Vor Börsenbeginn : Siemens geht mit mauen Zahlen in den Konzernumbau - Dax vorbörslich im Minus

Die Zahlen von Siemens sind durchwachsen. Weitere Unternehmenszahlen sowie der Ukrainekonflikt bestimmen das Klima an den Börsen. Der Dax liegt am Mittwochmorgen vorbörslich etwas im Minus.

Andreas Oswald
Bulle und Bär in Frankfurt.
Bulle und Bär in Frankfurt.Foto: imago

Siemens geht mit mauen Zahlen in den Konzernumbau. Zwischen Januar und März kletterte der Gewinn zwar im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 1,15 Milliarden Euro, wie Siemens am Mittwoch in Berlin mitteilte. Währungseinflüsse drückten aber auf den Auftragseingang und die Umsätze. Hinzu kamen Projektbelastungen. Das Ergebnis der Sektoren, mit dem das Tagesgeschäft von Siemens abgebildet wird, kletterte dennoch um 16 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro. Dagegen schrumpfte der Auftragseingang um 13 Prozent auf 18,43 Milliarden Euro. Der Umsatz sank um zwei Prozent auf 17,45 Milliarden Euro. Parallel zu den Zahlen wollte Kaeser auch die neue Konzernstruktur erläutern.

Siemens deutlich hinter den Erwartungen

Siemens blieb deutlich hinter den Erwartungen der Analysten zurück, da Siemens wegen verzögerter Anschlüsse von Windparks auf dem kanadischen Festland 310 Millionen Euro an Sonderlasten verbuchen musste.
Der Konzern hat bereits mit Anschluss von Anlagen in der Nordsee hunderte von Millionen Euro an Lehrgeld bezahlt.

Commerzbank geht es besser

Die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank hat zu Jahresbeginn ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Unter dem Strich verdiente das Institut 200 Millionen Euro, wie es am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Vor einem Jahr stand an dieser Stelle noch ein Verlust von 98 Millionen Euro. Damals hatten Rückstellungen für den Konzernumbau und den Abbau tausender Stellen das Ergebnis mit fast 500 Millionen Euro belastet. Das Tagesgeschäft lief im ersten Quartal allerdings schlechter als vor einem Jahr. Der operative Gewinn - das ist das um Sondereffekte wie die Kosten für den Konzernumbau bereinigte Vorsteuerergebnis - sackte um gut 30 Prozent auf 324 Millionen Euro ab. Das lag vor allem an einem deutlich schwächeren Geschäft im Investmentbanking.

Ukraine belastet die Märkte

Die anhaltenden Kämpfe in der Ukraine werden Börsianern zufolge am Mittwoch erneut für Nervosität am deutschen Aktienmarkt sorgen und den Dax belasten, schreibt Reuters. Am Dienstag hatte er 0,7 Prozent tiefer bei 9467,53 Punkten geschlossen.
An der Wall Street hatten die US-Indizes nach Börsenschluss in Deutschland ihre Verluste ausgebaut. Der Dow Jones beendete den Handel 0,8 Prozent und der Nasdaq 1,4 Prozent tiefer. Der S&P500 fiel um 0,9 Prozent.
In Tokio gab der Nikkei-Index am Mittwoch 2,5 Prozent auf 14.092 Zähler nach. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 0,4 Prozent auf 2019 Punkte.

Weitere Zahlen von Hannover Rück und HeilbergCement

Der weltweit drittgrößte Rückversicherer Hannover Rück ist überraschend mit etwas mehr Gewinn ins Jahr gestartet. Der Überschuss kletterte im ersten Quartal um ein Prozent auf 233 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem Ergebnisrückgang auf 216 Millionen Euro gerechnet, auch das Unternehmen selbst hatte vor Einbußen gewarnt - unter anderem wegen des harten Konkurrenzkampfs in der Schaden-Rückversicherung.
Die Hannover Rück profitierte Anfang 2014 nun jedoch davon, dass sie mit ihren Kapitalanlagen trotz niedriger Zinsen etwas mehr verdiente. Auch das Geschäft in der Schaden-Rückversicherung sei gut gelaufen, weil sich die Belastung durch Großschäden in Grenzen hielt, erklärte Hannover-Rück-Chef Ulrich Wallin. Im Gesamtjahr geht er allerdings wie bisher von einem leichten Rückgang des Gewinns auf rund 850 Millionen Euro aus.
Der milde Winter und die Konjunkturerholung in Europa haben das Geschäft des Baustoffkonzerns HeidelbergCement im ersten Quartal kräftig angeschoben. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen erhöhte sich von Januar bis März um gut acht Prozent auf 207 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.
Einschließlich der Ergebnisse aus Beteiligungen bis 50 Prozent, die nach neuen Bilanzregeln ab diesem Jahr nicht mehr mitgezählt werden dürfen, waren es 229 Millionen Euro.
Der Umsatz kletterte um 5,7 Prozent auf 2,75 Milliarden Euro, wobei durch die Euro-Stärke 221 Millionen Euro bei der Umrechnung verloren gingen.
Der Umsatz wuchs damit viel stärker, das operative Ergebnis (OIBD) aber schwächer als von Analysten erwartet.
Die von Reuters befragten Experten hatten ein Umsatzplus von zwei Prozent und einen Anstieg des OIBD um elf Prozent vorhergesagt.

