Wenn nichts mehr geht : Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll – die wenigsten haben eine

Die Berufsunfähigkeit kann Menschen in ein finanzielles Desaster stürzen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann davor schützen.

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Diagnose berufsunfähig: Besonders für jüngere Menschen ist es oft unvorstellbar, so krank zu werden, dass sie ihren Job teilweise oder sogar ganz aufgeben müssen. Dennoch trifft es einen von vier Menschen irgendwann während seines Berufslebens. Knapp 180 000 Beschäftigte sind das jedes Jahr. Fällt das Gehalt für lange Zeit oder sogar für immer aus, folgt dem gesundheitlichen oft das finanzielle Desaster. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann dies verhindern oder zumindest mildern.

Der Bund des Versicherten hält die Absicherung des Invaliditätsrisikos für eine der wichtigsten Versicherungen überhaupt – vor allem, wenn von einem Gehalt mehrere Personen leben. Dennoch besitzen nur knapp 40 Prozent der Erwerbstätigen überhaupt eine Absicherung.

MEIST SPIELT DIE PSYCHE NICHT MIT

Besonders jüngere Arbeitnehmer unterschätzen das Risiko, berufs- oder gar erwerbsunfähig zu werden: Beschäftigte unter 31 Jahren halten nach Zahlen des Analysehauses Morgen & Morgen weniger als ein Viertel der gut 17 Millionen Policen in Deutschland. Umgekehrt gehen aber nur knapp 52 Prozent der erbrachten Leistungen privater Versicherer an Versicherte über 50 Jahren. 32 Prozent sind 41 bis 50 Jahre alt und fast 16 Prozent der Bezieher sind jünger als 40.

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Besonders psychische Erkrankungen sind auf dem Vormarsch: Fast jeder dritte Berufsunfähige ist psychisch erkrankt, jeder Zehnte Opfer eines Unfalls. Beide Risiken können alle Altersgruppen treffen. Herz- und Kreislaufprobleme oder Krebs sind bei älteren Versicherten die Hauptverursacher von Berufsunfähigkeit.

Wer auf der Suche nach der richtigen Versicherung ist, muss sich durch ein Dickicht unterschiedlichster Tarife, möglicher Einschränkungen und potenzieller Risiken wühlen. Insgesamt sind etwa 500 Tarife, in unterschiedlichen Leistungs- und Preismodellen, auf dem Markt.

Entscheiden muss der Kunde zunächst: Will ich eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung, bei der der Schutz mit einer Lebensversicherung zur Unterstützung der Angehörigen kombiniert ist, falls der Versicherte stirbt? Oder soll es eine normale Berufsunfähigkeitsrente sein, die greift, sobald eine Krankheit 50 Prozent der Arbeitskraft kostet?

Im Krankheitsfall zahlt zunächst der Arbeitgeber sechs Wochen Lohn oder Gehalt weiter. Dann übernimmt die Krankenkasse, die bis zu 78 Wochen hilft. Bei einer dauerhaften Einschränkung müssen andere Systeme einspringen. Bis 2001 gab es eine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente, sie ist jedoch für alle, die nach dem 1. Januar 1961 geboren sind, abgeschafft. Ersetzt hat sie die Erwerbsminderungsrente, die aber nicht zahlt, wenn der Betroffene noch sechs Stunden pro Tag arbeiten kann – und nur wenig, wenn er drei bis sechs Stunden arbeiten kann.

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Wohlgemerkt: das gilt für irgendeine Arbeit. Ein Handwerker kann also gezwungen werden, im Büro zu arbeiten. Und: Die Erwerbsminderungsrente fällt in den meisten Fällen sehr niedrig aus. Zwei Drittel aller Menschen, die derzeit eine Erwerbsminderungsrente erhalten, bekommen weniger als 750 Euro. Die durchschnittliche Zahlung liegt laut Morgen & Morgen bei 612 Euro für Männer und 595 Euro für Frauen. Jeder zweite, der Erwerbsminderungsrente bezieht, werde künftig akut armutsgefährdet sein, prognostizieren Rentenexperten.

Zwar hat Arbeitsministerin Andrea Nahles die Konditionen in ihrem Rentenpaket verbessert, doch liegt das Plus maximal bei 54 Euro. Ein Zusatzschutz ist also für die meisten Beschäftigten notwendig. Optimal wäre eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die (auch zusammen mit anderen Einkünften) etwa 80 Prozent des letzten Nettogehalts abdeckt.

 GROSSE UNTERSCHIEDE BEI TARIFEN

Die Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind höchst unterschiedlich, denn die Versicherer teilen die Kunden in verschiedene Risikogruppen ein: Ein Maurer muss dabei s ehr viel mehr für seinen Schutz zahlen als ein Büroangestellter. Grundsätzlich gilt: Je jünger und gesünder, desto billiger ist die Police. Und: je risikoreicher, stressiger und anstrengender der Beruf, desto teurer wird es. Wer einen für Körper und Seele herausfordernden Job ausübt, wird von Versicherern sogar oft Absagen erhalten oder sich nur zu extrem hohen Kosten absichern können. Ein 31-jähriger, kerngesunder Krankenpfleger etwa war in einem Marktcheck von „Ökotest“ „in rund der Hälfte der für ihn überhaupt in Frage kommenden Tarife nicht versicherbar – jedenfalls nicht zu den gewünschten Konditionen“. 81 Prozent der Musterkunden erhielten nicht die Konditionen, die sie wollten oder brauchten.

Umgekehrt gilt aber auch: Teurer heißt nicht immer besser. Weil Versicherer Risiken unterschiedlich bewerten, können Kunden beim Vergleich der Konditionen viel Geld sparen. „Ökotest“ etwa fand für eine 29-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin, die eine Absicherung von 1000 Euro pro Monat sucht, Tarife zwischen 56 und 170 Euro pro Monat – bei sonst gleichen Bedingungen.

Entscheidend für die Höhe der Beiträge sind neben der Preispolitik der Versicherer und dem aktuellen Gesundheitszustand aber auch frühere Erkrankungen, Allergien oder Hobbys. Wer Motorrad fährt, muss ebenso mit hohen Aufschlägen oder einer Absage rechnen wie jemand, der schon einen Bandscheibenvorfall hatte und als Schreiner arbeitet. Wer schummelt oder Risiken verschweigt, riskiert, dass der Versicherer im Notfall die Zahlung verweigert.

In einem Marktcheck der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2013 lagen die Premiumtarife der Aachen-Münchener, der Europa, der Hannoverschen und der VHV vorne. Eine Studie von „Ökotest“ aus diesem Frühjahr ergab aber: Kein Versicherer ist über mehrere Versicherungstypen, Musterkunden und Beispielsfälle immer im Spitzenfeld. Wichtig ist auch: Gibt es eine Regelung für Phasen, in denen der Versicherte seine Beschäftigung reduziert oder unterbricht, etwa bei Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit? Was passiert bei Berufswechseln? Vorsicht ist auch angesagt bei Schnäppchentarifen oder Angeboten, die Überschüsse in Beitragsrabatte umrechnen. Hier kann sich die Police auch verteuern.

Wer wenig verdient, aber körperlich hart arbeitet, hat es schwerer, einen passenden Tarif zu finden. Für Problemfälle schlagen Versicherungsexperten vor: Es kann Sinn machen Konkurrenzangebote auf den Tisch zu legen und ein paar Euro Rabatt zu verlangen. Auch eine jährliche Zahlung der Beiträge spart oft Einiges.

 

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