Vor Börsenbeginn : Wie Fed-Chefin Janet Yellen die Märkte wundersam steuert

Das moderate aber klare Verhalten der Märkte zeigt, dass die Akteure Janet Yellen sehr gut verstanden haben. Der Dax liegt nach den Verlusten vom Vortag am Dienstag vorbörslich leicht im Plus.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Alles deutet darauf hin, dass Janet Yellen, Chefin der US-Notenbank Fed, ihren berühmt gewordenen Halbsatz in der vergangenen Woche wohl kalkuliert hat. Die Börsen reagieren moderat, aber klar. Anders wird sich Yellen das kaum gewünscht haben.

Aktien und Anleihen drehen ins Minus - ohne in Hektik zu verfallen

Aktien und Anleihen sind in den USA und in anderen Teilen der Welt leicht ins Minus gedreht. Und das alles, ohne in große Hektik zu verfallen. Da fällt es schwer, an eine Unachtsamkeit zu denken, als der neuen Chefin der Federal Reserve (Fed) bei ihrem ersten großen Auftritt in dieser Funktion in der vergangenen Woche der Halbsatz "sechs Monate oder so" scheinbar rausrutschte. Damit antwortete sie auf die Frage eines Reporters, wie lange es dauern werde, bis die Fed nach dem Ende der Anleihekäufe im Herbst die Leitzinsen erhöhen werde. Ein halbes Jahr - das war früher, als bisher erwartet. Das scheinbare Herausrutschen dieses Halbsatzes wirkte authentischer, als wenn Yellen ihn die Aussage schon in ihrer Rede gemacht hätte, bei der jeder Satz hin- und herinterpretiert wird, wie er denn gemeint sei.

Fed sieht Blase an den Anleihemärkten

Die Märkte haben den Halbsatz offensichtlich so verstanden, wie er gemeint war. Aktien und Anleihen befinden sich in einer Abwärtskorrektur. Die Fed ist offensichtlich der Ansicht, dass sich im Anleihemarkt eine Blase gebildet hat, nicht anders sind die Worte von Jeremy Stein zu verstehen, Mitglied des Board of Governors der Fed, der sagte, die Geldpolitik solle nicht so großzügig sein, "wenn die Risiken der Anleihemärkte abnorm niedrig sind". Auf diese Äußerung vom Freitag macht der Analyst Markus Fugmann von der Actior AG aufmerksam.

Bei Anleihen droht ein Niedergang, bei Aktien dürfte der Rückgang vorübergehend sein

Bei Anleihen droht ein längerer Niedergang. Dass Pimco, der größte Anleihehändler, jetzt gerade einen Großkunden verloren hat, wie das "Handelsblatt" berichtet, ist da nur eine kleinere Nachricht im deprimierenden Ausblick des jahrelang gefeierten Pimco-Chefs Bill Gross.

Zinserhöhungen bedeuten kurzfristig zwar auch für die Aktienmärkte einen Rückgang, langfristig jedoch laufen Steigerungen im Aktienmarkt und sukzessive Zinserhöhungen parallel, bis der Zyklus zu Ende ist. Das dürfte noch lange nicht der Fall sein, selbst wenn die Aktienmärkte jetzt erst einmal für mehrere Monate korrigieren, das heißt sinken werden.

Dax vorbörslich leicht im Plus

Der Dax liegt am Dienstagmorgen vorbörslich leicht im Plus, nachdem er am Vortag um 1,65 Prozent gesunken war. Auch die amerikanischen Börsen sanken, wenn auch nur leicht.

Nikkei-Index in Japan zeigt sich gedrückt

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index tendierte schwächer. “Die geopolitischen Sorgen haben zwar keine großen direkten Auswirkungen auf den japanischen Handel, aber die Anleger verhalten sich defensiv“, erklärte ein Portfoliomanager. Zudem sorge das nahende Ende des Fiskaljahres für zusätzliche Zurückhaltung.
Händler verwiesen zudem auf den Markit-Einkaufsmanager-Index, der eine Abkühlung des Wachstums der US-Industrie signalisierte.
Die größten Exportwerte tendierten uneinheitlich. So legten die Aktien von Toyota 0,2 Prozent zu, während Toshiba 1,2 Prozent und Sony 0,8 Prozent einbüßten. (mit Reuters)

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