Finanzkrise : "Das mit den Banken kriegen wir hin"

Angela Merkel setzt beim Branchenverband auf Harmonie – und ein bisschen aufs Gewissen.

Stefan Kaiser

Berlin - Der Ort ist perfekt für eine Predigt. Ehrfurchtsvoll könnten die Banker in der Basilika des Bode-Museums zu den Altären und Heiligen-Statuen aufschauen, während ihnen die Kanzlerin ins Gewissen redet. Mehrere Hundert sind am Montagabend gekommen. Dicht an dicht drängen sich die dunklen Anzüge. Und vielleicht sind sie ja tatsächlich hier, um harte, strafende Worte der Kanzlerin zu hören und anschließend bei Wein und Häppchen Buße zu tun.

Doch die Strafpredigt bleibt aus. Statt den Bankern die Leviten zu lesen, setzt Merkel auf Versöhnung. Gemeinsam müsse man versuchen, nachhaltiges Wachstum in Deutschland zu schaffen, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen. „Das mit den Banken kriegen wir hin“, sagt die Kanzlerin flapsig. Für das mit dem Wachstum brauche die Regierung jedoch die Unterstützung der Unternehmen.

Merkels sanfte Töne sind womöglich dem Anlass geschuldet. Immerhin gilt es den langjährigen Präsidenten des Bankenverbandes, Klaus-Peter Müller, zu verabschieden. Der frühere Vorstands- und heutige Aufsichtsratschef der Commerzbank passte nie ins Bild der abgehobenen Rendite-Banker, er galt immer als Mann des Ausgleichs und pflegt als CDU-Mitglied ohnehin beste Kontakte in die Politik. Neben Merkel sind denn auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) erschienen. Dazu alte Weggefährten, von Otto Graf Lambsdorff (FDP) über Rudolf Scharping (SPD) bis hin zu Michael Glos (CSU). Zwischen ihnen drängen sich Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, seine Vorgänger Hilmar Kopper und Rolf Breuer sowie Bundesbankchef Axel Weber.

Andächtig lauschen sie Merkels Vortrag. Eine Lösung für die faulen Wertpapiere in den Bankbilanzen müsse man finden. Gegebenenfalls müssten auch die Bilanzregeln für Banken geändert werden. Zur neuen Finanzarchitektur gehöre eine Überwachung durch globale Akteure – alles Forderungen, denen sich die meisten Banker mittlerweile anschließen. Vor allem gehe es darum, so schnell wie möglich wieder zu Marktmechanismen zurückzukommen, sagt Merkel. Na also.

Gegen Ende redet die Kanzlerin den Bankern dann doch noch ins Gewissen, wenn auch sachte. „Wir haben Menschen Antworten zu geben, die in ihrem Gerechtigkeitsempfinden zutiefst erschüttert sind“, mahnt sie. Die gigantischen Summen, die der Staat für die Rettung der Banken ausgibt, seien für viele Menschen „zu Recht nur sehr schwer zu verstehen“. Sie wünsche sich deshalb, sagt Merkel an die Adresse der Banker, „dass auch Sie verstehen, wie tief die Erschütterungen sind“. „Stellen Sie sich den Gesprächen mit den Menschen“, appelliert Merkel. „Seien Sie nicht so empfindlich, wenn Sie kritisiert werden.“

In warmem Applaus endet der Auftritt der Kanzlerin. Und als sie zusammen mit Müller den Weg durch die Menge bahnt, fällt auf, wie perfekt ihr rosa Blazer zu seiner rosa Krawatte passt. Stefan Kaiser

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