Finanzkrise : Banken unter Druck, EZB am Limit

Die mögliche Pleite Griechenlands belastet die Märkte. Die angeschlagene Bank of America kündigte am Montag an, 30 000 von rund 290 000 Stellen streichen zu wollen. Auch die französischen Banken sind stark betroffen.

R. Obertreis,M. Schröder
Bärensaison. In diesen Wochen gehen die Kurse vor allem nach unten. Der Bulle ist nicht mehr zu sehen.
Bärensaison. In diesen Wochen gehen die Kurse vor allem nach unten. Der Bulle ist nicht mehr zu sehen.Foto: dpa

Genau weiß niemand, was passiert, wenn Griechenland pleitegeht. Einen kleinen Vorgeschmack darauf gaben indes die Aktienmärkte am Montag. Die Spekulationen über eine mögliche Insolvenz schickten die Kurse weltweit in den Keller. Der Dax notierte zeitweise unter der kritischen Marke von 5000 Punkten mit einem Verlust von rund 3,5 Prozent. Der Euro fiel zeitweise auf 1,35 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar.

Besonders dramatisch war der Kurseinbruch bei den Finanzwerten. Es drängt sich der Eindruck auf, dass aus der Staatsschuldenkrise eine Bankenkrise werden könnte. Die Deutsche Bank, die in den letzten Monaten mehr als 20 Prozent ihres Aktienwertes verloren hat, büßte am Montag wieder 7,3 Prozent ein, die Commerzbank verlor 8,3 Prozent.

Noch stärker litten die Papiere der französischen Kreditinstitute wie die Crédit Agricole, BNP Paribas oder Société Générale. Sie verloren zwischen zehn und elf Prozent. Kein Wunder: Sie sollen nicht nur griechische Staatsanleihen im Volumen von mehr als neun Milliarden Euro halten. Die Banken haben auch Geld an die griechischen Banken und Unternehmen verlieren. Im Falle einer Staatspleite würden sie nicht viel davon wiedersehen. Hinzu kommt die Angst, eine Insolvenz Griechenlands könnte auch die Zinsen für spanische, portugiesische und italienische Staatsanleihen so stark steigen lassen, dass auch eine Pleite dieser Länder wahrscheinlicher würde.

Schon jetzt legen die Banken ihr Geld lieber bei der Zentralbank an, anstatt es an andere Banken zu verleihen. Sie haben Angst, dass die Konkurrenz im Falle einer Staatspleite mit in den Abgrund gerissen werden könnte. Wenn die Banken einander überhaupt kein Geld mehr leihen, können schwächere Institute schnell in Liquiditätsschwierigkeiten kommen – wie im Herbst 2008, nach der Lehman-Pleite.

Den französischen Banken droht die Herabstufung durch Ratingagenturen

Angeblich droht den französischen Kreditinstituten jetzt sogar eine Herabstufung durch die Ratingagenturen. In Frankreich kamen am Montag Gerüchte auf, einzelne Institute müssten teilverstaatlicht werden, um einen Kollaps zu verhindern. Dies wurde auch dadurch befördert, dass die Großbank Société Généralé am Montag bekannt gab, sie wolle Vermögenswerte im Volumen von vier Milliarden Euro verkaufen, um ihre Kapitalkraft zu stärken. In den USA sieht die Lage kaum besser aus: Die angeschlagene Bank of America kündigte am Montag an, 30 000 von rund 290 000 Stellen streichen zu wollen.

Frankreichs Notenbank-Chef Christian Noyer wies die Gerüchte um die heimischen Banken entschieden zurück. „Wie auch immer das griechische Szenario und die dafür zu leistenden Rückstellungen ausschauen mögen: Die französischen Banken haben die Mittel, damit fertigzuwerden.“ Noyer zufolge haben die Banken weder Liquiditäts- noch Solvenzprobleme. Seit 2009 seien die Eigenmittel um 50 Milliarden Euro gestiegen und würden weiter aufgestockt.

Auch der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, versuchte zu beruhigen: „Wir stehen bereit, um die Banken mit der notwendigen Liquidität zu versorgen“, sagte Trichet. Die Zentralbank habe in der vergangenen Woche Staatsanleihen für fast 14 Milliarden Euro aufgekauft, mehr als in der Woche zuvor. Insgesamt halte die EZB jetzt Anleihen im Volumen von 143 Milliarden Euro. Mit den Käufen stützt die Bank den Kurs von Staatsanleihen aus Ländern wie Spanien oder Italien.

Nach den griechischen Banken, die angeblich Staatsanleihen des eigenen Landes im Wert von 46 Milliarden Euro halten, besitzen die französischen Institute mit knapp 9,4 Milliarden Euro das zweitgrößte Griechenland-Portfolio. Deutschland kommt nach Angaben von Experten auf 7,9 Milliarden Euro, rund 2,9 Milliarden bei der Commerzbank, 1,6 Milliarden bei Deutscher Bank/Postbank und 1,2 Milliarden Euro bei der DZ Bank. Allerdings stammen diese Zahlen von Ende Juni. Mittlerweile haben die Institute bereits dreistellige Millionenbeträge auf ihre Griechenlandanleihen abgeschrieben: Bei der Société Généralé und der BNP waren es mehr als 900 Millionen Euro, bei der Commerzbank 760 Millionen, bei der Allianz 320 Millionen und bei der Bayern LB 80 Millionen Euro.

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