Finanzkrise : Ackermann fordert Ehrlichkeit von der Bankenbranche

Josef Ackermann geht mit den Kreditinstituten angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise hart ins Gericht. Der Chef der Deutschen Bank fordert die Branche auf sich so zu verhalten, dass sie Vertrauen zurückgewinnt. Dabei geht es seiner Ansicht nach auch um die Gehälter der Banker.

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main Deutsche-BankChef Josef Ackermann hat seine Branche zu mehr Selbstkritik aufgefordert. „Wir müssen uns ehrlich zu den Fehlern bekennen, die gemacht wurden, sowie zu den Lehren aus der Krise und zu den nun erforderlichen Lösungsmaßnahmen“, heißt es in der Dankesrede für einen Preis, die dem Tagesspiegel vorab vorlag. Der Preis sollte ihm am Mittwochabend in London verliehen werden. Den Banken müsse es darum gehen, das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen, sagte Ackermann. Darauf müssten die Geschäftsentscheidungen und „sowie Form und Struktur unserer Vergütung ausgerichtet sein“. Die Banken dürften nicht zum „Business as usual“ zurückkehren. „Es gibt Lektionen aus der Krise, die wir nicht ignorieren dürfen.“

Ackermann wird vom renommierten Bankenmagazin „Euromoney“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Zur Begründung wird ihm verantwortungsvolles Handeln an der Spitze seines Hauses bescheinigt. Er sei zum „vorausschauenden und einflussreichen Wortführer“ des globalen Bankgewerbes geworden und habe diese Rolle auch in der größten Krise der Finanzwelt souverän ausgefüllt.

Er habe sich niemals solche Umwälzungen wie in den vergangenen Monaten vorstellen können, sagte Ackermann der Vorlage zufolge. Die Risiken im Bankensystem seien komplexer gewesen, die Vernetzung der Banken enger und damit die systemischen Risiken massiver, als er gedacht habe. Die Banken müssten jetzt mit einem Paradigmenwechsel leben. Regeln und Aufsicht würden enger gesteckt. Zugleich könnten die Banken die Weltwirtschaft nicht allein über die traditionelle Kreditvergabe finanzieren. Auch künftig müssten die Kapitalmärkte als Finanzierungsquelle genutzt werden. Die Banken müssten dafür sorgen, dass sie die milliardenschweren Krisenhilfen von Regierungen und Zentralbanken wieder zurückzahlen könnten. „Wir stehen in ihrer Schuld.“

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