Zentralbank : Geld wird teurer

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf die anhaltend hohe Inflation reagiert und die Leitzinsen erhöht. Experten kritisieren die Entscheidung

Stefan Kaiser,Carsten Brönstrup
Trichet
EZB-Chef Jean-Claude Trichet -Foto: dpa

BerlinDer Satz, zu dem sich Banken bei ihr Geld leihen können, stieg von 4,0 auf 4,25 Prozent. Die Entscheidung stieß bei Politikern und Gewerkschaften auf teilweise heftige Kritik – sie fürchten, dass die Zinserhöhung Kredite verteuert und so die Konjunktur abwürgt. Die Aktienmärkte reagierten positiv. Der Dax drehte ins Plus.

An den Börsen war eine Zinserhöhung schon im Vorfeld erwartet worden. Trotzdem lauschten die Börsianer gespannt den Worten von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Ob die Notenbanker weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten planen, ließ Trichet erst einmal nicht durchblicken. Das half dem Aktienmarkt und drückte den Kurs des Euro bis zum Abend unter die Marke von 1,57 Dollar. „Ich habe keine Tendenz. Wir sind nie vorab festgelegt“, sagte Trichet zur weiteren Zinspolitik. „Wir werden die Märkte klar informieren und so berechenbar sein wie in der Vergangenheit.“

Analysten gehen davon aus, dass die EZB erst einmal still halten wird: „Eine weitere Zinserhöhung im August ist damit vom Tisch“, sagte Fabienne Riefer von der Postbank. Es werde keine Serie von Zinserhöhungen geben. Die Experten der WestLB erwarten sogar, dass die EZB die Leitzinsen im kommenden Jahr wieder senken wird.

Die Notenbank reagierte mit dem Zinsschritt auf die Inflation in der Eurozone, die im Juni auf vier Prozent gestiegen war. Getrieben wird die Entwicklung vor allem von den hohen Energiepreisen. Der Ölpreis setzte am Donnerstag seine Rekordjagd fort. Er knackte die Marke von 145 Dollar und nahm Kurs auf 146 Dollar. In New York kostete ein Fass (159 Liter) Leichtöl zeitweise 145,85 Dollar. Später gab der Preis nach. Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich in London in der Spitze auf 146,69 Dollar je Barrel, ebenfalls ein Rekordwert. Der russische Erdgas-Monopolist Gasprom rechnet zudem mit einem starken Anstieg bei den Gaspreisen in Europa – bis Jahresende auf 500 Dollar (316 Euro) je 1000 Kubikmeter. Sollte der Ölpreis auf 250 Dollar je Barrel steigen, schießt der daran gekoppelte Gaspreis nach den Worten von Gasprom-Chef Alexej Miller auf 1000 Dollar je 1000 Kubikmeter.

Trichet betonte, die EZB wolle vor allem so genannte Zweitrundeneffekte verhindern. Davon spricht man, wenn Unternehmen die höheren Energiekosten über die Preise an Verbraucher weitergeben und die Gewerkschaften zum Ausgleich wiederum höhere Löhne durchsetzen.

Die EZB-Entscheidung stieß auf Kritik. „Man muss sich fragen, ob eine Zinserhöhung das richtige Mittel ist, eine Inflation zu bekämpfen, die vor allem vom hohen Ölpreis kommt“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates der Bundesregierung, Bert Rürup, dem Tagesspiegel. Er habe aber Verständnis für die Entscheidung der EZB, da diese, anders als die US-Notenbank, in erster Linie der Geldwertstabilität verpflichtet sei. „Die Zinserhöhung war ein Fingerzeig gegenüber etwaigen Zweitrundeneffekten“, sagte Rürup. „Wenn es dabei bleibt und damit nicht eine Zinserhöhungsrunde eingeläutet wurde, war dieser Schritt konjunkturell unproblematisch.“

Deutlichere Kritik kam von den Gewerkschaften und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Die EZB möge bedenken, dass höhere Zinsen die Konjunktur belasten könnten, sagte Steinbrück dem „Handelsblatt“. Der DGB warnte, die EZB gefährde Hunderttausende Arbeitsplätze. Wirtschaftsverbände und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) lobten dagegen die Entscheidung der EZB. Sie habe „ ein klares Signal für Preisstabilität gesetzt“, sagte Glos.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte die Banken auf, die höheren Zinsen rasch an Besitzer von Sparverträgen und Sparbüchern weiterzugeben. „Da gibt es noch viel Nachholbedarf“, sagte Manfred Westphal, Finanzexperte des Verbandes, dieser Zeitung. Dagegen habe sich bei Tagesgeldkonten durch den gestiegenen Wettbewerb eine Menge getan, Änderungen erreichten die Kunden mittlerweile schneller als früher. Westphal rechnet damit, dass sich durch den Zinsentscheid bei Hypothekendarlehen nicht viel ändern wird. „Das meiste ist bereits eingepreist“, vermutete er.

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