WestLB-Prozess : Gericht will Hauptzeugin in London vernehmen

Es geht um Verluste von einer halben Milliarde Euro: Der deutschen Justiz fehlen wichtige Aussagen einer Investmentbankerin, die bei einer WestLB-Tochter in London arbeitet. Sie soll jetzt zu einer Aussage zur Affäre um geplatzte Kredite gezwungen werden.

DüsseldorfIm Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera will das Düsseldorfer Landgericht die Investmentbankerin Robin Saunders als Zeugin in London vernehmen. Der Termin für die auswärtige Sitzung stehe noch nicht fest, sagte eine Gerichtssprecherin am Freitag in Düsseldorf. Saunders gilt als Schlüsselfigur in der so genannten Boxclever-Affäre und war ursprünglich für Ende Februar als Zeugin nach Düsseldorf geladen worden. Sie hatte das Landgericht jedoch versetzt. Nun wird das Landgericht ein Rechtshilfegesuch auf den Weg bringen, um die Bankerin in London zu vernehmen. Dabei kann entweder ein Londoner Richter die Fragen stellen oder sein Fragerecht an die deutschen Kollegen abtreten.

Saunders hatte für die Londoner WestLB-Tochter Principle Finance ein Kreditgeschäft eingefädelt. Die WestLB hatte die Fusion der britischen TV-Geräte-Verleiher Granada und Thorn zum Unternehmen Boxclever finanziert. Sengera soll laut Anklage als damals zuständiger Vorstand für den 1,35-Milliarden-Euro-Kredit verantwortlich sein. Nachdem Boxclever Insolvenz anmelden musste, entstand der WestLB ein Schaden von fast 500 Millionen Euro.

Weil die Risikoprüfung den Beschuldigungen zufolge unzureichend gewesen sei, soll Sengera sich dabei strafbar gemacht haben. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und seine Unschuld beteuert. (mhz/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar