Finanzkrise : Flugzeugindustrie fordert staatliche Hilfe

Nun hat die Krise der Finanzwirtschaft auch die Luftfahrtbranche erreicht. Weil Airlines und Zulieferern das Geld ausgeht, soll nun der Staat einspringen. Außerdem wittern die Fluggesellschaften die Chance, Auflagen zum Klimaschutz abzuschwächen.

Lufthansa-Maschine
Der eine hebt ab, der andere bleibt unten. Das Personal der Lufthansa bestreikt heute die Flughäfen Tegel und Frankfurt am Main. -Foto: ddp

BerlinDie deutsche Luftfahrtindustrie sieht sich als Opfer der Finanzkrise. Sowohl die Zulieferer der Flugzeughersteller als auch die Fluggesellschaften als Käufer der Maschinen haben Probleme, das nötige Geld aufzubringen, wie Thomas Enders, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie in Berlin sagte. Für die Zulieferer forderte er beim Deutschen Luftverkehrs-Kongress einen Hilfsfonds, wie er in Frankreich im Umfang von 60 Millionen Euro bereits geschaffen worden sei.

Eine solche Größenordnung hält Enders auch in Deutschland für vorstellbar. Das Geld dafür soll demnach aus öffentlichen Mitteln und aus der Industrie kommen. Auch sein Unternehmen würde sich daran beteiligen, bot Enders an. Er ist Vorstandschef des europäischen Flugzeugherstellers Airbus.

Airlines sind "schon geschwächt in die Krise gerutscht"

Die Finanzkrise will die Luftfahrtbranche auch als Hebel nutzen, um geplante Auflagen zum Umweltschutz abzuschwächen. Konkret geht es um die für 2012 vorgesehene Einbeziehung europäischer Fluggesellschaften in den Handel mit Zertifikaten für den Kohlendioxid-Ausstoß. Der Konjunkturabschwung treffe viele Airlines hart, weil sie nach der Kerosin-Preisexplosion "schon geschwächt in die Krise gerutscht" seien, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber.

Die deutsche Luftverkehrsbranche wehrt sich beim Emissionshandel für einen besseren Klimaschutz gegen eine isolierte Regelung für die EU. Solange Staaten außerhalb der EU nicht mitmachten, müssten auch Flüge von EU-Unternehmen in diese Länder vom Emissionshandel ausgenommen werden, betonte Mayrhuber. Das Treibhausgas Kohlendioxid trägt zur gefährlichen Erderwärmung bei.

Weltweit würden die Unternehmen in diesem Jahr voraussichtlich einen Verlust von rund fünf Milliarden Euro machen, 300 Millionen Euro davon entfielen auf die deutschen Gesellschaften. Unabhängig von der momentanen Situation werde die Luftfahrt eine Wachstumsindustrie bleiben. (sf/dpa)

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