Wirtschaft : Finanzinvestoren haben deutsche Firmen entdeckt Trendwende bei Fusionen und Übernahmen

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Berlin (fo/dr). Ausländische Finanzinvestoren geben dem deutschen Markt für Übernahmen und Fusionen (M&A) neuen Schwung. Ein Drittel der größten Firmenkäufe im ersten Halbjahr geht nach Erkenntnissen von M & A International aus Kronberg auf das Konto internationaler Private Equity-Firmen. Arno Burckhardt, Chef der Beratungsfirma, schätzt, dass in diesem Jahr schon zehn Prozent des gesamten Transaktionsvolumens in diesem Geschäft auf solche privaten Beteiligungsgesellschaften entfallen wird. Noch vor wenigen Jahren spielten diese Firmen „praktisch keine große Rolle“, sagte Burckhardt dem Tagesspiegel.

Finanzinvestoren sammeln bei Anlegern Kapital ein, um sich an Firmen zu beteiligen, ganze Unternehmen oder Betriebsteile zu kaufen und später gewinnbringend wieder abzustoßen. Private-Equity-Firmen sind teilweise Töchter von Banken, teilweise aber auch selbstständige Fondsgesellschaften. Sie investieren in wachstumsstarke Firmen mit hohem Kapitalbedarf, in Sanierungsfälle oder auch selbständige Konzernsparten, die verkauft werden. Zu Zeiten der Börsenflaute konnten sich die Unternehmen am Kapitalmarkt nicht mehr selbst durch die Ausgabe von Aktien oder Anleihen versorgen. Deshalb griffen die Beteiligungsgesellschaften zu.

Beispiel dafür ist die Verkauf des Kabelnetzes der Deutschen Telekom für 1,7 Milliarden Euro an ein Konsortium um Apax Partners und Goldman Sachs. Daimler-Chrysler sucht seit langem erfolglos einen Käufer für seinen Flugzeugtriebwerkehersteller MTU. Jetzt scheint der Automobilkonzern mit einem Finanzinvestoren handelseinig zu werden. Die Kraftwerks-Service-Sparte aus dem Konkursfall Babcock Borsig ist gerade an die Deutsche Beteiligungs AG verkauft. Und für die angeschlagene Mobilfunkfirma Mobilcom zeichnet sich ein neuer Großaktionär aus dem Kreis der finanzkräftigen Fonds ab.

Mit den Privatinvestoren kommt auch der Umschwung im Fusionsgeschäft. Das liegt derzeit völlig am Boden. Im ersten Halbjahr wurde laut M & A International mit 548 Transaktionen ein langjähriger Tiefststand erreicht. Doch der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), der Dachverband der Venture Capital Gesellschaften, verzeichnet im zweiten Quartel schon wieder ein Plus im Geschäft. „Der Anstieg stimmt uns optimistisch für den weiteren Jahresverlauf“ sagt der BVK-Vorstandsvorsitzende Thomas W. Kühr.

Auch Stephan Leithner, Investmentbanker bei der Deutschen Bank, spricht davon, dass sich der Markt belebt. „In den Unternehmen werden wieder Projekte in Angriff genommen“, sagt Leithner. „Ob daraus aber auch echte Deals werden, muss sich noch zeigen“, gibt er sich allerdings noch vorsichtig. Gründe für eine Trendwende gibt es laut Leithners genug: „Viele Unternehmen müssen nach wie vor in ihrem Haus aufräumen und in vielen Großbetrieben hat ein Führungswechsel stattgefunden. Die neuen Leute an der Spitze setzen nun neue Schwerpunkte.“ Konkret: Töchter und Beteiligungen werden aussortiert und verkauft.

Für Peter Hoffmann, Finanzierungsexperte bei der Hypo-Vereinsbank (HVB), ist der Markt für Fusionen und Übernahmen ein Frühindikator für die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung: „Der Hebel ist zwar noch nicht richtig umgelegt“, sagt Hoffmann, „die allgemeine Stimmungslage hellt sich aber auf“. Der Markt erwarte, dass die Politik stabile Rahmenbedingungen bietet und dass die Kapitalmärkte wieder anziehen. Insbesondere gelte dies bei der noch fehlenden Sicherheit bei den Steuergesetzen. Das Hin und Her um die bevorzugte Behandlung von Kapitalgesellschaften bei Unternehmensverkäufen habe manches Geschäft in letzter Minute fast vereitelt.

Einer der großen deutschen Finanzinvestoren ist die Deutsche Beteiligungs AG, die gerade Teile von Babcock übernommen hat. Unter Regie der Investmentfirma wird die neue Tochter jetzt aufgebaut und in einigen Jahren wieder verkauft – oder an die Börse gebracht. Das Geschäftsprinzip: „Wir verdienen am Wertzuwachs, den wir beim Verkauf realisieren“, sagt Sprecher Thomas Franke.

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