Weihnachtsgeschäft : Schöne Bescherung

Das hat den Einzelhändlern gerade noch gefehlt: Die Folgen der Finanzkrise erwischen sie mitten in der umsatzstärksten Zeit des Jahres. Das könnte das Geschäft mal wieder verderben.

Maren Peters
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Weihnachten kommt. Der Einzelhandel gibt sich optimistisch. -Foto: Keystone

Noch sieht es ganz düster aus im Weihnachtsgeschäft, im wahrsten Sinne des Wortes: Alles, was die festlich geschmückten Parfümerien, teuren Boutiquen und Schuhgeschäfte an der Friedrichstraße von außen beleuchtet, sind die Straßenlaternen und Autoscheinwerfer. Dagegen baumeln die Weihnachtssterne und Girlanden hoch über der Einkaufsstraße in Berlins Mitte noch traurig im frostigen Herbstwind. Erst an diesem Montag, nach Totensonntag, gehen die Lichter an – und das Weihnachtsgeschäft richtig los. Das hoffen zumindest die Händler.

Gerade zwei Monate ist es her, dass die Finanzkrise die Welt mit voller Wucht erwischt hat. Für die Einzelhändler hätte das Timing nicht schlechter sein können: Die Folgen – Rezession und drohender Arbeitsplatzabbau – erwischen sie mitten im Weihnachtsgeschäft und damit der wichtigsten Zeit des ganzen Jahres. Durchschnittlich 20 Prozent der Umsätze erwirtschaftet die Branche in den zwei Monaten vor dem Fest. Darum ist die Spannung groß.

Noch überwiegt der Optimismus. „Die Verbraucher sehen ihre eigene Lage noch nicht so dramatisch wie die Gesamtwirtschaft“, sagt Rolf Bürkl von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), der am kommenden Dienstag den neuen Konsumklimaindex vorlegen wird. Auch in der Hauptstadt wollen sich die Händler die Vorfreude nicht verderben lassen. „Wir sind vorsichtig optimistisch“, sagt Günter Päts, der Vizechef des Einzelhandelsverbandes Berlin-Brandenburg. „Im Einzelhandel kommen Konjunkturschwankungen – egal, in welche Richtung – immer erst mit Verspätung an.“ Der Einzelhandelsverband HDE will seine Erwartungen ans Weihnachtsgeschäft an diesem Donnerstag präzisieren.

Genug Geld zum Ausgeben ist auch da, mehr sogar als im Vorjahr. Das liegt nicht nur daran, dass die Arbeitslosenzahl im Vergleich zum Vorjahresnovember um mehr als 400 000 zurückgegangen ist, sondern auch an den guten Tarifabschlüssen dieses Jahres. Das tarifliche Weihnachtsgeld fällt darum in vielen Branchen höher aus als 2007. Je nach Tarifbereich ergibt das einen Zuwachs zwischen 18 und 193 Euro, hat die Hans-Böckler-Stiftung ausgerechnet. Und noch aus einem anderen Grund haben die Leute wieder mehr Geld in der Tasche: Benzin, Heizöl und Lebensmittel sind wieder deutlich billiger als im Vorjahr, als der Preisanstieg die Gehaltszuwächse wieder aufgefressen und den Händlern deshalb einen miserablen Festtagsumsatz beschert hatte. „Die Rahmenbedingungen für das Weihnachtsgeschäft 2008 sind nicht so schlecht“, meint deshalb GfK-Experte Bürkl. Allerdings weiß auch er, dass selbst die schönste Statistik nichts nützt, wenn die Stimmung nicht stimmt.

Und dazu braucht es weit mehr als das „Stille Nacht“-Gedudel im Kaufhaus und leuchtende Sterne über der Friedrichstraße. Wer Angst hat, seinen Job zu verlieren, trägt sein Geld lieber auf die Bank statt ins Kaufhaus. Das Budget der Bürger für Weihnachtsgeschenke liegt in diesem Jahr daher mit durchschnittlich 221 Euro rund 25 Euro unter dem Vorjahr, wie die Unternehmensberatung Ernst & Young in einer Umfrage ermittelt hat. Dabei sind Ostdeutsche insgesamt etwas spendabler als Westdeutsche (siehe Grafik). „Die Konsumenten sind unsicher, wie es weitergeht“, sagt Ernst & Young-Experte Peter Schommer. Der Erfolg des Weihnachtsgeschäfts hänge daher wesentlich davon ab, ob es in den nächsten zwei Wochen noch weitere Meldungen über größere Entlassungen oder andere Katastrophen gebe.

Auf der sicheren Seite sehen sich bisher vor allem Buch- und Parfümverkäufer. „In Krisenzeiten verschenken die Leute keine Reise, sondern nur den Reiseführer“, meint Claudia Paul vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Die Buchhändler seien daher „alle ganz optimistisch gestimmt, dass das Weihnachtsgeschäft gut wird“. Auch Douglas-Chef Henning Kreke erwartet gute Geschäfte für seine Parfümerien. Ausgesprochen fröhlich gestimmt sind auch die Uhren- und Schmuckhändler. „Der durchschnittliche Kassenbon wird in diesem Jahr höher sein“, erwartet Joachim Dünkelmann, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte. Grund ist vor allem die anhaltend hohe Nachfrage nach teuren Uhren.

Ob es insgesamt reicht, um das schlechte Ergebnis des vergangenen Jahres zu toppen, steht noch in den Weihnachtssternen. Während der Handelsverband HDE zumindest auf das Vorjahresergebnis hofft, ist Ernst & Young-Experte Schommer skeptischer. „Alles, was dem Umsatz vom letzten Jahr nahekommt, ist schon ein Erfolg“, meint er.

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