Wirtschaft : Finanzexperten für 2005 optimistisch Wachstum Ende 2004 überraschend schwach

Bernd Hops

Berlin - Die Zuversicht an den Finanzmärkten für die deutsche Konjunktur wächst. Der entsprechende Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) machte im Februar im Vergleich zum Vormonat einen deutlichen Sprung von 26,9 auf 35,9 Punkte. Das ist das kräftigste Monatsplus seit zehn Jahren. „Die Erwartungen der Finanzanalysten deuten erfreulicherweise auf eine stabilere Aufwärtsentwicklung der Binnenkonjunktur hin, als von den Skeptikern vermutet wurde“, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Nach Einschätzung des ZEW haben zum Optimismus vor allem die stark gestiegenen Auftragseingänge im Dezember beigetragen.

Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hatte am Dienstag hingegen weniger erfreuliche Zahlen zu vermelden: So war das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2004 im Vergleich zum Vorquartal saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent zurückgegangen. Grund sei die schwache Inlandsnachfrage gewesen, die nur zum Teil durch den wachsenden Export ausgeglichen werden konnte. „Die Zahlen sind enttäuschend“, sagte Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank (HVB), dem Tagesspiegel. Zwar habe sich zuletzt angedeutet, dass die Werte nicht so gut wie zunächst gedacht ausfallen würden. „Dass es aber so dramatisch einschlägt, das hat niemand erwartet.“

Wegen des starken ersten Halbjahres bleibt aber nach Angaben des Statistikamts für das Gesamtjahr 2004 immerhin ein Wachstum von 1,6 Prozent im Vergleich zu 2003 – etwas geringer als nach ersten Berechnungen im Januar. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement zeigte sich dennoch zufrieden. Schließlich sei das Wachstum das stärkste seit vier Jahren.

Auch Volkswirte warnten davor, die Zahlen zu negativ zu bewerten. So wies HVB-Chefvolkswirt Hüfner darauf hin, dass die Zahlen für das vierte Quartal vor allem auf Grund eines statistischen Effekts negativ aussehen. Das Minus von 0,2 Prozent sei nur darauf zurückzuführen, dass das Statistikamt die tatsächliche Wirtschaftsleistung um den positiven Effekt bereinigt habe, der durch zweieinhalb zusätzliche Arbeitstage entstanden sei. „Für Statistiker, die den Trend beobachten, ist das wichtig. Aber in Deutschland wurde tatsächlich mehr erarbeitet“, sagte Hüfner. Alle Indikatoren deuteten außerdem darauf hin, dass das erste Quartal 2005 besser laufe. Allerdings stelle der Rückgang im Schlussquartal 2004 für dieses Jahr eine statistische Belastung dar. Deshalb habe die HVB ihre Wachstumsprognose von 1,2 Prozent auf 0,8 Prozent gesenkt. Das Institut der deutschen Wirtschaft nahm seine Prognose von zwei auf 1,5 Prozent zurück.

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