Vor Börsenbeginn : Überraschend starke Daten aus China sollten dem Dax helfen

China überrascht mit Wachstumszahlen, die höher sind als erwartet. Das könnte auch den Weltbörsen etwas Auftrieb geben. Fed-Chefin Janet Yellen dämpft dagegen den Aufwärtstrend bei Tech-Aktien. Der Dax liegt vorbörslich etwas im Plus.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Überraschend starke Wirtschaftsdaten aus China dürften den Dax am Mittwoch fester starten lassen. Der Deutsche Leitindex Dax lag am Mittwochmorgen vorbörslich leicht im Plus. Das chinesische Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 7,5 Prozent zu nach einem Plus von 7,4 Prozent zum Jahresanfang - Analysten hatten mit einem konstanten Wert von 7,4 Prozent gerechnet, berichtet Reuters..
Der Zuwachs der zweitgrößten Volkswirtschaft liegt damit auf dem von der Staatsführung gesteckten Ziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr. Im ersten Quartal war Chinas Wirtschaft auf 7,4 Prozent Wachstum gekommen.
Die Konjunkturdaten der vergangenen drei Monate sind ein Hinweis darauf, dass sich die Wirtschaftsentwicklung in China stabilisiert hat. Nachdem sich das Wachstum über drei Quartale immer weiter abgekühlt hatte, nahm es nun erstmals wieder Fahrt auf. Sollte es allerdings in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum seit 24 Jahren. 2012 und 2013 war Chinas Wirtschaft mit 7,7 Prozent jeweils im Vergleich zum Vorjahr so langsam wie zuletzt Ende der 90er Jahre gewachsen.
Chinas Staatsführung will eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft anstoßen. Dafür will sie auch geringere Wachstumsraten in Kauf nehmen. Kurzfristige Konjunkturmaßnahmen werde es nicht geben, hatte Regierungschef Li Keqiang vergangene Woche beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betont.
Im Vergleich zum minimalen Wachstum in Europa und den USA erscheinen Wachstumszahlen wie in China bemerkenswert, doch sind sie für ein Schwellenland wie China mit seinem Nachholbedarf nicht hoch. Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

Fed-Chefin Janet Yellen dämpft die Börsen

Sorgen über das aktuelle Bewertungsniveau einiger Sektoren haben den US-Aktienmarkt am Dienstag belastet. Gute Unternehmenszahlen konnten dies nicht kompensieren. Zwar hatte der Dow Jones Industrial im frühen Handel bei 17 120 Punkten abermals ein Rekordhoch erklommen. Anschließend schwankte der US-Leitindex aber wischen Gewinnen und Verlusten. Zum Handelsschluss stand ein hauchdünnes Plus von 0,03 Prozent auf 17 060,68 Punkte zu Buche. Der marktbreite S&P 500 fiel um 0,19 Prozent auf 1973,28 Punkte. An der Technologiebörse Nasdaq gab der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,38 Prozent auf 3914,45 Punkte nach.
US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte am Dienstag mit Äußerungen über eine hohe Bewertung einiger Branchen der Stimmung an den Börsen einen Dämpfer versetzt. “Ihre Bedenken mit Blick auf die Bewertung einiger Branchen stoßen vielen Investoren auf“, sagte Portfoliomanager Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel Reuters. Zur weiteren Zinspolitik der Fed habe es indes kaum Neuigkeiten gegeben.
Die Bewertung von Social-Media- und Biotechnologie-Unternehmen erscheine hoch im historischen Vergleich, sagte Yellen. Bei einigen Anlageklassen gebe es Anzeichen, dass die Risikobereitschaft der Investoren gestiegen sei. Weitergehend äußerte sich die Fed-Chefin indes nicht. An der Wall Street büßten Facebook -Aktien mehr als ein Prozent an Wert ein. Die Anteilsscheine des Bewertungsportals Yelp ließen sogar knapp drei Prozent Federn.


Der Dow-Jones-Index gab nach den Yellen-Äußerungen seine zu Handelsbeginn erzielten Gewinne weitgehend wieder ab und schloss kaum verändert. Das Barometer der Standardwerte schloss 0,03 Prozent höher auf 17.060 Punkten. Dabei pendelte er zwischen 17.006 und 17.120 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,19 Prozent auf 1973 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq schloss mit einem Verlust von 0,54 Prozent bei 4416 Stellen. Der Dax in Frankfurt verabschiedete sich mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 9719 Punkten aus dem Handel. “Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass sich die Fed zu bestimmten Branchen äußert, daher drücken die Aussagen auf die Kurse“, sagte ein Marktstratege.

Relativ gute Quartalszahlen kamen von JPMorgan und Goldman Sachs

Beide Banken schlugen sich im zweiten Quartal deutlich besser als von Analysten erwartet. JPMorgan-Aktien verteuerten sich um 3,5 Prozent, Goldman-Papiere zogen um 1,3 Prozent an.
In der Tabakbranche übernimmt der “Camel“-Hersteller Reynolds für rund 25 Milliarden Dollar den Rivalen Lorillard. Lorillard-Aktien fielen um rund zehn Prozent, während Reynolds-Papiere um knapp sieben Prozent nachgaben.
Knapp zehn Prozent nach oben ging es dagegen für die Aktien des Chemiekonzerns Rockwood. Der Rivale Albemarle hat ein Übernahmeangebot in Höhe von 6,2 Milliarden Dollar vorgelegt.
An der New York Stock Exchange wechselten rund 730 Millionen Aktien den Besitzer. 1029 Werte legten zu, 1997 gaben nach und 151 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,73 Milliarden Aktien 749 im Plus, 1907 im Minus und 135 unverändert.
Die US-Kreditmärkte bewegten sich nach den Äußerungen Yellens nur in engen Spannen. Die zehnjährigen Staatsanleihen notierten zuletzt unverändert bei 99-18/32.
Die Rendite betrug 2,5486 Prozent. Der 30-jährige Bond legte 1/32 auf 100-4/32 zu und rentierte mit 3,3673 Prozent.
Händler interpretierten die Bemerkungen der Notenbankchefin dahingehend, dass die Leitzinsen nicht früher als erwartet erhöht werden. (mit Reuters und dpa)

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