Finanzkrise : Griechenland steckt in der Kreditkartenklemme

Anders als die in Deutschland üblichen Karten, sind die griechischen echte Kreditkarten - und ihre Besitzer haben ordentlich eingekauft. Nun haben die Banken ein Problem.

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Athen - Es war verführerisch einfach: die VISA-, Master- oder Diners-Card gezückt, eine Unterschrift geleistet, und schon war das neue Kleid oder der schicke HD-Fernseher bezahlt. Immer mehr Griechen gingen in den vergangenen Jahren mit dem Plastikgeld auf Einkaufstour. Dann kam die Krise. Gehälter wurden gekürzt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen. Allein im September gingen fast 18 000 Jobs verloren. Jetzt merken viele Kreditkartenbesitzer: Sie haben sich zu viel geleistet – und Schwierigkeiten, ihre Rechnungen zu bezahlen. Die griechischen Banken müssen voraussichtlich Milliarden abschreiben.

Anders als die in Deutschland üblichen Karten, sind die griechischen echte Kreditkarten: Die Rechnung wird nicht monatlich abgebucht, sondern man hat einen bestimmten Verfügungsrahmen, der als Kredit gewährt wird. Der Kunde braucht monatlich nur die Zinsen und einen Tilgungsanteil von etwa 0,5 Prozent zu zahlen. Viele Griechen finanzierten deshalb Anschaffungen nicht über Konsumentenkredite, sondern mit der Karte.

Für die Banken war das bisher ein gutes Geschäft, denn sie berechnen für die Kreditkartendarlehen Zinsen von 16 bis 20 Prozent. Nach der Bonität der Kunden wurde nicht gefragt. Sie wurden mit null Euro Jahresgebühr und Verfügungsrahmen von bis zu 10 000 Euro umworben.

Jetzt würden die Banken die Karten am liebsten wieder einsammeln. Waren Ende 2009 bereits 13,4 Prozent der Kreditkarten-Darlehen notleidend, hat der Anteil bei einigen Banken inzwischen 25 Prozent erreicht. Das heißt: Die Kunden sind seit mehr als drei Monaten in Verzug. Die Außenstände aller griechischen Kreditkarten belaufen sich aktuell auf rund neun Milliarden Euro. Davon werden die Banken voraussichtlich mindestens zwei Milliarden Euro abschreiben müssen, heißt es in Athener Finanzkreisen.

Die Zahl der im Umlauf befindlichen Karten ist seit Ende 2009 von rund sieben auf sechs Millionen zurückgegangen. Damit zirkulieren in Griechenland allerdings, umgerechnet auf die Bevölkerung, immer noch doppelt so viele wie in Deutschland.

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