Finanzkrise : Landesbank Berlin wagt keine Prognose

Die Berliner Landesbank hat in der Finanzkrise vorsichtig gewirtschaftet und will jetzt sogar von den Fehlern anderer profitieren.

Stefan Kaiser

Berlin - Die Landesbank Berlin (LBB) kommt in der aktuellen Finanzkrise vergleichsweise glimpflich davon. Trotz Belastungen in dreistelliger Millionenhöhe erwartet die ehemalige Bankgesellschaft für das erste Quartal 2008 einen Gewinn, wie Bankchef Hans-Jörg Vetter auf der Bilanzpressekonferenz mitteilte. Für das Gesamtjahr erwarte Vetter ein „ordentliches Ergebnis“, wagte aber keine konkrete Prognose. Angesichts der erheblichen Unsicherheiten wäre dies nicht seriös, sagte Vetter.

In den ersten drei Monaten des Jahres habe sich die Finanzkrise noch einmal „deutlich verschärft“, sagte der LBB- Chef. Er sprach von „den schwierigsten Rahmenbedingungen, solange ich im Bankgeschäft tätig bin, also seit 1969“. Erst seit Ende März sei eine vorsichtige Besserung der Marktverhältnisse zu beobachten. „Ich gehe davon aus, dass wir jetzt langsam die Bodenplatte erreicht haben“, sagte er. Bis die Auswirkungen der Krise überwunden seien, dürften aber noch zwei Jahre vergehen.

Vetter erwartet, dass die Finanzkrise die Bank im ersten Quartal in ähnlicher Größenordnung belasten wird, wie im gesamten Jahr 2007. Damals waren es nach neu berechneten Zahlen 398 Millionen Euro, von denen 122 Millionen Euro als Verluste in der Bilanz der Bank abgeschrieben werden. Dabei handelt es sich um Wertverluste von Papieren, die die Bank in ihren Büchern hält und laut internationalen Bilanzregeln ständig aktuell bewerten muss.

Trotz der Belastungen stand 2007 unter dem Strich immerhin noch ein Jahresgewinn von 220 Millionen Euro. Auch Bankchef Vetter verdiente gut. Laut Geschäftsbericht erhielt er 2007 knapp 1,8 Millionen Euro – 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit hat sich die LBB bisher vergleichsweise gut geschlagen. Andere Landesbanken wurden deutlich härter von der Krise getroffen, weil sie in großem Stil auf dem US-Hypothekenmarkt investiert hatten. So summieren sich die Belastungen bei der größten deutschen Landesbank, der baden-württembergischen LBBW, mittlerweile auf zwei Milliarden Euro. Genauso viel musste die Düsseldorfer WestLB abschreiben. Bei der BayernLB waren es gar 4,3 Milliarden.

Die Landesbank Berlin genießt eine Sonderstellung in der Gruppe. Seit das Land Berlin sie im vergangenen Sommer für 5,3 Milliarden Euro an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) verkauft hat, gehört die einstige Skandalbank mit ihren rund 6000 Mitarbeitern den deutschen Sparkassen und übernimmt zunehmend Dienstleistungsfunktionen für sie. Den Kern der LBB bildet aber die Berliner Sparkasse, die mit 1,8 Millionen Kunden nach eigenen Angaben die größte in Deutschland ist.

Die LBB will jetzt sogar von der Finanzkrise profitieren. Man habe in den vergangenen fünf Monaten Kreditpakete in Höhe von 3,5 Milliarden Euro von anderen Instituten übernommen, sagte Vetter. Dabei handelt es sich vor allem um Firmenkunden- und Immobilienkredite ausländischer Banken, die wegen der Finanzkrise derzeit günstig zu haben sind. „Wir sind gerne bereit, da noch etwas zu machen“, sagte Vetter.

Große Hoffnungen setzt die Bank auch auf das Geschäft mit Ratenkrediten. Im Januar hatte sie die entsprechende Sparte der BHW-Bank mit 179 000 Kunden übernommen. Vetter will in diesem Bereich „weiter vorankommen“. Auch das Immobilienfinanzierungsgeschäft, das im vergangenen Jahr einen Großteil des Konzerngewinns ausgemacht hat, soll ausgebaut werden. Schließlich will die Bank auch im regionalen Firmenkundengeschäft wachsen. In diesem hart umkämpften Markt hat die Bank bisher einen Anteil von 30 Prozent – vergleichsweise wenig für eine Sparkasse. Im vergangenen Jahr konnte die LBB rund 700 Firmenkunden hinzugewinnen – netto, also nach Abzug der Abgänge. Bei den privaten Girokonten stand ein positiver Saldo von 5400 zu Buche.

Durch die Finanzkrise sieht Vetter keine Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft: „Für den Berliner Mittelstand wird es keine Kreditklemme geben“, versprach der Bankchef. „Dafür halten wir den Kopf hin.“

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