Wandelanleihen : Cabrio fürs Depot

Mit festen Zinsen rechnen und auf steigende Aktienkurse setzen: Wandelanleihen bieten Anlegern Renditechancen bei begrenztem Risiko.

Veronika Csizi
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Für alle Marktlagen. Das englische Wort für Wandelanleihe, „Convertible”, macht den Charme des Produkts deutlich. Im Englischen...Opel

Sie verknüpfen die Sicherheit von Anleihen mit den Chancen von Aktien. Doch obwohl Wandelanleihen als Zwitter zwischen zwei Welten viele Vorteile bei überschaubaren Nachteilen bieten, ist das Interesse der Privatanleger bescheiden. Institutionelle Anleger dagegen, also Versicherungen, Pensions- und Investmentfonds, reißen sich wieder um Wandelanleihen. Gleichzeitig nutzen immer mehr Firmen diese Papiere zur Kapitalbeschaffung. Seit diesem Frühjahr floriert das Geschäft mit den Wandlern.

Im Prinzip ist eine Wandelanleihe ein festverzinsliches Wertpapier, mit dem der Anleger dem ausgebenden Unternehmen wie bei einer normalen Anleihe einen Kredit für eine festgelegte Laufzeit gibt. Dafür erhält er nicht nur einen jährlichen Zinskupon, sondern zugleich – meist nach einer Mindesthaltefrist – auch das Recht, seine Anleihe gegen eine zuvor festgelegte Anzahl von Aktien zu tauschen.

FÜR UNSICHERE ZEITEN

Das Tauschrecht ist in Zeiten größerer Unsicherheiten nützlich: Denn ist der Kurs der Aktie seit der Emission der Anleihe gestiegen, kann der Anleger auf die Rückzahlung der Anleihe in Cash verzichten und die Aktienvariante wählen. Aus einem Gläubiger wird dann ein Aktionär, aus Schulden des Unternehmens wird Eigenkapital. Der Anleger kann seine Aktien dann auch sofort an der Börse verkaufen und den Gewinn einstreichen. Fällt der Markt dagegen, bleibt er in der Anleihe investiert und erhält am Ende der Laufzeit 100 Prozent seines Kaufpreises plus Zinsen zurückerstattet.

Das englische Wort für Wandelanleihe, „Convertible”, macht dies deutlich. Denn im Englischen ist ein Convertible auch ein Cabrio, das bei schönem Wetter Fahrvergnügen bringt und für regnerische Zeiten ein Dach hat. Als Risiko bleibt dem Anleger, wie bei allen Firmenanleihen, die Pleite des Unternehmens. Allerdings muss der Investor für das Umtauschrecht Abstriche hinnehmen: Meist ist der Zinskupon einer Wandelanleihe niedriger als bei einer normalen Unternehmensanleihe. Zudem liegt der festgelegte Umtauschsatz rechnerisch über dem Kurs der Aktie bei Emission der Wandelanleihe. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat zum Beispiel gerade eine Wandelanleihe auf die Post begeben, an der sie noch größere Aktienpakete hält. Die Anleihe mit einem Volumen von 750 Millionen Euro hat einen Zinskupon von 1,5 Prozent. Der Umtauschpreis liegt bei 13,86 Euro – das entspricht einem etwa 35-prozentigen Aufschlag auf den Kurs der Post-Aktie bei Ausgabe des Papiers. Frühestens nach einem Jahr darf der Anleger in Aktien wandeln, was jedoch nur Sinn macht, wenn die Post-Aktie den Umtauschkurs bis dahin überschritten hat.

Während die KfW mit der Wandelanleihe den Staatsanteil an der Post reduzieren will, nutzen andere Firmen das Instrument zur zinsgünstigen Beschaffung von Kapital. Nach Berechung der Schweizer UBS haben allein europäische Unternehmen zwischen Januar und Juni 2009 mehr als 20 Milliarden Euro platziert. In Deutschland etwa beschafften sich zum Beispiel Südzucker, Q-Cells, Infineon und SGL Carbon Geld mithilfe von Wandlern.

HOHER FINANZIERUNGSBEDARF

Der finanziell angeschlagene Chiphersteller Infineon platzierte zum Beispiel im Mai 196 Millionen Euro mit einem Zinssatz von 7,5 Prozent und einer Wandlungsprämie von 25 Prozent. Für 50 000 Euro in der Anleihe garantierte Infineon den Tausch in 19 157 Aktien. Damals notierte die Aktie knapp über zwei Euro, seither ist sie um gut 50 Prozent auf rund 3,35 Euro gestiegen. 50 000 Euro wären somit heute fast 64 000 Euro in Aktien wert. Die Wandelanleihe notiert folgerichtig derzeit bei rund 160 Prozent, lohnt sich also für ein Neuinvestment nicht mehr.

Die Crédit Suisse glaubt, dass sich der Trend zur Ausgabe von Wandlern fortsetzen wird: „Unternehmen nutzen Wandelanleihen, um kurzfristige Verbindlichkeiten zu refinanzieren. Der Refinanzierungsbedarf dürfte hoch bleiben.“ Das Problem für den Privatanleger bleibt: Die meisten Wandelanleihen sind nur in großen Stückelungen zu 50 000 bis 100 000 Euro erhältlich. Manche Wandler werden sogar ausnahmslos an institutionelle Investoren verkauft. Zudem reagieren die Kurse der Wandelanleihen wie Chamäleons je nach Aktienkurs, Bonität des Unternehmens, Liquidität der Anleihe und Umtauschpreis unterschiedlich.

FONDS FÜR PRIVATANLEGER

Experten raten Privatanlegern deshalb, auf Wandelanleihe-Fonds zurückzugreifen. Nach massiven Verlusten im Jahr 2008 haben viele von ihnen 2009 schon mehr als 30 Prozent zulegen können, darunter der UBS Bond Fund Convertible (Wertpapierkennnummer 934143) oder der JPM Global Convertibles (A0RB3H). Die Wandelanleihe-Fonds der großen deutschen Fondsgesellschaften DWS (Deutsche Bank) und Deka (Sparkassen) liegen im laufenden Jahr bisher 15 bis 18 Prozent im Plus – etwa der DWS Convertibles (847426), der vor allem auf Wandelanleihen von Schlumberger, Intel, Adidas, Royal Dutch, Newmont Mining und Nintendo sowie den Schwerpunkt Nordamerika setzt. Im Deka-Wandelanleihen- Fonds (693798) mit dem Schwerpunkt Europa stecken hauptsächlich Wandler der KfW, von Arcelor und Axa.

Grundsätzlich gilt für Wandelanleihen die Faustregel: Sie partizipieren zu zwei Dritteln an steigenden Märkten, machen fallende Märkte jedoch nur zu einem Drittel mit. Wandelanleihen sichern auch beide Szenarien der künftigen Geldentwicklung ab. Bei stärkerer Inflation kann der Anleger die Wandel-Option und damit den inflationsgeschützten Sachwert Aktie wählen. Kommt es zu einer Deflation, ist sein Geld in einem Zinspapier rentabler angelegt.

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