Finanzen : Zeichen der Hoffnung

Dax steigt um knapp zehn Prozent auf 5000 Punkte / Aussicht auf staatliche Rettungspakete katapultiert Finanzaktien nach oben

Henrik Mortsiefer

Berlin - An die Aktienmärkte kehrt die Hoffnung auf eine Überwindung der Finanzkrise zurück. Die Aussicht auf milliardenschwere Rettungspakete für die Banken in Europa bescherte dem Deutschen Aktienindex (Dax) am Montag den größten Tagesgewinn seiner 20-jährigen Geschichte. Der Leitindex kletterte in der Spitze um fast zehn Prozent auf 5000 Punkte. Zuletzt war er am 2. Januar 2003 ähnlich stark gestiegen. Damals hatte nach den herben Verlusten der Vormonate die Hoffnung auf ein gutes Börsenjahr die Kurse getrieben.

Auch die Börsen im übrigen Europa und in Asien schlossen mit Kursgewinnen. An der Wall Street stiegen die Kurse zum Handelsauftakt um fünf Prozent oder 400 Punkte. Der Aktienkurs von Morgan Stanley schoss mehr als 50 Prozent in die Höhe, nachdem die japanische Großbank Mitsubishi UFJ (MUFG) Anteile im Wert neun Milliarden Dollar gekauft hatte.

Am Geldmarkt, auf dem sich Banken kurzfristig refinanzieren, zeigte die Initiative der europäischen Regierungen zur Stützung des Finanzsystems Händlern zufolge noch keine Wirkung. „Noch sehe ich keinen Unterschied im Geschäft zur vergangenen Woche, die Umsätze sind weiter sehr dürftig“, sagte ein Händler. „Aber das Vertrauen kann auch gar nicht von heute auf morgen zurückkommen.“

Ihre dramatischen Verluste aus der vergangenen Woche konnten die Aktien trotz der Kurssprünge nicht wettmachen. Allein der Dax hatte in fünf Handelstagen 20 Prozent verloren. „Es hat lichterloh gebrannt, da musste man löschen“, fasste ein Händler den Börsentag zusammen. Von einer nachhaltigen Erholung wollte allerdings niemand sprechen. „Der Weltuntergang wird ausgepreist“, sagte Bankanalyst Konrad Becker von Merck Fink dem Tagesspiegel. Der übertriebene Pessimismus vom vergangenen Freitag sei am Montag zum Teil korrigiert worden. Die Banken bekämen mit den staatlichen Rettungspaketen „etwas Luft und Gelegenheit für eine Atempause – mehr nicht“, sagte Becker. Viele Bilanzen müssten noch gesäubert und zahlreiche Gewinnprognosen nach unten korrigiert werden. Anlegern empfahl Becker bei Finanzaktien „große Vorsicht“.

Besonders gefragt waren am Montag die Papiere der angeschlagenen Hypo Real Estate, die 42 Prozent gewann. Ebenfalls auf der Einkaufsliste standen Commerzbank (plus 15,6 Prozent) und Deutsche Bank (plus 10,2 Prozent). Mit nach oben gezogen wurden aber auch Industriewerte wie Thyssen-Krupp, die 16,1 Prozent zulegten, oder Daimler mit einem Plus von 15,5 Prozent. Die Aktien von General Motors legten nach Berichten über Fusionsgespräche mit der ehemaligen Daimler-Tochter Chrysler einen Kurssprung von mehr als 30 Prozent hin.

Steil abwärts ging es hingegen für die französische Großbank Société Générale. Gerüchte über eine Kapitalerhöhung um zehn Milliarden Euro ließen die Aktie zeitweise um mehr als 17 Prozent abstürzen. Es sei die Rede von einer massiven Kapitalerhöhung, um Verluste auszugleichen, die der Bank „vielleicht durch Investitionen in Russland“ entstanden seien, sagte ein Pariser Händler. Die Bank bezeichnete die Spekulationen als „bösartig“ und kündigte an, die französische Finanzaufsicht anzurufen. Das Institut hält knapp 60 Prozent der russischen Bank Rosbank.

Für die nächsten Tage sagten Händler trotz des Kursanstiegs am Montag nervöse Märkte voraus. „Wie nachhaltig die Erholungsbewegung ist, muss sich erst zeigen. Sie ist mit Sicherheit auf einem sehr dünnen Fundament gebaut“, warnte ein Händler. „Die Rettungspakete eröffnen die Chance, aus der Krise herauszukommen“, sagte Analyst Becker. Die Maßnahmen – etwa die Möglichkeit staatlicher Beteiligungen an Banken – seien aber mehr als ein „Vorratsbeschluss“. Darüber zu spekulieren, welche deutsche Bank davon zuerst betroffen sei, sei müßig. Aber: „Die Lage bleibt ernst.“

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