Finanzkrise : Einkaufen und gewinnen

Universalbanken wie die Bank of Amerika gehören zu den Gewinnern der Finanzkrise: Neben Investmentgesellschaften könnten auch europäische Banken profitieren.

Frederic Spohr

Berlin - Bill Gross warnte vor dem „finanziellen Tsunami“. Am Ende gab es tatsächlich eine Geldwelle. Für ihn erfreulich: Sie brach über ihm zusammen. Satte 1,7 Milliarden Dollar verdiente der Chef des weltweit größten Anleihenfonds mit der Rettung der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac durch die US-Regierung. Der Finanzprofi der Fondsgesellschaft Pimco hatte in Hypothekenpapiere investiert, deren Wert vom Überleben von Fannie und Freddie abhing. Über den TV-Sender Bloomberg rief er den Politikern dann noch zu:„Sie müssen jetzt ihr Portemonnaie öffnen.“ Als die Regierung dann tatsächlich eingriff, machte Gross ordentlich Kasse.

Neben geschickten Finanzprofis gehören auch große Universalbanken zu den Gewinnern der Krise. „Alle Banken sind geschwächt. Aber die jetzt noch Geld haben, werden mittel- und langfristig profitieren. Und Geld haben die Universalbanken“, sagte Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management dem Tagesspiegel.

Die Großen können sich jetzt die traditionsreichen Investmentbanken einverleiben. Die Bank of Amerika schnappte sich am Wochenende Merrill Lynch für rund 50 Milliarden Dollar. Mit dem Deal sichert sich die Bank of Amerika ihre Position als eine der größten Banken der Welt. Sie rechnet mit Einsparungen von sieben Milliarden Dollar bis 2012.

Mit Lehman Brothers, Merrill Lynch und Bear Stearns sind drei der fünf größten Investmentbanken verschwunden. „In diese Lücke können jetzt die Universalbanken stoßen“, sagt Faust. Und die seien in Europa zu finden. Spezialbanken wie in den USA sind hier selten. „Besonders in der Vermögensverwaltung können europäische Banken jetzt Marktanteile gewinnen“, sagt Faust. Auch der deutschen Bank rechnete er dabei einige Chancen aus.

Investmentgesellschaften wie Lone Star profitieren ebenfalls von den Wirrungen an den Finanzmärkten. „Im Gegensatz zu vielen Banken sind sie gerade liquide und können jetzt günstig einkaufen“, sagt Faust. Ein Beispiel: Mitte August kaufte Lone Star die Deutsche Industrie Bank (IKB), die sich an den Finanzmärkten verzockt hatte. Lone Star zahlte gerade einmal 100 Millionen Euro für die angeschlagene Bank. „Das ist ein sehr guter Preis“, sagt Faust. Der Bund hatte ursprünglich 800 Millionen Euro gefordert. Die Differenz zahlte die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau. Frederic Spohr

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