Finanzkrise : Deutsches System schützt Banken vor Pleiten

In den USA geben in der derzeitigen Krise mehr Banken auf als hierzulande. Allerdings verdeckt die Statistik, dass in Deutschland viele Geldhäuser nur mit vereinten Kräften ihrer Eigner und des Staates vor dem Aus bewahrt werden.

Frank Drost (HB)

Berlin - Das Bankensystem in Deutschland hat sich in der Finanzmarktkrise als widerstandsfähiger erwiesen als das amerikanische. Diesen Schluss lässt zumindest ein Blick auf die Pleitenstatistik zu: In den USA gingen seit Ausbruch der Finanzmarktkrise im Jahr 2007 nach Angaben des Einlagensicherungsfonds FDIC (Federal Deposit Insurance Company) 160 Banken pleite, in Deutschland sind die Fälle an einer Hand abzuzählen. Der finanziell gravierendste Fall war hierzulande die Insolvenz der deutschen Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers. Mit 6,7 Milliarden Euro musste der private Einlagensicherungsfonds in die Bresche springen.

Allerdings verdeckt die Statistik, dass in Deutschland mit der WestLB, der HSH Nordbank, der Landesbank Baden-Württemberg und der BayernLB vier große Landesbanken nur mit vereinten Kräften ihrer Eigner über Wasser gehalten werden und dass die IKB nur durch das Zusammenwirken von Kreditwirtschaft und Staat gerettet wurde. Auch ging die Hypo Real Estate nicht pleite, weil der Staat sich zunächst beteiligte und das Institut später komplett übernahm. Die späten Eingriffsmöglichkeiten der Finanzaufsicht haben ein Schlaglicht darauf geworfen, dass das deutsche Insolvenzrecht reformbedürftig ist.

Dass die globale Finanzmarktkrise in Deutschland – anders als in den USA – nicht zu einem großflächigen Bankensterben geführt hat, begründet der Frankfurter Finanzwissenschaftler Reinhard H. Schmidt mit den unterschiedlichen Bankensystemen. Die meisten der rund 8000 Banken in den USA seien sehr stark lokal fokussiert. Daraus resultiere auch eine Konzentration von Kreditrisiken, die die Institute in Rezessionen sehr anfällig machten. Anders als in Deutschland seien diese Banken nicht miteinander verbunden und würden im Krisenfall nicht füreinander einstehen.

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche lokal orientierte Institute. Von den insgesamt rund 2200 Kreditinstituten sind rund 1200 Genossenschaftsbanken und etwa 430 Sparkassen. Einzelne Verbundmitglieder wie etwa die Sparkasse Südholstein, die der Krise durchaus Tribut zollen musste, wurden aufgefangen. Wie die Genossenschaftsbanken verfügen auch die Sparkassen über eine sogenannte Institutssicherung, durch die ein Mitglied des Verbundes praktisch nicht pleitegehen kann. Die Institute werden im Notfall von den anderen Mitgliedern aufgefangen, die Sicherheit der Einlagen ist damit gewährleistet.

Das ist aus Sicht von Christian Achilles, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, nicht der einzige Unterschied zu den USA. Auch die unterschiedlichen Kreditvergabestandards dürften nicht unberücksichtigt bleiben. Achilles weist auf die jahrelange Praxis der US-Banken hin, bei Hypothekenkrediten eher auf den Wertzuwachs der Immobilie geachtet zu haben als auf die Belastungsfähigkeit der Kreditnehmer. Nach dem Platzen der Immobilienblase konnten viele Privatkunden ihre Immobiliendarlehen nicht mehr bedienen.

Die Bundesregierung sucht nun nach Möglichkeiten, um Krisen systemrelevanter Banken künftig früher in den Griff zu bekommen. Das Insolvenzrecht soll so modifiziert werden, dass der Staat früher eingreifen kann. „Derzeit beginnen bei uns erst dann die Eingriffsrechte, wenn die Bank absehbar pleite ist“, kritisiert Schmidt. Aber man müsse bereits handlungsfähig sein, wenn „das Kind auf dem Brunnenrand turnt“.

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