Finanzierung : Krise erreicht die Bundesliga

Nach fünf guten Jahren verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation der Profivereine. 30 Prozent der Klubs kürzen die Gehälter.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Wirtschaftskrise hat die deutschen Fußballklubs erreicht. Sponsoren halten sich zurück, Werbeeinnahmen sinken, und teure Business-Plätze in den Stadien verkaufen sich schlechter als in den vergangenen Jahren. Mit dem VfL Bochum konnte der letzte Klub aus der Bundesliga erst Mitte Juli einen Vertrag mit einem neuen Hauptsponsor unter Dach und Fach bringen. Und von den Vereinen der 2. Bundesliga suchen wenige Tage vor Saisonbeginn drei noch immer einen Trikotsponsor. Allerdings haben die deutschen Vereine im Vergleich zu Klubs in Spanien, Italien oder England einen Vorteil: Ihre Verschuldung hält sich nach jüngsten Untersuchungen der Unternehmensberatung Ernst & Young in Grenzen. Das liegt auch am strengeren Lizenzierungsverfahren. „Exzesse wie jüngst in Spanien sind in Deutschland nicht möglich. Die Vereine müssen nachweisen, dass ihre Ausgaben von den Einnahmen gedeckt werden“, sagte Arnd Hovemann von Ernst & Young am Dienstag in Frankfurt am Main.

Die Studie zur aktuellen Lage des Profifußballs in Deutschland mit dem Titel „Bälle, Tore und Finanzen“ belegt die gewachsene Skepsis der Vereine: Nach fünf Jahren stetiger Verbesserung berichten die Manager erstmals mehrheitlich von einer schlechteren wirtschaftlichen Lage. Der Anteil der Vereine, die rote Zahlen schreiben, steigt im Vergleich zu 2008 von sieben auf immerhin 35 Prozent. Und es dürfte nach Einschätzung der Klubs noch schwieriger werden: 56 Prozent rechnen in der anstehenden Saison 2009/2010 mit einer Verschlechterung der Situation. Kein einziger Klub erwartet bessere Verhältnisse. Daran ändert nach Angaben von Hovemann auch nichts, dass der Verkauf von Dauerkarten nach wie vor gut läuft und auch das Geschäft mit Fanartikeln weiter reichlich Geld bringt. Erst in den nächsten drei bis fünf Jahren erwarten die 36 Klubs der Ersten und Zweiten Liga wieder eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. An der zum sechsten Mal erfolgten anonymen Befragung nahmen mit 34 Klubs so viele teil wie noch nie.

Als erster Bundesliga-Verein hatte Eintracht Frankfurt vor einigen Wochen die Probleme auf dem Geschäftsfeld Sportsponsoring öffentlich gemacht. Den Hessen fehlen aus Logenverkauf und TV-Einnahmen rund fünf Millionen Euro im Vergleich zur Vorsaison. „Mich hat überrascht, wie viele Klubs einen ehrlichen Blick in die Zukunft geworfen und negative Erwartungen geäußert haben. Die Manager waren erfreulich offen. Es ist ein deutlicher Stimmungswechsel in der Bundesliga festzustellen“, kommentierte Hovemann die Auskunftsbereitschaft der Vereinsbosse.

Die Klubs stellen sich bei ihren Ausgaben auf die Situation ein, um im Ergebnis die Schulden auf einem verträglichen Niveau zu halten. So geben die Vereine für Spielerkäufe ein Drittel weniger aus als im Vorjahr, bei rund 30 Prozent der Klubs werden ferner die Spielergehälter reduziert. Das dürfte kaum für Bayern München gelten. Beim Marktführer ist die wirtschaftliche Lage wie schon in den vergangenen Jahren am besten: Allein durch die Teilnahme an der Champions League hat der Klub von 1999/2000 bis zur Saison 2007/2008 rund 245 Millionen Euro eingenommen. Mit 272 Millionen Euro kassierte nur Manchester United mehr Geld in dem europäischen Spitzenwettbewerb. Arsenal London, Real Madrid und der FC Barcelona rangieren hinter den Bayern. Allerdings erzielen diese Klubs jedes Jahr dreistellige Millioneneinnahmen durch die Vermarktung ihrer Fernsehrechte und durch den Verkauf von Fanartikeln.

Bei diesen Einnahmen rangiert Bayern München deutlich weiter hinten, weil die Fernsehrechte in Deutschland zentral vermarktet und die Erlöse zwischen Erster und Zweiter Liga aufgeteilt werden. Die Münchner stehen hier mit 25,11 Millionen Euro aus der abgelaufenen Saison nach wie vor an erster Stelle, obwohl sie die Einnahme gegenüber der Vorsaison nicht steigern konnten.

Die im Vergleich zu Spanien, England oder Italien eher geringen finanziellen Unterschiede zwischen den deutschen Vereinen haben nach Ansicht von Ernst -&-Young-Experte Hovemann aber einen großen Vorteil: Die Bundesliga ist erheblich spannender und abwechslungsreicher und damit für die Zuschauer attraktiver als die Ligen in den anderen Ländern. Dort machen allenfalls drei oder vier Vereine Jahr für Jahr aufgrund ihrer finanziellen Stärke oder eines schwerreichen Eigentümers den Titel unter sich aus. Ein Überraschungsmeister wie hierzulande der VfL Wolfsburg wäre der Studie zufolge in England, Spanien oder Italien kaum möglich. (mit dpa)

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