schwimmt weiter auf Erfolgswelle

Die amerikanische Kaffeehaus-Kette Starbucks wächst ungebrochen. Der Umsatz stieg im zweiten Geschäftsquartal von Januar bis März um 9 Prozent auf 3,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn verbesserte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum im gleichen Maße auf unterm Strich 427 Millionen Dollar. Firmenchef Howard Schulz sprach am Donnerstag am Firmensitz in Seattle von einem Rekordgeschäft. Zu dem Sprung trugen sowohl ein größerer Kundenansturm auf bestehende Filialen bei als auch zahlreiche Neueröffnungen. Nachbörslich stieg die Aktie um annähernd 2 Prozent. Besonders stark wuchs Starbucks in Asien. Doch auch die Region Europa legte kräftig zu, nachdem es hier vor einem guten Jahr große Probleme gab. Danach folgte der Heimatmarkt Amerika. Hier ist Starbucks bereits vielerorts vertreten und erwirtschaftet etwa drei Viertel seines Umsatzes.
Insgesamt kam Starbucks zum Jahreswechsel auf mehr als 20 500 Läden weltweit. Das waren fast 1700 mehr als im Jahr zuvor. Im gesamten laufenden Geschäftsjahr will Starbucks weiterhin 1500 Läden hinzufügen und den Umsatz um mindestens 10 Prozent steigern. Das Management bestätigte diese Pläne.
Zu Starbucks' Erfolgsrezept gehört es, in neue Kategorien jenseits von Kaffee und Kuchen vorzustoßen. Die Kette kaufte einen Teehändler, eine Saftfirma und eine Großbäckerei und bietet viele ihrer Produkte inzwischen auch in Supermärkten an. Unter dem Namen Verismo bieten die Amerikaner außerdem Kaffeemaschinen für Kaffeekapseln an. (mit dpa und Reuters)

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