Wirtschaft : Finanzkonzerne steigen bei MAN aus

Allianz, Münchener Rück und Commerzbank verkaufen ihre Anteile am Fahrzeugbauer – mit Gewinn

Nicole Huss

München – Nach drei Jahrzehnten als Großaktionär beim Maschinenbau- und Nutzfahrzeughersteller MAN haben die Finanzkonzerne Allianz, Münchener Rück und Commerzbank ihr milliardenschweres Aktienpaket verkauft. Für den Traditionskonzern ging damit eine Ära zu Ende. Die Regina Verwaltungsgesellschaft habe ihren Anteil von 24,2 Prozent der Aktien und 25,24 Prozent der Stimmrechte an dem Münchener Unternehmen für 29 Euro je Aktie bei institutionellen Investoren platziert, teilte die Allianz am Mittwochabend mit.

Allianz und Münchener Rück begründeten den Schritt mit der Strategie, ihr Risiko durch große Beteiligungen zu vermindern. In der Regina haben die drei Finanzkonzerne ihre MAN-Beteiligung seit Anfang der 70er Jahre gebündelt, sie waren zusammen mit Abstand größter Aktionär des Unternehmens.

Zum festgelegten Preis hat das Aktienpaket einen Wert von 1,03 Milliarden Euro. „Aus unserer Sicht lief es ausgezeichnet“, sagte ein Allianz-Sprecher zu dem Verkauf, den die Investmentbank Goldman Sachs in einem beschleunigten Preisbildungsverfahren vollzog.

MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson kündigte im „Handelsblatt“ eine härtere Gangart an. „Jede Einheit im Konzern muss sich an den besten Wettbewerbern messen lassen“, sagte Samuelsson. Sollten Umstrukturierungsbemühungen nicht greifen, müsse man in Betracht ziehen, sich von unrentablen Sparten zu trennen. Den Schritt der Großaktionäre, ihren Anteil zu verkaufen, bezeichnete Samuelsson als Beginn einer neuen Ära. „Dadurch wird die Position als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen am Kapitalmarkt eindeutig gestärkt“, sagte der MAN-Chef. Das Verkaufsverfahren sei sehr kapitalmarktschonend. „Wir erwarten, dass die neue Situation den Aktienkurs eher beflügeln wird." Die Aktien verloren am Mittwoch jedoch zwei Prozent auf 29 Euro.

Der Streubesitz der Aktien ist nun von knapp 74 auf mehr als 95 Prozent gestiegen, und hat so seine Position im Dax gefestigt. Der Konzern hatte zeitweise als Wackelkandidat im wichtigsten deutschen Börsenindex gegolten. Der Verkauf des Aktienpakets war seit langem erwartet worden, weil sich Allianz und Münchener Rück im Rahmen der Entflechtung der einstigen ,Deutschland AG’ nach und nach von größeren Industriebeteiligungen trennen. Damit machen sie sich weniger abhängig von Kursschwankungen am Kapitalmarkt.

So hat die Allianz schon ihre Anteile am Chemiekonzern BASF, am Kosmetikhersteller Beiersdorf und am Energiekonzern Eon deutlich reduziert. Nach Angaben einer Allianz-Sprecherin war der Zeitpunkt für den Verkauf der Beteiligung angesichts des hohen Aktienkurses von MAN günstig. Die Beteiligung habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich besser als der Dax entwickelt, sagte sie. Weil Regina schon lange an MAN beteiligt ist, steht der Wert mit niedrigen Kursen in den Bilanzen der Großaktionäre. Analysten rechnen mit einem Buchgewinn von etwa 200 Millionen Euro bei der Allianz, bei Münchener Rück und Commerzbank von jeweils bis zu 100 Millionen Euro.

Analysten bewerteten den Verkauf des Regina-Anteils überwiegend positiv. „Theoretisch wäre eine Zerschlagung des Konzerns jetzt möglich, aber in der Praxis ist diese Gefahr gering“, sagte Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank dem Tagesspiegel. Der Konzern stehe auf gesunden Beinen. Bei einem Marktwert von rund 4,55 Milliarden Euro sei es nicht einfach, einen Käufer zu finden. Gegen eine Zerschlagung sprächen zudem kartellrechtliche Gründe. Andere Analysten gaben aber zu bedenken, dass MAN mit dem Wegfall des Großaktionärs langfristig ein starker Rückhalt fehle, der feindliche Übernahmeversuche abwehren könne. Bei einem niedrigen Aktienkurs könne dies zum Problem werden. Vor zwei Jahren hatte der Vorstand des damaligen MAN-Ablegers SMS, Heinrich Weiss, eine feindliche Übernahme geplant, scheiterte jedoch am Widerstand von MAN.

Branchenkenner rechnen nicht damit, dass der Rückzug von Regina Auswirkungen auf die Konzernstrategie haben wird. „Samuelsson kann jetzt noch freier agieren und wird den Verkauf unrentabler Beteiligungen forcieren“, hieß es. Mit HB

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