Finanzkrise : Gute Nachrichten von den Investmentbanken

Goldman Sachs und Lehman Brothers überraschen

New York Vorsichtiges Aufatmen an der Wall Street: Die Investmentbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers sind trotz eines massiven Gewinneinbruchs von der Kreditkrise bislang weniger stark getroffen als von Experten befürchtet. Nach der Fast-Pleite des Wettbewerbers Bear Stearns hatten die Märkte mit dem Schlimmsten gerechnet.

Investmentbanken sind Spezialisten für lukrative Wertpapiergeschäfte aller Art sowie für Fusionen und Übernahmen von Firmen. Reine Investmentbanken sind traditionell vor allem in den USA und Großbritannien zu Hause. Sie haben kein Filialgeschäft mit Girokonten für Jedermann. Die mit Abstand führende Investmentbank weltweit ist Goldman Sachs. Wettbewerber sind Morgan Stanley, Merrill Lynch, Lehman Brothers und Bear Stearns.

Goldman Sachs verdiente im ersten Geschäftsquartal mit 1,47 Milliarden Dollar (930 Millionen Euro) unter dem Strich rund 50 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Bei Lehman Brothers brach der Gewinn sogar um fast 60 Prozent auf 465 Millionen Dollar (294 Millionen Euro) ein. Analysten hatten weit schlechtere Zahlen erwartet. Ausdrücklich betonten beide Banken am Dienstag in New York, keine Liquiditätsprobleme zu haben. Tags zuvor war der strauchelnde Konkurrent Bear Stearns wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zum Notverkauf an die Großbank J.P. Morgan gezwungen gewesen.

Die Anleger reagierten erleichtert auf die mit nervöser Spannung erwarteten Zahlen. Die Goldman-Sachs-Aktie stieg in New York bis zum Schluss um mehr als 16 Prozent auf 175 Dollar. Papiere von Lehman Brothers schossen sogar um mehr als 46 Prozent auf 46 Dollar nach oben. Am Vortag hatte die Aktie wegen Ängsten vor ähnlichen Problemen wie bei Bear Stearns noch knapp 20 Prozent verloren. Die Marktbedingungen seien eindeutig sehr schwierig, räumte Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein in New York ein. Dies biete aber auch Chancen. Wie Lehman-Chef Richard Fuld betonte auch er, die Aktivität der Kunden quer durch alle Bereiche sei sehr stark.

Beide Banken mussten wegen der Finanzmarktkrise im Ende Februar abgeschlossenen ersten Geschäftsquartal erneut milliardenschwere Abschreibungen hinnehmen. Bei Goldman Sachs summierten sich die Bereinigungen netto auf rund zwei Milliarden Dollar. Bei Lehman Brothers fielen unter dem Strich neuerliche Wertverluste von 1,8 Milliarden Dollar an. Insgesamt haben Banken laut Schätzungen inzwischen rund 200 Milliarden Dollar (126,8 Milliarden Euro) infolge der Kreditkrise abschreiben müssen.

Im vergangenen Jahr hatten beide Investmenthäuser trotz der Finanzmarktkrise noch einen Rekordgewinn eingefahren. Besonders Marktführer Goldman Sachs konnte den Turbulenzen bislang mit Abstand am besten trotzen und zum Teil an der Talfahrt der Märkte noch kräftig verdienen.

Einbußen verbuchte Goldman Sachs im ersten Quartal vor allem im Handel und im eigentlichen Investmentbanking. Lehman Brothers schnitt im Handel ebenfalls schlechter ab, konnte aber im Investmentbanking etwas zulegen. Die Erträge in der Vermögensverwaltung zogen bei beiden Banken an.

Gespannt blicken die Märkte nun auf weitere Quartalsergebnisse aus dem US-Finanzsektor: Bereits an diesem Mittwoch legt die zweitgrößte Investmentbank Morgan Stanley ihre Zahlen vor, Anfang April folgen dann die großen Bankenkonzerne. dpa

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