Vor Börsenbeginn : Zinserhöhungen der Fed in den USA könnten früher kommen

Die Fed könnte die Leitzinsen früher erhöhen, als gedacht. Das geht aus den Protokollen der letzten Sitzung hervor. Der Dollar steigt deshalb weiter, die US-Aktienmärkte ebenfalls. Deutsche Aktien könnten dagegen unter der Dollarstärke leiden. Der Dax ist vorbörslich etwas schwächer.

Andreas Oswald
Börse in Frankfurt.
Börse in Frankfurt.Foto: dpa

Bei der US-Notenbank Fed werden die Befürworter einer strafferen Geldpolitik stärker. Damit rückt das Ende des ultrabilligen Geldes in den USA näher. Zwar sind die Währungshüter weiter alles andere als einig über den Zeitpunkt der ersten Leitzinserhöhung seit den Krisenjahren, doch die Fürsprecher einer härteren geldpolitischen Gangart scheinen auf dem Vormarsch. Das zeigt das am Mittwoch veröffentlichte Protokoll der letzten Notenbanksitzung am 29. und 30. Juli.
In den sogenannten „Minutes“ heißt es laut dpa: „Viele Mitglieder“ des geldpolitischen Ausschusses hielten eine frühere Leitzinserhöhung als bisher erwartet für möglich, falls die Erholung am Arbeitsmarkt schneller als prognostiziert voranschreitet. Im Protokoll steht zwar auch, dass die Mehrheit der Top-Notenbanker zunächst weitere Daten abwarten will.
Anleger deckten sich mit Aussicht auf höhere Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft mit Dollar ein. Die US-Devise verbuchte gegenüber den wichtigsten Vergleichswährungen deutliche Kursgewinne.
Der Euro geriet im Gegenzug unter Druck und sank zwischenzeitlich mit 1,3254 Dollar auf den tiefsten Stand seit elf Monaten.
„Die Falken beginnen, ihre Flügel auszubreiten“, zitiert dpa einen Händler. Als „Falken“ gelten im Notenbankjargon Befürworter einer straffen Geldpolitik, Anhänger einer lockeren Linie werden als „Tauben“ bezeichnet. „Die Fed hat einen weiteren Schritt in Richtung Zinsanhebung gemacht“, sagte Ökonom Paul Dales vom Analystenhaus Capital Economics.
Bisher hatten die meisten Analysten und Marktteilnehmer frühestens Mitte kommenden Jahres mit einem Zinsschritt gerechnet. Doch Capital-Economics-Experte Dales interpretiert die „Minutes“ dahingehend, dass die Notenbank bereits im März 2015 die Leitzinsen anheben wird.
Allerdings enthält das Fed-Protokoll durchaus auch Töne, die gegen eine Einschränkung der Billiggeld-Zufuhr sprächen: Trotz der jüngsten Erholung sei der Arbeitsmarkt noch weit von normalen Zuständen entfernt, betonten viele Fed-Mitglieder. Die Notenbank orientierte sich zuletzt sehr stark an der Entwicklung am Arbeitsmarkt.

US-Börsen legen trotz möglicher früherer Zinswende weiter zu

Eine möglicherweise früher als erwartet kommende Zinswende in den USA hat die dortigen Börsen am Mittwoch nicht beeindruckt. Das deutet auf längerfristige Stärke der US-Börsen hin. Der Dow Jones Industrial machte seinen kurzfristigen Schwächeanfall schnell wieder wett und baute seine Gewinne noch aus.


Zum Handelsschluss stand der Leitindex 0,35 Prozent höher bei 16 979,13 Punkten, womit er an die freundliche Entwicklung der vergangenen zwei Tage anknüpfte.
Der breit gefasste S&P-500-Index gewann 0,25 Prozent auf 1986,51 Punkte, womit er nur wenig unter seinem Rekord-Schlusskurs vor knapp einem Monat blieb. Der Technologie-Auswahlindex Nasdaq 100 trat indes mit einem Plus von 0,01 Prozent auf 4040,70 Punkte auf der Stelle.

Der Dax liegt am Donnerstagmorgen vorbörslich ein bisschen tiefer. Die deutschen Börsen könnten unter einem stärkeren Dollar leiden, weil es für Anleger lukrativer ist, in US-Aktien anzulegen. US-Anleger haben sich bereits in den letzten Wochen zunehmend aus den europäischen Märkten zurückgezogen, berichtet die "Financial Times".

Hedgefonds sollen an die Kandare genommen werden

Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen laut Insider-Informationen Fondsmanager stärker an die Kandare nehmen, berichtet Reuters. So werde eine Erlaubnis für Aufsichtsbehörden erwogen, in Krisenzeiten direkt in die Geschäfte von Hedgefonds eingreifen zu können, sagten Branchen- und G20-Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vorschläge seien bisher nur vage, sollten aber auf dem G20-Gipfel im November in Australien zur Diskussion vorgelegt werden. Bisher hatte der Finanzstabilitätsrat (FSB), der im Auftrag der G20 der Branche stärker auf die Finger schauen soll, eine Aufsicht mit weniger Eingriffsrecht geplant.
Doch die Absicht des FSB, vor allem die größten Fonds ins Visier zu nehmen, hatte die Branche gegen das Vorhaben aufgebracht. Dies sei der falsche Ansatz, hatte das Investment Company Institute (ICI) - eine Lobby-Gruppe der Fonds in den USA - argumentiert. Aus europäischen Branchenkreisen verlautete, dass gerade dieser massive Protest den FSB möglicherweise zu einer härteren Gangart veranlasst haben könnte. Der FSB lehnte eine Stellungnahme ebenso ab wie das ICI. Um nach der Krise von 2007 bis 2009 neue Verwerfungen im internationalen Finanzsystem zu verhindern, hatten sich die G20 zunächst um eine strengere Kontrolle der Banken bemüht und sich dann Hedgefonds zugewandt. (mit dpa und Reuters)

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