Finanzieller Engpass : Wulff ist strikt gegen Kredit für Porsche

Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lehnt einen staatlichen Milliardenkredit für den hoch verschuldeten Autobauer Porsche strikt ab. Niedersachsen ist der zweitgrößte Aktionär des Sportwagenherstellers.

"Wenn Porsche sich bei der geplanten Übernahme von VW finanziell übernommen hat, ist es angemessen, einige Aktien zu verkaufen, statt jetzt bei der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) um Kredite nachzusuchen", sagte Wulff. Außerdem stehe die KfW vor allem für kleine und mittlere Betriebe in der Verantwortung.

In Finanzkreisen hieß es, es werde in der nächsten Woche mit einer Entscheidung gerechnet. Der für Anfragen in dieser Größenordnung zuständige Lenkungsausschuss könnte sich bereits am Montag mit dem Thema befassen. Dem Gremium unter Federführung des Wirtschaftsministeriums gehören auch Staatssekretäre aus dem Finanz- und dem Justizministerium sowie dem Kanzleramt an. Erst nach der grundsätzlichen Entscheidung des Lenkungsausschusses darf die KfW eine Prüfung vornehmen. Am 17. Juni soll sich außerdem der Haushaltsausschuss des Bundestages mit dem Thema Porsche befassen.

Porsche hatte zuvor einen Kredit-Antrag über 1,75 Milliarden Euro bei der Bank gestellt. Der Stuttgarter Sportwagenbauer war durch die gescheiterte Übernahme von VW in finanzielle Schieflage geraten.

Das Land Niedersachsen hält einen Anteil von 20 Prozent an VW und ist damit nach Porsche zweitgrößter Aktionär. Das VW-Gesetz, das eine Sperrminorität von 20 Prozent bei wichtigen Entscheidungen vorsieht, garantiert dem Land eine starke Stellung bei Volkswagen. Diese will Niedersachsen auch im Falle eines möglichen Zusammengehens von VW und Porsche in einem integrierten Autokonzern behalten.

Derweil ringen die Führungsspitzen der beiden Unternehmen noch immer um die künftige Struktur des neuen Riesenkonzerns. Wann die Verhandlungen beendet sein werden, ist noch offen.

ZEIT ONLINE, sp, dpa

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