Finanzkrise : Bayerische Landesbank braucht fünf Milliarden

Mit drei Milliarden Euro Verlust rechnet die Bayerische Landesbank für dieses Jahr. Deshalb benötigt sie bis zu fünf Milliarden Euro aus dem Rettungsfond der Bundesregierung. Experten kritisieren, dass das deutsche Rettungspaket entscheidende Mängel aufweisen würde.

München/DüsseldorfDie angeschlagenen bayerische Landesbank könnte einem Zeitungsbericht zufolge den  Rettungsfonds der Bundesregierung mit bis zu fünf Milliarden Euro in Anspruch nehmen. Angesichts eines erwarteten Verlusts von drei Milliarden Euro in diesem Jahr benötige die BayernLB zwischen drei und fünf Milliarden Euro aus dem Rettungspaket, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Sparkassen-Kreise. Der Verwaltungsrat des staatsnahen Bankhauses trat am Dienstagnachmittag zusammen, um über die Lage zu beraten. Wissenschaftler übten derweil Kritik am deutschen Rettungspaket, das Banken von der Nutzung abhalte.

Die Sparkassen, die genauso wie der Freistaat Bayern die Hälfte an der BayernLB halten, erfuhren laut "Handelsblatt" in einer Krisensitzung am Montagabend von dem erwarteten Verlust und dem Finanzbedarf. Dem Bericht zufolge sind sie besonders über die Informationspolitik der Landesbank verägert - der Milliardenverlust habe die Institute überrascht. Auch der bayerische SPD-Chef Franz Maget zeigte sich bestürzt: "Das übersteigt unsere schlimmsten Befürchtungen", sagte der dem Bayerischen Rundfunk. Vorwürfe richtete er an den bayerischen Finanzminister Erwin Huber: "Er hatte die politische Führung im Verwaltungsrat. Er hat es immer versäumt, alles Notwendige preiszugeben."

Die anderen Banken überlegen noch

Bei den weiteren Landesbanken, die als mögliche Kandidaten für eine Beteiligung am Rettungsschirm gelten, zeichnete sich am Dienstag noch keine Entscheidung ab. Ein Sprecher der von der Finanzmarktkrise stark betroffenen HSH Nordbank sagte, die Prüfung laufe. Es sei noch nicht absehbar, wann das Institut zu einer Entscheidung komme. Bei der nordrhein-westfälischen WestLB sagte ein Sprecher, da die Bank schon zu Jahresanfang einen eigenen Rettungsschirm eingerichtet hatte, gebe es keine wesentlichen Auswirkungen der aktuellen Finanzmarktkrise. Es laufe aber noch die Prüfung, ob der Schirm der Bundesregierung einen zusätzlichen Nutzen bringt.

Eine Sprecherin der Landesbank Berlin sagte, "aus heutiger Sicht" sei keine Beteiligung vorgesehen. Bei der Helaba, der Landesbank Hessen-Thüringen, gab es weiter keinen offiziellen Kommentar der Bankführung. Ein Sprecher sagte, die Helaba sehe sich gut aufgestellt.

Experten kritisieren das Rettungspaket der Bundesregierung

Das Bankenrettungspaket der Bundesregierung bezeichnete derweil der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, als Fehler. "So kann man das nicht organisieren", sagte Zimmermann im Nachrichtensender N24. Die erste Bank, die nun Geld vom Staat anfordere, werde sofort abstürzen. Die Bundesregierung habe daher bei der Konstruktion des Rettungspakets einen entscheidenden Fehler gemacht.

Als bessere Beispiele nannte Zimmermann die staatlichen Maßnahmen in den USA und in Schweden. "Die Amerikaner haben mit Gewalt allen Banken Geld aufgezwungen", sagte Zimmermann. "Die Schweden haben die Risiken rausgezogen aus den Banken. Damit bleibt es anonym." Beide Wege seien "gangbar". Die Bundesregierung wolle sich jedoch "nicht wirklich engagieren" und habe deswegen ein falsches Paket geschnürt.

Auch Jan Hagen von der European School of Management and Technology in Berlin kritisierte das Hilfspaket: Es sei ein Fehler, dass die Bundesregierung Banken, wenn sie das Paket in Anspruch nehmen, vorschreiben könne, Kredite vor allem an kleinere und mittlere Unternehmen zu vergeben, erklärte er. Gerade dieses Marktsegment sei im Wettbewerb besonders umkämpft und von "Ertraglosigkeit" gezeichnet. Deshalb hätten die Banken kaum ein Interesse, auf das Angebot der Bundesregierung einzugehen - und jene, die es doch täten, stigmatisiert. (bai/AFP)

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