Wirtschaft : Finanzinvestoren wollen bei Tui einsteigen

31-Prozent-Paket der WestLB steht zum Verkauf und regt die Fantasie der Beteiligungsfirmen an – Aktie steigt trotz Dementi

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Frankfurt (Main) (pk/ebe/HB/rtr). Europas größter Reisekonzern Tui ist auf der Suche nach Finanzinvestoren, die den 31Prozent-Anteil der WestLB übernehmen sollen. „Tui wird in der Private-Equity-Branche diskutiert, man sucht ein Heim für das 31-Prozent-Paket“, bestätigte ein Beteiligungsmanager dem Handelsblatt. Ein M&A-Berater aus Frankfurt habe bereits vor drei Wochen mit Finanzinvestoren wegen Tui Kontakt aufgenommen, allerdings gebe es bisher noch keine offizielle Ausschreibung. „Das läuft alles unterhalb des Radarschirms“, sagte ein Private-Equity-Spezialist. Es sei allerdings fraglich, ob ein Finanzinvestor zugreife, da die Branche Mehrheitsbeteiligungen favorisiere. Zwar sei die Touristik langfristig ein Wachstumsgeschäft und damit attraktiv. Aber man müsse es selbst steuern können, sonst sei die Sache uninteressant, hieß es in der Branche. „Letztlich wird fast jeder Finanzinvestor überlegen müssen, ob es eine Möglichkeit gibt, 51 Prozent zu bekommen.“

Renommierte Private-Equity-Häuser akzeptieren Minderheitsbeteiligungen nur in Ausnahmefällen, etwa Permira beim Brillenhersteller Rodenstock. Zu den Beteiligungsfirmen, die finanziell in der Lage wären, sich bei Tui zu engagieren, zählen laut Branchenbeobachtern Apax, Permira, Blackstone und BC Partners. Offensichtlich will die Tui-Chefetage ein Angebot an außen stehende Aktionäre in jedem Falle verhindern. Die „Börsen-Zeitung“ hatte berichtet, Konzernchef Michael Frenzel wolle selbst – mit Hilfe finanzkräftiger Investoren – weniger als 30 Prozent der WestLB-Anteile übernehmen. Mit diesem so genannten Management- Buy-Out könnte Frenzel seinen unternehmerischen Spielraum absichern, hieß es. Tui dementierte die Spekulationen umgehend: „Der Bericht reiht sich ein in eine Kette von Spekulationen, die alle gegenstandslos sind“, sagte Konzernsprecher Kay Baden. Der Tui-Aufsichtsrat beendete am Dienstag seine zweitägige Klausur auf Mallorca. Nach Tui-Informationen wurde neben dem Verkauf der britischen Handelstochter AMC für rund 200 Millionen Euro in erster Linie die weitere Strategie im Flugbereich (unter anderem Hapag-Lloyd, Hapag-Lloyd Express, Britannia) diskutiert.

Trotz Dementis in Serie gehört Europas größter Reisekonzern seit Wochen zum beliebtesten Spekulationsobjekt an der Börse, was der Aktie deutlichen Auftrieb gegeben hat. Dies wird sich nach Einschätzung von Branchenexperten nicht ändern, solange unklar ist, wer die zum Verkauf stehenden WestLB-Anteile übernimmt. Am Dienstag legte die Aktie enrom zu und schloss bei einem Plus von 4,43 Prozent als Tagessieger im Dax. Auch das Dementi des Tui-Sprechers zeigte keine Wirkung: „Da derzeit bei Tui alles für denkbar gehalten wird, schenkt man dem wenig Glauben“, sagte ein Touristikanalyst. Am vergangenen Freitag hatte der ehemalige Tchibo-Aktionär Günter Herz nach tagelangen Berichten über seine angeblichen Einstiegspläne bei Tui dies entschieden zurückgewiesen. Dennoch hält sich im Markt die Meinung, etwas werde schon dran sein.

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