Wein-Investment : Rendite aus der Flasche

Wein ist ein Genuss – und manchmal eine lohnende Geldanlage. Einige Kenner raten 2009 zum Einstieg. Doch nicht jeder Tropfen ist gut.

Bernd Matthies
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Foto: ddp

Der 4. Oktober 2009 war ein Rekordtag für Weinliebhaber. Bei einer Auktion in Hongkong brachte Sotheby´s die Weinkeller von zwei US-Sammlern auf den Markt – und erzielte eine Gesamtsumme von 7,9 Millionen Dollar, 28 Prozent über dem Schätzwert. Zwei Posten erregten besonderes Aufsehen: Eine Sechs-Liter-Flasche 1982 Chateau Petrus erzielte 93 000 Dollar, eine Zwölfer-Kiste 1995 Romanée-Conti 93 077 Dollar. Damit ist aktuell zweierlei bewiesen: Mit dem richtigen Wein sind immer noch hohe Gewinne zu erzielen, und das steuerlich extrem günstige Hongkong ist der heißeste Handelsplatz.

Doch die Auktion ist nur ein Indiz. Genaues weiß niemand. Vor allem der lange Zeit tonangebende US-Markt ist immer noch schwach. Der Londoner Liv-ex 100, das weltweit gültige Preisbarometer für feine Weine, das seit 2004 fast nur steil stieg, hat zwischen Juni 2008 und März 2009 rund 21 Prozent verloren. Allerdings war das immer noch weniger als allgemein erwartet, und in den letzten Monaten ging es sogar wieder ein wenig aufwärts. Aber selbst Experten wissen nicht, ob hinter diesem Aufschwung die ersehnte Markterholung steht oder eher der Marktstillstand. Denn viele Händler und Produzenten bunkern ihre wertvollen Bestände, statt sie billig zu verhökern. Irgendwann müssen sie aber auf den Markt, und das kann wieder zu einem Rutsch führen.


HOHE RENDITEN MIT FONDS

In Deutschland sind wegen der Krise zuletzt alle neuen Anläufe gescheitert, Geld per Investition in Wein zu verdienen. „Der Markt ist mehr oder weniger tot“, sagt Jan-Erik Paulson, der vor dem Höhepunkt des Booms zwei Weinfonds aufgelegt hatte. Der gebürtige Schwede, der als Zahnarzt im Bayerischen Wald lebt, steht mit seiner Person stellvertretend für das Auf und Ab der zu gewissen Zeitpunkten höchst profitablen Anlageform Wein. Er hatte für seine beiden Fonds jeweils eine Million Euro eingesammelt, hatte Renditen von zehn bis 15 Prozent in Aussicht gestellt und war dann auf Shopping-Tour gegangen.

Es war die Zeit, als die Gelder aus Hedgefonds und Private-Equity-Anlagen in den Wein sprudelten. Paulson hatte Glück, stieß ein Drittel des Bestands noch vor der großen Krise teils zum Doppelten des Einkaufspreises ab. Doch dann war Schluss. Die Preise fielen in den Keller, und Paulson, der einen seiner Fonds auflösen musste, bat die Investoren um Verlängerung: Verkaufen sei im Moment ziemlich sinnlos. Wein als Kapitalanlage – das, sagt er, sei für ihn erledigt.

Dabei ist unbestritten, dass Weinfonds in der Vergangenheit glänzende Renditen beschert haben. Jetzt könnte sogar ein guter Zeitpunkt für einen Neustart sein: „Wein war historisch gesehen immer das letzte Investment, das abstürzte, und das erste, das sich erholte“, sagt Stacey Lea Golding, die verantwortliche Direktorin bei Premier Cru Fine Wine Investment in London. Jetzt, so folgert sie, könnte der beste Zeitpunkt zum Einstieg seit 1997 sein. Und der britische Investmentbanker Anthony Gahan möchte für seinen geplanten Fonds „Red2Gold“ gegenwärtig die gewaltige Summe von 100 Millionen Pfund auf zehn Jahre in Top- Bordeaux stecken. Andere Experten widersprechen: „Es geht immer noch mehr Geld aus dem Weinmarkt heraus als hinein“, sagt Gary Boom, Direktor von „Bordeaux Index“, „und ich glaube nicht, dass sich das in nächster Zeit ändert.“

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ROBERT B. PARKER MACHT PREISE



Grundsätzlich ist die Investition in absolute Spitzenweine wohl aussichtsreich. Ausschlaggebend dabei ist neben dem Namen des Weins und dem Ruf des Jahrgangs das Urteil von Robert B. Parker, der mit seinem „Wine Advocate“ immer noch unangefochten das Marktgeschehen bestimmt. Gibt er mehr als 90 Punkte, zeigt sich der Markt interessiert, aber erst bei 95 Punkten und mehr beginnt es zu brodeln. Ein Beispiel: Der Preis des 2000er Chateau Lafite (100 Parker-Punkte) zum Beispiel stieg von 138 Euro (original ab Gut) auf 900 Euro im März 2009; Chateau Palmer 2000 (96 Punkte) immerhin von 90 auf 165 Euro. Andere Bewerter haben auf die Preise dagegen nur geringen Einfluss, und selbst Parkers Macht ist bei genauerem Hinsehen auf Rotweine begrenzt. Gibt er hohe Bewertungen für Weißwein, räumt das zwar die Regale und freut Erzeuger und Händler, lässt die Spekulanten aber kalt.


DIE ALTEN MEISTER

Traditionell suchen die Geldanleger immer wieder die Vertrautheit der „Alten Meister“, also von einem großen, sehr lange haltbaren Bordeaux oder Burgunder. Daneben haben sich ein paar spanische Top-Rote (L’Ermita, Pingus, Vega Sicilia), der australische Grange und rare Champagner auf freilich schwankendem Niveau etablieren können. Um die einst spekulativ aufgeheizten US-Garagenweine wie „Screaming Eagle“ ist es sehr ruhig geworden. Deutsche Weine bringen nach wie vor nichts, schlicht weil sich kaum ein Anleger für sie interessiert.

Wer auf eigene Faust in Wein investieren will, der sollte mindestens 10 000 Euro in die Hand nehmen, um das Risiko streuen zu können. Große Bordeaux- Weine werden in der Regel schon weit vor der Abfüllung per Subskription verkauft, das ist für den Käufer riskant, weil sich die Klasse eines Jahrgangs und damit die endgültige Preistendenz oft erst nach Jahren zeigt. Aber: Absolut sichere Jahrgänge wie 1982, 1989 oder 2000 sind, wenn überhaupt, fast nie renditeträchtig einzukaufen. Großflaschen sind besser als kleine, schon, weil der Wein in ihnen länger hält, und Originalkisten sind besser als einzelne Flaschen. Wer nur eine Flasche zum Kosten aus der Kiste herausholt, mindert seine Chancen auf lukrativen Weiterverkauf der restlichen elf massiv. Aber er hat dafür den Genuss, der allen nüchternen Spekulanten verwehrt bleibt.


Interesse an Fonds

Das weltweit gültige Preisbarometer für feine Weine ist der Londoner Index Liv-ex 100. Aktuelle Notierungen und weitere Informationen finden Anleger

im Internet unter www.liv-ex.com. Das Interesse an Weinfonds nimmt vor allem in England derzeit wieder zu. Wer sich über bereits aufgelegte oder kurzfristig geplante Fonds informieren will kann dies zum Beispiel bei www.red2-gold.com, www.firstgrowthbordeaux.co.uk oder www.lunzerwineinvestments.com tun. Tsp

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