Wirtschaftskrise : Wie geht es den Unternehmen der Finanzbranche?

Für die Deutsche Bank ist die Finanzkrise offenbar vorbei. Das Institut erzielte im vergangenen Jahr fünf Milliarden Euro Gewinn und zahlt wieder kräftig Boni. Wie geht es den anderen Unternehmen der Branche?

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Grafik: Fabian Bartel

Fünf Milliarden Euro Gewinn belegen es ganz deutlich: Die Deutsche Bank hat die Krise besser weggesteckt als viele ihrer Konkurrenten. Der Gewinn für 2009 geht vor allem auf das Investmentbanking zurück, in dem das Institut im vergangenen Jahr noch kräftige Verluste verbuchen musste.

Warum ist die Bank dabei so erfolgreich?

„Die Deutsche Bank hat wie die meisten Investmentbanken davon profitiert, dass sich die Märkte stark beruhigt haben“, sagt Konrad Becker, Analyst beim Bankhaus Merck Finck. Die Banker seien aber auch vorsichtiger geworden und hätten vor allem den riskanten Eigenhandel stark reduziert. Investmentbanking, das ist nicht nur der Handel mit Wertpapieren, sondern auch die Beratung bei Firmenfusionen oder die Herausgabe von Anleihen, zum Beispiel für Staaten, die Geld für ihre Konjunkturpakete brauchen. Bankenprofessor Hans-Peter Burghof meint, dass die Deutsche Bank hier aufgrund ihrer Größe und Expertise einen Vorteil habe. Tendenziell seien es vor allem die mittelgroßen Banken, die im Investmentbanking Probleme hätten, weil sie sich auf Märkte gewagt hätten, die von wenigen Großen beherrscht würden. Ein weiterer Vorteil der Deutschen Bank sei die Tatsache, dass sie so breit aufgestellt sei. Verluste im Kreditgeschäft würden so durch Gewinne im Investmentbanking ausgeglichen und umgekehrt. Auch im Kreditgeschäft profitiere die Bank von ihrer Größe, sagt Burghof. Im Gegensatz zu anderen Instituten könne sie sich die profitablen Kunden aussuchen.



Wie schlagen sich die anderen Banken?

Das Bild ist sehr gemischt. Während große amerikanische Investmentbanken wie Goldman Sachs oder JP Morgan überraschend hohe Gewinne verzeichnen, kämpfen viele kleinere Institute noch ums Überleben. Im vergangenen Jahr sind in den USA 140 meist kleine Banken zahlungsunfähig geworden. Anders als die Großen können sie Verluste im Kreditgeschäft nicht durch das Investmentbanking ausgleichen. Aber auch große Finanzinstitute wie die Bank of America oder der Versicherer AIG schreiben noch Verluste. In Europa haben bislang neben der Deutschen Bank nur die spanischen Banken ihre Bilanzen für 2009 vorgelegt, die wesentlich besser ausfielen als erwartet. Bei der deutschen Commerzbank erwartet Analyst Konrad Becker einen Verlust von drei Milliarden Euro für das vergangene Jahr, bedingt durch die Integration der Dresdner Bank und das schwache Mittelstandsgeschäft.



Welche Gefahren drohen noch?

Die Banken haben in den vergangenen Monaten vor allem im Investmentbanking Gewinne gemacht. Experten rechnen jedoch damit, dass dieser Markt im nächsten Jahr wieder schrumpfen wird. Sorgen bereitet der Branche vor allem die Lage der Staatshaushalte in Griechenland, Spanien und Italien. Schließlich leihen die Banken den Ländern das Geld. Verlieren die Staatsanleihen an Wert, können sich die Banken zudem schlechter bei den Notenbanken refinanzieren. Sie hinterlegen diese Papiere dort als Sicherheiten.

Wie sich die Branche entwickelt, hängt außerdem stark von der Konjunktur und der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen ab. In den USA liegt die Quote schon bei zehn Prozent. Erholt sich die Wirtschaft nicht bald wieder, ist die Gefahr ist groß, dass Privatkunden ihre Kredite und Hypotheken nicht zurückzahlen können. Dasselbe gilt für die Unternehmen. Laut einer Umfrage des britischen Industrieverbandes CBI vom Januar erwarten die Finanzinstitute in der Londoner City in den kommenden Monaten eher sinkende Umsätze und keine höheren Erträge.

Ein großes Risiko sind auch nach wie vor die Schrottpapiere, die noch in den Büchern etlicher Banken schlummern. „Viele Banken haben ihre Verluste bisher noch gar nicht ausgewiesen, weil ihnen das Eigenkapital dazu fehlte“, sagt Experte Burghof. Der Präsident des Verbands der privaten Banken, Andreas Schmitz, sieht für 2010 ein „schwieriges Bankenjahr“ voraus.

Hinzu kommt: Bisher profitieren die Banken von der enormen Unterstützung durch die Notenbanken. „Viele der Gewinne, die wir dieser Tage sehen werden, beruhen aber nur auf den extrem niedrigen Leitzinsen“, warnt Scott McDonald, Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman. „Und wenn wir sehen, wie viel das ist, dann ist das ziemlich beunruhigend.“ Die EZB erklärte zwar am Donnerstag, den Zinssatz von einem Prozent erst einmal so niedrig halten zu wollen, genau wie die US-Notenbank Fed. Doch um eine Inflationsgefahr abzuwehren, werden die Zentralbanken irgendwann wieder erhöhen müssen.

Gespannt blickt die Branche auch auf die Regulierungsideen der Politik, die sie teuer zu stehen kommen könnten. So haben die Regierungen der wichtigsten Wirtschaftsnationen G 20 bereits beschlossen, dass die Banken künftig mehr Eigenkapital zurücklegen müssen.

Wie sieht es mit Bonuszahlungen aus?

Die Deutsche Bank hat angekündigt, die Boni zurückzufahren. Die Festgehälter sollen um fünf bis 30 Prozent steigen, die variablen Bestandteile sinken. Die Bank will zudem abwarten, ob sich die Gewinne als dauerhaft erweisen. Auch Goldman Sachs hatte erklärt, sich bei den Boni zurückzuhalten. Die US-Bank schüttete aber immer noch 16,2 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter aus. Vier Milliarden Dollar gab es bei der Bank of America – trotz Verlusten. Auch Deutsche-Bank- Chef Josef Ackermann, der im Vorjahr auf eine Sonderzahlung verzichtet hatte, will sich nun wieder einen Bonus gönnen.

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