Finanzkrise : Bombenstimmung in der Bank

Viele Anleger haben Angst um ihr Geld und wenden sich an ihren Berater. Andere drohen mit Gewalt.

Daniel Rhee-Piening
Bombenalarm in Commerzbank
Geräumt. Im Oktober gab es in der Commerzbank in Berlin einen Bombenalarm. -Foto: ddp

Berlin - Knapp fünf Wochen ist es her, dass in der Commerzbank-Hauptfiliale in Berlin-Mitte eine Bombendrohung einging. Weniger Wochen später traf es die Berliner Volksbank, die Genossenschaftsbank ließ fast alle 160 Filialen räumen. Stecken enttäuschte Anleger hinter diesen Aktionen?

„Um Gottes willen“, sagt die Sprecherin der Volksbank, Nancy Mönch, auf die Frage. Noch habe weder die Bank noch die Polizei irgendeinen Verdacht, wer es gewesen sein könnte. Natürlich gebe es Anleger, die jetzt fragten und auch Ängste hätten, aber dies „sind doch ganz normale existenzielle Ängste“, meint Mönch. Die Berater seien geschult, damit umzugehen und zu „glätten“. Ihres Wissens sei aber noch kein Berater beschimpft oder gar bedroht worden, sagt Mönch. Ähnliches hört man bei der Commerzbank. „Unsere Berater werden täglich informiert über das, was gerade aktuell ist. Es hat auch gemeinsame Gespräche gegeben, wie man mit unzufriedenen oder aufgeregten Kunden umgehen kann“, berichtet ein Sprecher. „In sogenannten Krisensituationen suchen unsere Mitarbeiter das Vier-Augen-Gespräch und bieten auch an, etwa mit Filialdirektoren oder Regionalleitern, zu sprechen.“ Bisher sei diese aber noch nie nötig. gewesen. Auch bei der Landesbank Berlin glaubt man nicht an gewalttätige Anleger. „Unsere Berater haben immer gut gearbeitet, wer sollte die bedrohen?“, fragt eine Sprecherin. Sie macht eher das „zunehmende Gewaltpotenzial in der Gesellschaft“ verantwortlich, unter dem auch die Busfahrer der BVG zu leiden hätten.

Aber der Vertrauensverlust der Kunden lässt sich nicht wegdiskutieren, die Wut ist da und äußert sich in Protesten und Demonstrationen wie jüngst gegen die isländische Pleitebank Kaupthing. Vom Misstrauen der Kunden profitieren die Vermögensberater. „Es wird für die Kunden zur Selbstverständlichkeit, den Rat eines Vermögensberaters zu suchen noch bevor die Pforte einer Bank oder Sparkasse überschritten wird“, berichtet Reinfried Pohl vom Bundesverband Deutscher Vermögensberater.

Doch auch Bankkaufleute werden in diesen Tagen verstärkt von ihren Kunden angesprochen. Die Kunden seien froh ihn fragen zu können, da viele Banken doch derzeit ohne Berater laufen, sagt ein Berater der Berliner Sparkasse. Er persönlich sei bislang weder beschimpft noch beleidigt oder bedroht worden. Ähnliches hört man auch bei der Commerzbank in Berlin. Es werde verstärkt das Gespräch gesucht, sagt ein Sprecher.

Doch das Misstrauen gegen die Berater bleibt. Der Verband der Vermögensberater will nun sowohl politisch nach außen wirken, als auch intern eine gewisse Qualität sicherstellen. Letzteres erscheint doppelt wichtig in Zeiten der Krise. Zudem: Wer bei Google das Stichwort „Anlageberatung“ eingibt, findet fast 700 000 Einträge. Wer soll da noch zwischen Seriösen und Unseriösen unterscheiden? Eine bessere Qualität will auch der in Berlin beheimatete Bundesverband Finanzdienstleister (FiFa) bieten. Mit Einführung beziehungsweise Umsetzung der EU-Vermittlerrichtlinie werden fachliche Mindestanforderungen an den Finanzdienstleister gestellt. Eine Beratung darf nur noch derjenige vornehmen, der einen Sachkundenachweis erbringen kann.

Auf die gute Ausbildung ihrer Berater legen auch die Banken und Sparkassen großen Wert – versichern sie jedenfalls. Die Berliner Sparkasse schickt ihre Mitarbeiter in der Regel zunächst auf die vom Sparkassenverband getragene Bankakademie zu einer zweijährigen Fortbildung. Die Berliner Volksbank bildet intern aus. Dabei geht es neben dem Fachwissen und dem Überblick über Anlageprodukte besonders auch um die Form des Anlagegesprächs, Dokumentationspflichten und technische Details. Zudem erhalten die Berater fortlaufende Informationen aus dem Haus.

Doch nicht immer geht es dabei nur um das Beste für den Anleger. Die Dresdner Bank, die sich in der Werbung als die Beraterbank darstellt, verschickte jüngst ein internes Rundschreiben zur Pleite der Investmentbank Lehman Brothers. Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens von der Bremer Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht, der rund ein Dutzend geschädigte Anleger vertritt, sieht das Papier als Beleg dafür, dass die Dresdner Bank die Interessen ihrer Kunden bewusst missachtet habe, um keine eigenen Einbußen hinnehmen zu müssen. Die Bank ihrerseits reagiert empört, der Vorwurf sei „völlig haltlos“. Man habe sich auf die immer noch relativ gute Bewertung der Ratingagenturen verlassen – eine Insolvenz sei nicht absehbar gewesen, heißt es in einem Schreiben. Aber auch in der Schweiz hat die Dresdner Ärger. Die Züricher Bankenaufsicht wirft dem Institut laut „Sonntags- Zeitung“ vor, den Bankkunden Aktien immer wieder zu einem ungerechtfertigt hohen Kurs verkauft zu haben.

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