Vor Börsenbeginn : Stimmung in China verbessert - Dax zunächst unverändert

Die Stimmung in Chinas Wirtschaft hellt sich auf. In Deutschland geht die Arbeitslosigkeit weiter zurück. Der Dax bewegt sich am Dienstagmorgen vorbörslich kaum. Die US-Börsen hatten uneinheitlich geschlossen.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Die Stimmung in der chinesischen Wirtschaft hat sich verbessert. Der Einkaufsmanagerindex des Nationalen Statistikamtes und Logistikverbandes stieg im Juni mit 51 Punkten auf den höchsten Stand seit sechs Monaten, zitiert dpa die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ein Wert über der kritischen Marke von 50 bedeutet Expansion der Wirtschaft. Es ist der vierte monatliche Anstieg des Frühindikators in Folge. Der Index hatte im Mai bei 50,8 Punkten gelegen. Der beständige Anstieg deute auf stabiles wirtschaftliches Wachstum, sagten Experten laut Xinhua. Die Maßnahmen zur Stabilisierung des Wachstums zeigten Wirkung.

In den vergangenen Wochen hatten Berichte über Probleme im chinesischen Bankensektor die Investoren verunsichert.

In Japan hat eine Anhebung der Verbrauchssteuer der japanischen Industrie im vergangenen Quartal einen Dämpfer zugefügt. Erstmals seit sechs Quartalen sank die Stimmung unter den Industriemanagern des Landes, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Bank von Japan (BoJ) hervorgeht. Der von der Zentralbank ermittelte Stimmungsindex für die Großindustrie sank zum Juni auf plus 12 nach plus 17 im März und damit etwas stärker als von Ökonomen erwartet, schreibt dpa.

Dax vorbörslich nahezu unverändert

Der Dax zeigt sich am Dienstagmorgen vorbörslich kaum verändert. Er folgt damit den US-Börsen, die sich ebenfalls kaum bewegt hatten. Die Standardwerte-Indizes schlossen mit minimalen Verlusten. Die Nasdaq konnte sich zwar im Plus halten, gaben einen Teil ihrer Gewinne jedoch bis Handelsschluss wieder ab.
Der Leitindex Dow Jones Industrial beendete den Handel mit minus 0,15 Prozent bei 16 826,60 Punkten. Im zweiten Quartal legte er damit dennoch um 2,2 Prozent zu. Deutlicher noch ist der Zuwachs für den marktbreiten S&P-500-Index, der an diesem Tag um 0,04 Prozent auf 1960,23 Punkte stieg. Im abgelaufenen Quartal gewann er fast sechs Prozent und legte damit in einem zweiten Quartal so deutlich zu wie seit 2009 nicht mehr. Der Nasdaq 100 gewann zum Wochenstart moderate 0,13 Prozent auf 3849,48 Punkte, nachdem er im Tagesverlauf bei rund 3860 Punkten so hoch gestanden hatte wie seit September 2000 nicht mehr. Sein Plus im abgelaufenen Quartal beträgt etwas mehr als sieben Prozent.
In den USA war die Zahl der noch nicht vollständig abgeschlossenen Hausverkäufe im Mai mit plus 6,1 Prozent deutlich stärker gestiegen als erwartet. Volkswirte hatten lediglich mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet. Kaum Beachtung fand hingegen, dass sich die Stimmung der Einkaufsmanager in der US-Region Chicago im Juni etwas stärker als erwartet eingetrübt hatte.

Gopro-Aktien steigen um weitere 13 Prozent

Gopro-Aktien sprangen um weitere knapp 13 Prozent hoch auf 40,55 Dollar. Die Papiere der für ihre Actionkameras Hero bekannte US-Firma waren am vergangenen Donnerstag an der Börse gestartet. Der Ausgabepreis hatte beim anvisierten Höchstpreis von 24 Dollar gelegen. Inzwischen beläuft sich das Plus auf nahezu 70 Prozent.
Analystenmeinungen beflügelten im Nasdaq 100 die Anteilsscheine von Yahoo und Micron Technology. Die Titel des Halbleiterspezialisten Micron waren mit plus 4,57 Prozent auf 32,95 Dollar Spitzenwert im Auswahlindex und profitierten davon, dass die Credit Suisse sie auf ihre Empfehlungsliste gesetzt hatte. Seit Jahresbeginn sind Micron-Aktien damit um etwas mehr als 50 Prozent gestiegen.
Um 2,57 Prozent legten die Anteilsscheine von Yahoo zu. Die Analysten von Piper Jaffray sehen den Wert der Beteiligung an der Handelsplattform Alibaba im Aktienkurs von Yahoo noch nicht ausreichend widergespiegelt. Je näher der Börsengang von Alibaba rücke, desto realistischer sollte die Bewertung werden, hieß es.
Der Kurs des Euro stieg im US-Handel. Zum Wall-Street-Schluss wurde die europäische Gemeinschaftswährung mit 1,3694 US-Dollar gehandelt.
Am Rentenmarkt stiegen richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen um 4/32 auf 99 26/32 Punkte und rentierten mit 2,52 Prozent.

