Wirtschaft : Finanzexperten mahnen beim Euro zur Gelassenheit

BERLIN (ADN/rtr). Der Wirtschaftswissenschaftler Horst Siebert hat die Politik angesichts der Talfahrt des Euro aufgefordert, dafür zu sorgen, daß die europäische Währung stabil bleibt. Zwar bestehe derzeit noch keine "gefährliche Situation", sagte der Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Doch dies könne eintreten, wenn die Bevölkerung vor allem das Vertrauen in den Euro verlöre und das Preisniveau aufgrund höherer Importpreise in Deutschland steige. Siebert zufolge kann der Kurs der europäischen Währung noch ein Stückchen weiter nach unten gehen. Die Währung könne "auch mal eine Relation von 0,9 haben", betonte das Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Verbesserungen für den Euro hingegen würden eintreten, wenn die Konjunktur in der Bundesrepublik anziehe und diese Entwicklung in den USA im kommenden Jahr etwas schwächer verlaufe. Zudem gehe er davon aus, daß die langfristigen Zinsen in Deutschland "etwas ansteigen".Wenig später, nachdem der Kurs des Euro auf ein vorläufiges Tief von 1,0128 Dollar gesunken war, präzisierte Siebert seine Äußerungen. Er habe keine ernsthafte Prognose abgeben wollen. Der Euro müsse nicht notwendigerweise unter die Marke von einem Dollar fallen. Siebert sprach sich zudem gegen Interventionen zur Stützung des Euro und auch gegen eine Leitzinserhöhung durch die Europäische Zentralbank in Frankfurt (Main) zu diesem Zweck aus.Auch der Präsident der Landeszentralbank Berlin-Brandenburg, Klaus-Dieter Kühbacher, sieht in der Schwäche des Euro keinen Grund zur Sorge. Die europäische Währung erscheine nur im Verhältnis zum Dollar schwach. "Das kann uns relativ egal sein", sagte Kühbacher im Info-Radio Berlin-Brandenburg. Kühbacher rechnet damit, daß der Euro eine lange Zeit brauchen wird, um den Vertrauensbonus zu erreichen, den die D-Mark hatte. Die Gefahr einer Zinserhöhung durch die Schwäche des Euros sieht Kühbacher nicht.Eberhardt Unger von der BfG-Bank geht davon aus, daß der Euro in den Sommermonaten wieder "Fuß faßt". Von Herbst diesen Jahres an sei bereits mit einer Besserung zu rechnen. Diese Entwicklung könne man aus den aktuellen Konjunkturdaten herauslesen, so Unger. Die jüngsten Kursverluste der europäischen Währung bis nahe an die Parität führt Unger auf die derzeitige Marktstimmung zurück. Es sei allerdings nicht sicher, ob ein Verhältnis von 1 zu 1 überhaupt eintrete.Ungeachtet der Diskussionen gab der Kurs der europäischen Währung bis zum Mittwoch mittag weiter nach. Die EZB legte einen Referenzkurs von 1,0168 (Dienstag 1,0183) Dollar fest. Für den US-Dollar ergibt sich damit ein Kurs gegenüber der D-Mark von 1,9235 (1,9235).

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