Vor Börsenbeginn : Japan kommt im Kampf gegen Deflation voran

Gute Nachrichten aus Japan. Die Arbeitslosigkeit sinkt auf ein Tief, die Inflation steigt. Die Börsen in Europa und den USA warten auf wichtige Konjunkturdaten, der Dax zeigt sich vorbörslich am Freitagmorgen leicht im Plus.

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Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Während in der Euro-Zone die Angst vor Deflation zunimmt, kommt Japan im Kampf gegen die Deflation voran. Wie die Regierung in Tokio am Freitag mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise im Februar ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln um 1,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat. Damit wurde den neunten Monat in Folge ein Plus verbucht. Die Verteuerung entsprach den Erwartungen der Analysten. Die Daten gaben weiteren Grund zur Hoffnung, dass Japan sich langsam aus der seit 15 Jahren anhaltenden Deflation befreien kann. Die Notenbank will die Teuerungsrate an die Marke von zwei Prozent bringen.
Für die Region Tokio lagen auch bereits Daten für den März vor. Demnach stiegen die Verbraucherpreise ohne Berücksichtigung von Nahrungsmitteln im Vergleich zum Vorjahresmonat um ein Prozent.

Sogar Jens Weidmann kann sich Maßnahmen gegen Deflation in der Euro-Zone vorstellen

Bundesbankchef Jens Weidmann hatte sich am Mittwoch aufgeschlossen gegenüber Ankäufen privater Kreditpakete durch die Europäische Zentralbank (EZB) gezeigt. In einem Interview des Finanzdienstes "Market News International" (MNI) signalisierte er auch Offenheit für andere ungewöhnliche geldpolitische Instrumente zur Krisenbekämpfung. Vor allem der starke Euro, eine Belastung für Exporteure im Euroraum, bereitet der EZB derzeit Kopfzerbrechen.

Jens Weidmann kann sich negative Einlagezinsen vorstellen

Laut Weidmann, der auch im EZB-Rat sitzt, sind breit angelegte Staatsanleihekäufe der Notenbank nicht völlig vom Tisch. Er selbst scheint jedoch kein Anhänger der sogenannten "Quantitativen Lockerung" zu sein, der sich bereits die Notenbanken Amerikas, Großbritanniens und Japans bedient haben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Wegen des Verbots monetärer Staatsfinanzierung spricht sich Weidmann eher dafür aus, private Kredite in gebündelter Form auf die Bücher der EZB zu nehmen. Dies sei "eine Option", sagte er MNI. Allerdings kämen nur Papiere mit Top-Bonitätsnote in Frage. Ähnliche Planspiele hatte Notenbankchef Mario Draghi bereits auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos angestellt.

Weidmann nannte gegenüber MNI auch negative Einlagenzinsen auf Überschussliquidität, die Geschäftsbanken bei der EZB horten, als Möglichkeit, die Euro-Aufwertung zu bremsen. Dabei würde quasi durch einen Strafzins auf geparktes Zentralbankgeld versucht, mehr Mittel in die Realwirtschaft umzulenken. Dieses geldpolitische Instrument wurde von der Notenbank allerdings noch nie eingesetzt. Dementsprechend ungewiss wären die Erfolgsaussichten. Doch auch der finnische EZB-Vertreter Erkki Liikanen brachte es am Dienstag in einem Interview des "Wall Street Journal" wieder ins Gespräch. Eigentlich gilt er wie Weidmann eher nicht als Anhänger geldpolitischer Experimente.

Warten auf Konjunkturdaten in Europa und den USA

Vor der Veröffentlichung zahlreicher Konjunkturdaten aus den USA und der Euro-Zone liegt der Dax am Freitagmorgen leicht im Plus. Anleger hoffen auf Signale für eine nachhaltige Erholung der Konjunktur dies- und jenseits des Atlantiks. Auf der Agenda standen für die Euro-Zone unter anderem das Wirtschafts- und Verbrauchervertrauen sowie aus den USA die Konsumausgaben und das Michigan-Verbrauchervertrauen.
Am Donnerstag hatte sich der Dax kaum verändert bei 9451,21 Punkten in den Feierabend verabschiedet. An der Wall Street trat der Dow-Jones-Index zum Handelsschluss mit 16.264 Punkten ebenfalls auf der Stelle. Der S&P-500 verlor 0,2 Prozent, der Nasdaq-Composite 0,5 Prozent.
In Japan ging es zum Wochenschluss leicht nach oben: der Nikkei-Index legte 0,5 Prozent zu. Der Shanghai-Composite in China verlor dagegen 0,4 Prozent. (mit Reuters und dpa)

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