Vor Börsenbeginn : Leerverkäufe bei Aktien so niedrig wie vor der Finanzkrise - Dax vorbörslich weiter schwach

Hedge-Fonds und andere Investoren wetten immer weniger auf sinkende Aktienkurse, berichtet die "Financial Times". Das klingt gut, es ist aber kein gutes Zeichen. Der Dax zeigt sich vorbörslich kaum erholt.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt. Foto: dpa
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Hedge-Fonds haben ihre Leerverkäufe an den Aktienmärkten so weit zurückgefahren wie im Vorfeld der Finanzkrise, berichtet die "Financial Times" unter Berufung auf Daten, die sie bei dem Forschungsinstitut Markit in Auftrag gegeben hat.

Wenn selbst Hedge-Fonds, die auf Leerverkäufe spezialisiert sind, sich aus diesem Geschäft zurückziehen und keine Trades mehr tätigen, mit denen sie auf sinkende Kurse setzen, gilt das als Zeichen von gefährlicher Sorglosigkeit in den Märkten, wie sie im Vorfeld von Crashs zu beobachten ist.

Der Prozentsatz von geliehenen Aktien, wie sie für Leerverkäufe notwendig sind, am Gesamtmarkt sei so niedrig wie vor der Pleite von Lehman Brothers - sowohl in den USA, In Großbritannien und im Rest Europas, schreibt die "Financial Times".

Die Zahlen, die das Blatt präsentierte, bedeuten nicht, dass unmittelbar ein Crash bevorsteht. Phasen mit wenig Leerverkäufen können längere Zeit andauern. Die Frage ist, wie lange. Das kann niemand voraussagen.

Dax vorbörslich weiter schwach

Angesichts negativer Vorgaben aus Asien und den USA dürften sich die Gewinne am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch laut Börsianern in Grenzen halten. Der Dax stand am Mittwochvormittag vorbörslich nur etwas besser da, als am Vortag. Aus Angst vor Enttäuschungen in der anstehenden US-Bilanzsaison hatten die Investoren am Dienstag an der Wall Street Kasse gemacht.
Der Dow-Jones-Index und der S&P-500 verloren jeweils 0,7 Prozent, der Nasdaq-Composite gab 1,4 Prozent nach. In Frankfurt war der Dax 1,4 Prozent tiefer bei 9772,67 Punkten aus dem Handel gegangen.
In Tokio haben die Aktienkurse am Mittwoch nach schwachen Vorgaben von der Wall Street ihren Abwärtstrend fortgesetzt. Exportorientierte Titel litten unter der Yen-Aufwertung. Der Nikkei-Index gab am Morgen 0,5 Prozent auf 15.237 Punkte ab. Es gebe Anzeichen, dass die japanischen Aktien zu hoch bewertet seien, sagten Analysten. “Heute haben wir eine kleine Korrektur und es könnte in den nächsten Tagen weiter abwärts gehen“, sagte Takuya Takahashi von Daiwa Securities.
Gegen den Trend legten ANA Holdings um 1,3 Prozent zu nach einer Hochstufung durch CLSA. Die Fluggesellschaft hatte am Dienstag erklärt, sie habe im Mai erstmals den Rivalen Japan Airlines im internationalen Geschäft überholt.
Autotitel litten unter der Yen-Stärke. Toyota und Nissan gaben jeweils 1,1 Prozent ab.

Alcoa eröffnet traditionelle Bilanzsaison in den USA

Gute Geschäfte mit Alufelgen und Flugzeugrümpfen haben den US-Aluminiumriesen Alcoa in die Gewinnzone zurückgeführt. Zum Auftakt der US-Bilanzsaison meldete der vom früheren Siemens -Chef Klaus Kleinfeld geleitete Konzern unter dem Strich ein Ergebnis von 138 Millionen Dollar. Vor einem Jahr musste Alcoa noch 119 Millionen Dollar Verlust verkraften. Der Umsatz blieb mit 5,8 Milliarden Dollar im zweiten Quartal stabil, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Analysten hatten weniger Umsatz und Gewinn erwartet - im nachbörslichen Handel stieg die Alcoa-Aktie um zwei Prozent.
“Unser zweites Quartal zeigt, dass Alcoas Umbau mit hohen Drehzahlen vorangeht“, sagte Kleinfeld. Angesichts niedriger Aluminiumpreise konzentriert sich der Konzern immer stärker auf fertige Produkte aus dem Metall.


Hoffnungen knüpft Alcoa beispielsweise an die stark zunehmende Verwendung von Aluminium im Automobilbau. Diese Produkte haben zuletzt mehr abgeworfen als das Geschäft mit dem Abbau des Alu-Erzes Bauxit und dessen Veredelung zu dem Leichtmetall.
“Es sieht wie ein sehr gutes Quartal aus“, sagte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management, einer Investmentfirma, die Alcoa-Anleihen hält. Das gelte für Gewinne und Umsätze.
Alcoa gibt traditionell als erster großer amerikanischer Konzern Einblick in die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal. Das Unternehmen hat Kunden in wichtigen Branchen wie Auto-, Flugzeug- und Bauindustrie. Alcoa gilt daher als Konjunkturindikator. (mit Reuters)

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