Chinas Internetriese Alibaba plant größten Börsengang seit Facebook

Der chinesische Internetriese Alibaba plant einen der größten Börsengänge der Geschichte. Das Aktiendebüt wird im Sommer oder der zweiten Jahreshälfte erwartet. In US-Medien wird über ein Volumen zwischen 15 und 20 Milliarden Dollar spekuliert. Bei dem spektakulärsten Aktiendebüt seit dem des Online-Netzwerks Facebook mit 16 Milliarden Dollar vor zwei Jahren mischt auch die Deutsche Bank mit. Wie aus dem Dienstag in New York vorgelegten Börsenprospekt hervorgeht, gehört das Frankfurter Geldhaus zu den sechs Instituten, die Chinas boomende Online-Handelsplattform den Anlegern schmackhaft machen sollen.
Alibaba will in New York an die Börse, weil hier die finanzstarken und internetverliebten Investoren sitzen. Im vorläufigen Börsenprospekt nannte Alibaba vorerst nur 1 Milliarde Dollar, doch gilt die Summe nur als Platzhalter und dient üblicherweise der Registrierung.
Auch andere Details blieben zunächst unklar: die Zahl der Aktien, deren Stückpreis und der Börsenplatz. Das Unternehmen kann zwischen der traditionsreichen New York Stock Exchange und der rein elektronisch arbeitenden Konkurrenzbörse Nasdaq wählen. Alibaba hatte bereits im März sein Vorhaben angekündigt. Analysten schätzen den Wert des Unternehmens auf um die 150 Milliarden Dollar.
Zu den großen Handelsplätzen des Konzerns gehören Taobao, Tmall und Juhuasuan. 231 Millionen Käufer und 8 Millionen Verkäufer wickelten hier im vergangenen Jahr Geschäfte über 248 Milliarden Dollar ab. Der chinesische Konzern ist beim Handelsvolumen nach eigenen Angaben größer als Amazon oder Ebay. Alibaba bietet jedoch nicht selbst Waren an, sondern vermittelt lediglich. Mit Alipay gehört auch ein Bezahldienst zum Konzern. „Wir haben die Art und Weise verändert, wie in China Handel betrieben wird“, schreibt Alibaba im Börsenprospekt.


Alibaba verdient sein Geld unter anderem durch Werbung, Gebühren für getätige Handelsgeschäfte sowie Mitgliedsbeiträge. Von April bis Dezember vergangenen Jahres kam so ein Umsatz von 6,5 Milliarden Dollar zustande und der Gewinn lag bei unterm Strich 2,9 Milliarden Dollar. Das Geschäftsjahr endete im März; es liegen jedoch noch keine Ganzjahreszahlen vor.
Die zwei größten Anteilseigner sind das Internet-Urgestein Yahoo mit 22,6 Prozent und Japans Telekomkonzern Softbank mit 34,4 Prozent.
Gründer Jack Ma besitzt 8,9 Prozent. Sowohl Alteigentümer als auch das Unternehmen selbst wollen beim Börsengang Kasse machen.
Alibaba-Chef Ma und enge Vertraute sollen aber auch nach dem Börsendebüt weiter die Kontrolle ausüben, was in den USA mit einer Zwei-Klassen-Aktienstrukur möglich ist. Wegen börsenrechtlicher Bedenken über diese Führungsstruktur hatte Hongkong ein Aktiendebüt in Asiens Finanzmetropole verweigert.
Aufgabe der Deutschen Bank und der anderen Institute ist es, Anleger anzusprechen, bei der Ermittlung des Aktienpreises zu helfen und die Papiere schließlich zu verkaufen. Die Deutsche Bank gehört zu den größten Spielern an der Wall Street. Die Frankfurter saßen unter anderem beim Börsengang des Kurznachrichtendienstes Twitter im November vergangenen Jahres mit im Boot.

Disney wegen "Frozen" im Plus - Anleger freuen sich wie Schneekönige

Der anhaltende Erfolg von Walt Disneys Film “Frozen“ hat dem Konzern einen höheren Gewinn als erwartet in die Kassen gespült. Für das zweite Geschäftsquartal gab das US-Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss einen Nettogewinn von 1,9 Milliarden Dollar nach 1,5 Milliarden im Vorjahr bekannt, getragen insbesondere von der Filmsparte. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,11 Dollar, deutlich über den Erwartungen der von Reuters befragten Analysten von 96 Cent. Der Umsatz stieg auf 11,65 Milliarden Dollar von 10,55 Milliarden.
Die Händler freuten sich wie Schneekönige über die Zahlen: Nachbörslich stieg die Disney-Aktie um 1,3 Prozent.

Twitter-Aktie rauscht 18 Prozent in die Tiefe

Der Aktienkurs von Twitter ist eingebrochen, nachdem frühe Investoren und Mitarbeiter am Dienstag ihre Anteilsscheine verkaufen durften. Bis zum Börsenschluss in New York verlor das Papier annähernd 18 Prozent an Wert auf 31,85 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit dem Börsengang im November vergangenen Jahres.
Nachbörslich rutschte der Kurs weiter ab.
Im regulären Handel an der New Yorker Börse wechselten zehnmal so viele Twitter-Aktien den Besitzer wie an einem durchschnittlichen Tag. Hintergrund ist der Ablauf einer Haltefrist für Alteigentümer ein halbes Jahr nach dem Börsengang. Die Mitgründer Jack Dorsey und Evan Williams sowie Firmenchef Dick Costolo hatten jedoch erklärt, ihre Anteile bis auf weiteres behalten zu wollen.
Twitter hatte seine Aktien im November für 26 Dollar das Stück verkauft. Der Kurs kletterte sofort nach dem Handelsstart und knackte am Zweiten Weihnachtstag die Marke von 73 Dollar. Seitdem geht es abwärts, weil die Nutzerzahl von Twitter in den Augen vieler Börsianer zu langsam wächst. Erst in der Vorwoche hatte die Aktie nach der Präsentation des Geschäftsberichts für das erste Quartal kräftig eingebüßt.

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