FINANZKRISE : Endlich im Keller

Positive Nachrichten für Verbraucher: Die Preise für Heizöl und Benzin fallen, Fluglinien senken ihre Treibstoffzuschläge. Nur Gas bleibt teuer. Die Nachfrage nach fossilen Brennstoffen bricht deutlich ein.

Kevin Hoffmann
Benzin
Vollmachen bitte: In Berlin gibt es Super wieder für unter 1,30 Euro. -Foto: dpa

Berlin - Aufatmen in Zeiten der Krise: Verbraucher können derzeit so billig tanken wie seit Monaten nicht mehr und sich zunehmend günstig mit Heizöl eindecken. Auch Flugreisen werden billiger. Grund dafür ist der Rohölpreis, der seit Tagen immer schneller fällt, weil die Händler an den Börsen einen weltweiten Abschwung fürchten. Dahinter steckt die Annahme, dass damit auch der Energiehunger der Industriestaaten zurückgeht.

Mit dieser Begründung – die negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft – hat auch die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in ihrem am Mittwoch vorgestellten Monatsbericht die Prognose für die Rohölnachfrage gesenkt. Man erwarte, dass diese 2009 weltweit um 190 000 Fass (je 159 Liter) pro Tag auf 31,14 Millionen sinken werde. Das wären 870 000 Fass pro Tag weniger als für das laufende Jahr angenommen.

An den Börsen sank der Preis für ein Fass der US- Sorte WTI um vier Prozent auf gut 77 Dollar. Vergangenen Juli hatte der Preis pro Fass noch an der 150-Dollar- Marke gekratzt. Der Rekord trieb damals die Preise aller Rohölprodukte hoch – vom Diesel bis zum Kerosin. Ganze Industriezweige wie die chemische Industrie ächzten darunter. Der Ölpreis war auch für die allgemein hohe Teuerungsrate in Deutschland maßgeblich mitverantwortlich.

Jetzt rutschte die Inflationsrate erstmals seit dem Frühjahr wieder unter drei Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Insgesamt zahlten Verbraucher im September 2,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Im Juli hatte die Inflationsrate mit 3,3 Prozent ein 15-Jahres- Hoch erreicht. Besonders Heizöl verbilligte sich gegenüber dem August.

Gas, dessen Preis sich am Öl orientiert, verteuerte sich dagegen binnen eines Monats um 3,2 Prozent, teilten die Statistiker mit. „Das scheint für unsere Kunden kaum verständlich, aber wir sind mit langfristigen Verträgen an unsere Lieferanten gebunden und reagieren zeitverzögert auf die hohen Ölpreise im Frühjahr“, sagte Klaus Haschker, Sprecher des Berliner Versorgers Gasag. Dafür könnten die Kunden im Frühjahr mit einer Preissenkung rechnen – vorausgesetzt der Ölpreis hält sich.

Andere Branchen können schneller reagieren und tun es auch: So teilte die Lufthansa mit, dass sie erstmals seit zwei Jahren den Treibstoffzuschlag auf ihre Tickets senken wird – um drei auf 24 Euro pro Strecke für Flüge innerhalb Deutschlands und Europas und um fünf auf 92 Euro für Langstreckenflüge. Dies gelte für alle Tickets, die ab dem 20. Oktober ausgestellt werden. British Airways will dem Schritt folgen. Auch Air Berlin teilte auf Anfrage mit, dass man ähnliche Preissenkungen prüfe.

Autofahrer konnten am Mittwoch zumindest in der Hauptstadtregion fast flächendeckend wieder für unter 1,30 Euro Superbenzin tanken, Diesel war an günstigen Tankstellen für 1,23 Euro pro Liter zu haben. Im Hochsommer hatten sich die Preise für beide Spritsorten bei mehr als 1,50 Euro pro Liter eingependelt.

Das Bundeskabinett beschloss zudem einen Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger. Den Zuschuss erhalten rund 600 000 Bezieher niedriger Einkommen und Renten für Oktober, November und Dezember. Ein Einpersonenhaushalt soll pauschal 100 Euro ausgezahlt bekommen, ein Zweipersonenhaushalt 130 Euro. Das Geld fließt mit der Heizkostenabrechnung im Frühjahr, gesonderte Anträge müssen nicht gestellt werden. Der Bundesrat muss dem noch zustimmen.

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