Weiterer Rückgang der Arbeitslosigkeit in Deutschland

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich nach Einschätzung von Experten im Juni weiter verbessert - allerdings war die Entwicklung nicht besonders dynamisch. Volkswirte, die die Nachrichtenagentur dpa befragt hat, rechneten mit einem Rückgang um knapp 70 000 Jobsucher - damit wären aktuell etwa 2,8 Millionen Menschen bundesweit ohne Stelle. Zugleich suchen die Unternehmen weiterhin viele Mitarbeiter: Der Stellenindex BA-X der Bundesagentur für Arbeit (BA) stieg im Juni um 3 auf 153 Punkte. Die aktuellen Arbeitsmarktdaten gibt die BA am heutigen Dienstag bekannt.
„Im Juni hatten wir eine durchschnittliche Entwicklung“, erläuterte Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut. Der Frühjahrsaufschwung habe sich nicht mehr spürbar bemerkbar gemacht, da er in diesem Jahr wegen des milden Winters bereits in den Vormonaten zum Tragen gekommen sei. Zugleich seien die Auswirkungen der Konjunktur auf den Arbeitsmarkt derzeit nicht besonders kräftig. Hinzu kommt: „Wir sind auf einem so hohen Niveau, dass wir stark fallende Arbeitslosenzahlen wohl nicht mehr zu erwarten haben“, wie Stefan Kipar von der Bayerischen Landesbank ergänzte.

Bulgarien stützt sein Bankensystem mit Notkrediten

Nach Gerüchten über drohende Bankpleiten stützt Bulgarien sein Bankensystem vorsorglich mit einem milliardenschweren Notkredit. Die EU-Kommission erlaubte Sofia am Montag, den Banken mit einer Finanzspritze von 3,3 Milliarden Lew (1,6 Milliarden Euro) unter die Arme zu greifen. Diese Maßnahme sei „angemessen und erforderlich, um unter den besonderen Umständen genügend Liquidität für den Bankensektor zu gewährleisten“, teilte die EU-Behörde am Montag in Brüssel mit. Bulgarien habe dies beantragt, nachdem „mutmaßliche Kriminelle“ in der vorigen Woche mit gezielten Gerüchten um angebliche Schieflagen für Unruhe unter Sparern gesorgt hatten.
Die Staatsanwaltschaft in Sofia hat inzwischen Ermittlungen gegen zwei Investmentbanker eingeleitet.


In Panik geratene Bankkunden hatten allein am Freitag umgerechnet mehr als 400 Millionen Euro von ihren Konten abgehoben. Inzwischen hat sich die Aufregung weitgehend gelegt. Die Filialen einer schwer getroffenen Bank öffneten und funktionierten am Montag wie üblich, berichtete der Fernsehsender bTV in Sofia. Die betroffene Bank, die Erste Investitionsbank (Fibank), teilte laut Staatsradio mit, viele Kunden, die am Freitag das Abheben ihrer Guthaben beantragt hatten, verzichteten jetzt auf diesen Schritt.
Der bulgarischen Nationalbank zufolge zeigten die Finanzspritze bereits Wirkung: „Als Ergebnis der unternommenen Maßnahmen funktioniert der Bankensektor in Bulgarien normal“, erklärte die Bank am Abend. Staatspräsident Rossen Plewneliew hatte am Sonntagabend eine Garantieerklärung an die Adresse der bulgarischen Sparer gegeben: „Das Geld der Bürger in den Banken in Bulgarien ist sicher und garantiert.“ Mittlerweile sind acht Personen unter dem Verdacht von „Verbrechen gegen das Finanzsystem“ festgenommen worden.
Die Gerüchte-Lawine war wie in einem filmreifen Drehbuch ins Rollen gekommen. Hunderte Bulgaren bekamen Mitteilungen per Mail oder SMS, dass ihre Einlagen in den bulgarischen Banken nicht sicher seien. Die Menschen wurden aufgefordert, ihr Geld abzuheben. Daraufhin bildeten sich lange Schlangen vor Bankfilialen. Die Polizei warnte unterdessen, dass das von der Bank abgehobene Geld zuhause keinesfalls sicher sei.
Die Staatsanwaltschaft der Hauptstadt ermittelt derzeit gegen zwei Investmentbanker. Nach Informationen des bulgarischen Fernsehsenders bTV soll ihrem früheren Arbeitgeber Mitte Mai die Lizenz entzogen worden sein. (mit dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben