Weltwirtschaftskrise : Nagelprobe für die Globalisierer

Börsenpanik, Bankenkräche und die Weltkonjunktur im freien Fall: Droht uns eine globale Depression wie einst in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts? Ein Kommentar des Tagesspiegel-Redakteurs und Globalisierungsexperten Harald Schumann.

Harald Schumann

Auf den ersten Blick erscheinen die Parallelen erdrückend. Hektisch, unkoordiniert und wenig durchdacht kämpfen die Regierungen rund um den Globus mit immer neuen Garantieversprechen und Rettungsprogrammen gegen den Orkan des Misstrauens, der die hochgradig vernetzten Kapitalmärkte zu zerreißen droht. Ganz gleich, welche Milliardensummen sie versprechen, gegen den Verlust an Vertrauen scheint kein Mittel zu wirken. Doch das heißt keineswegs, dass die Tragödie von damals sich wiederholen muss.

Einer der entscheidenden Fehler der Regierungen in der Vorkriegszeit war, dass sie nach Ausbruch der Krise nur noch national operierten und mit Schutzzöllen und Abwertungswettläufen gegeneinander operierten, die internationale Verflechtung ihrer Volkswirtschaften regelrecht zerschlugen und damit den Niedergang noch beschleunigten. Heute aber haben die Regierenden an den Schaltstellen in Notenbanken und Finanzministerien alle Möglichkeiten, die Krisenbekämpfung wirklich global zu koordinieren.

Die Notwendigkeit globaler Regeln

Ja, die Politik hat unverantwortlich versagt, indem sie entgegen unzähliger Warnungen von Seiten der Globalisierungskritiker die ökonomische Verflechtung über alle Grenzen hinweg bedenkenlos vorantrieb, ohne die dafür unverzichtbaren globalen Regeln und Aufsichtsbehörden zu schaffen. Umso wichtiger ist es nun, dass die Regierungen der großen Wohlstands- und Schwellenländer aufs Engste zusammenarbeiten. Nur so lässt sich verhindern, dass die jetzt unvermeidliche globale Wirtschaftkrise wieder in einen destruktiven Weltwirtschaftskrieg mündet.

Darum sind die Ergebnisse des Treffens der Weltwirtschaftslenker an diesem Wochenende in Washington von überragender Bedeutung. Die Krisenkonferenz in der US-Hauptstadt wird nun zur Nagelprobe für die in die Irre gelaufenen Globalisierer. Wenn sie glaubwürdig ein koordiniertes Programm zur Stützung der taumelnden Banken und der Weltkonjunktur präsentieren, kann die Katastrophe noch verhindert werden.

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