Finanzkrise : Alcoa eröffnet US-Saison mit Milliardenverlust

Schlechter Start für die US-amerikanische Berichtssaison: Der Aluminium-Konzern Alcoa hat im letzten Vierteljahr 2008 mehr als eine Milliarde Dollar Verlust gemacht.

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Foto: dpa

New YorkNew York - Schlechter Start für die US-amerikanische Berichtssaison: Der Aluminium-Konzern Alcoa hat im letzten Vierteljahr 2008 mehr als eine Milliarde Dollar Verlust gemacht. Die Finanz- und Konjunkturkrise ließ die Nachfrage aus wichtigen Kunden-Branchen wie der Autoindustrie oder dem Bau wegbrechen und die Preise absacken. Der Verlust erreichte 1,19 Milliarden Dollar (890 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Montagabend nach US-Börsenschluss mitteilte. Der Umsatz fiel um fast ein Fünftel auf 5,7 Milliarden Dollar. Alcoa macht traditionell den Anfang der US-Quartalsberichtssaison. Angesichts der Krise werden für das vierte Quartal 2008 durch die Bank schlechte Ergebnisse befürchtet.

Aluminium hatte sich im vergangenen Jahr drastisch verbilligt. Allein im vierten Quartal seien die Preise um 35 Prozent gefallen, rechnete Alcoa vor. Im Vergleich zum Juli betrug der Einbruch sogar 56 Prozent. Industrie-Branchen, die über Jahre für eine stabile Aluminium-Nachfrage sorgten, leiden unter der schwachen Konjunktur und kappen ihre Produktion. Die Aluminium-Hersteller sitzen derzeit auf hohen Vorräten. Das alles führte bei Alcoa im Schlussquartal zu Abschreibungen und Sonderbelastungen von insgesamt 920 Millionen Dollar.

Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld, ehemals Vorstandsvorsitzender von Siemens, sprach von einer breiten Palette von Maßnahmen, um dem wirtschaftlichen Abschwung gegenzusteuern. Erst vergangene Woche hatte Alcoa den Abbau von mehr als 15 000 Arbeitsplätzen weltweit angekündigt – etwa 15 Prozent der Belegschaft. Außerdem wird die Produktion nochmals massiv gekürzt, Randsparten sollen verkauft werden.

Betroffen sind auch Beschäftigte in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Hierzulande beschäftigt Alcoa an elf Standorten einige tausend Mitarbeiter. An den einzelnen Standorten werden Bauprodukte, Verbindungselemente für die Luft- und Raumfahrt, Teile für den Automobilbau sowie elektrische Verteiler- und Kabelsysteme für eine Vielzahl von Kunden gefertigt. Wie viele Arbeitsplätze bundesweit dem Stellenabbau zum Opfer fallen werden, ist offen. Alcoa machte dazu bislang keine konkreten Angaben.

Der ehemalige Siemens-Chef Kleinfeld zeigte sich anlässlich der jüngsten Entwicklungen zuversichtlich, dass Aluminium wieder stark nachgefragt werde, wenn die Konjunktur sich erholt hat. Alcoa solle aus der Wirtschaftskrise gestärkt hervorgehen. Der Glaube an der Börse ist indes gering. Die Alcoa-Aktie verlor am Dienstag an der New Yorker Börse zeitweise mehr als sieben Prozent. Unter Druck geriet am Dienstag aber nicht nur die Alcoa-Aktie, auch die Titel der Stahlkonzerne brachen ein. Manfred Bucher, Analyst bei der Bayerischen Landesbank, sprach von einem „großen Enttäuschungspotenzial“, die die zyklischen Metallwerte hätten. An der Frankfurter Börse gehörten Thyssen-Krupp-Papiere mit einem Minus von 5,5 Prozent auf 17,50 Euro zu den größten Verlierern.

Im letzten Quartal 2007 hatte Alcoa noch einen Gewinn von 632 Millionen Dollar erzielt. Das Jahresergebnis 2008 fiel ebenfalls drastisch schlechter aus: Es gab einen Verlust von 74 Millionen Dollar nach 2,56 Milliarden Dollar Gewinn im Vorjahr. Der Jahresumsatz sank um gut acht Prozent auf 26,9 Milliarden Dollar. dpa /Tsp

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