Finanzkrise : IWF warnt vor Konjunkturschock

Der IWF sieht bei der weltweiten Finanzkrise besonders die USA gefährdet. In Deutschland könnte der Konsum 2008 die Krise abfedern.

Stefan Kaiser
Immobilienkrise
Der Auslöser: Weil US-Immobilienbanken zu großzügige Kredite vergeben haben, wankt das weltweite Finanzsystem. -Foto: dpa

Berlin - Die Folgen der weltweiten Finanzkrise sind nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch lange nicht ausgestanden. Die ganze Wucht der Krise werde erst 2008 zu spüren sein, sagte IWF-Chef Rodrigo Rato am Montag in Madrid. „Die Krise hat auch Auswirkungen auf die Realwirtschaft, die 2008 noch stärker spürbar werden und besonders in den USA an Intensität gewinnen“, sagte Rato. Eine schnelle Lösung sehe er nicht.

Der IWF hatte bereits angekündigt, im kommenden Monat seine Wachstumsprognosen für die USA, die Euro-Zone und andere Regionen zu senken. Am Montag warnte er in einem aktuellen Bericht erneut vor den Folgen der Finanzkrise, die durch eine übermäßige Kreditvergabe auf dem amerikanischen Immobilienmarkt ausgelöst worden war. Die Risiken für die Weltkonjunktur seien „bedeutend gestiegen“, obwohl sich das globale Wirtschaftswachstum trotz der Turbulenzen an den Finanzmärkten soweit als robust erwiesen habe, heißt es in dem Bericht zur Finanzmarktstabilität. Der IWF ruft darin auch zu größerer Transparenz auf, damit Risiken künftig besser bewerten werden können.

Auch für Deutschland sehen die meisten Ökonomen eine Abschwächung der Konjunktur im kommenden Jahr. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) korrigierte am Montag seine Wachstumsprognose für 2008 von 2,2 auf 1,9 Prozent nach unten. Für das laufende Jahr rechnet das Institut weiter mit einem Wachstum von 2,5 Prozent.

Die Wachstumskräfte verlagern sich nach Ansicht der Ökonomen mehr und mehr vom Ausland ins Inland. Die Folgen der Finanzkrise sorgen demnach dafür, dass der Export, der die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Jahren getragen hat, nicht mehr so zulegt wie zuletzt. Auch der starke Euro beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Am Montag kletterte der Kurs der Gemeinschaftswährung erneut auf ein Rekordhoch. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4113 Dollar fest, nach 1,4049 am Freitag.

Die Inlandsnachfrage werde den Aufschwung im kommenden Jahr erstmals seit 2003 wieder alleine tragen, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Zur Inlandsnachfrage zählen sowohl die Investitionen der Unternehmen als auch der private Konsum. Vor allem die lange Zeit zurückhaltenden Verbraucher sollen die Wirtschaft in Schwung halten. Sie werden nach der Schätzung des IW im kommenden Jahr deutlich mehr konsumieren (plus 1,8 Prozent). „Damit wird rund die Hälfte des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr vom Konsum getragen“, sagte Hüther.

Auch andere Forscher sehen die Kauflust der Deutschen zunehmen. Als Grund dafür wird vor allem die bessere Beschäftigungssituation genannt. Seit Anfang 2006 seien in Deutschland rund 800 000 sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden, sagte Hüther. Bisher habe sich dieser Zuwachs nur deshalb nicht in steigendem Konsum bemerkbar gemacht, weil die Mehrwertsteuererhöhung den Bürgern zu Beginn des Jahres die Kauflaune verdorben habe.

2008 werde die Entwicklung am Arbeitsmarkt aber auf den Konsum durchschlagen. Die im laufenden Jahr vereinbarten Lohnsteigerungen würden sich in den Nettoeinkommen niederschlagen.

Insgesamt sei die deutsche Konjunktur weiterhin robust, sagte Hüther. Auch die Sanierung der Staatsfinanzen komme voran. Im laufenden Jahr werde der Staatshaushalt zum ersten Mal seit 1989 mit einem Überschuss abschließen. Die Staatsquote, also der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt, entwickele sich positiv. 2008 werde sie mit 42,8 Prozent so niedrig sein wie seit Beginn der 70er Jahre nicht mehr.

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