Finanzkrise : "Lasst uns nicht alleine"

Die Berliner Wirtschaft fordert Unterstützung von den Banken. Diese erwarten zumindest beim Mittelstand keine Probleme. Schwieriger werde es dagegen für größere Unternehmen.

Stefan Kaiser

Berlin Berlin - Die Berliner Wirtschaft hat die Banken aufgefordert, die heimischen Unternehmen trotz Finanzkrise weiter mit Krediten zu versorgen. Die Institute dürften die Firmen „nicht alleinelassen“, appellierte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK), Axel Schweitzer, bei einer IHK-Veranstaltung mit hochrangigen Vertretern aus Banken und Politik. Viele der rund 200 Zuhörer unterstützten die Forderung mit lautem Applaus. Schweitzer kritisierte die Kreditbedingungen der Institute: „Wenn die Banken etwas von dem eingehalten hätten, was sie selbst von den Unternehmen fordern, wäre einiges nicht passiert“, sagte der Chef des Berliner Entsorgungsunternehmens Alba mit Blick auf die Ursachen der Bankenkrise.

Banker und Politiker versprachen, alles zu tun, um eine Kreditklemme zu verhindern. „Was den Mittelstand betrifft, wird es keine Kreditklemme geben“, sagte der Chef der Berliner Volksbank, Holger Hatje. Schwieriger werde es dagegen für größere Unternehmen, die Geld von den Kapitalmärkten bräuchten. Das bestätigte auch Klaus Kubbetat, Regionalvorstand der Commerzbank. „Bei Krediten bis zehn Millionen Euro läuft alles ganz normal“, sagte Kubbetat.

Mittelständische Unternehmen hatten sich zuletzt auch in der Region über eine zu strenge Kreditvergabe der Banken beklagt. Bei einer Umfrage der Handwerkskammer Berlin hatten 44 Prozent der Unternehmen von schwieriger gewordenen Bedingungen berichtet.

Volksbank-Chef Hatje räumte ein, dass die Konditionen sich durch die Krise geändert hätten. „Wenn die Nachfrage nach einem Produkt steigt, steigt auch der Preis“, sagte er. Das gelte auch bei Krediten. Weil das Zinsniveau aber insgesamt sinke, würden Kredite im kommenden Jahr wahrscheinlich sogar billiger als in diesem Jahr. Hatje warnte davor, die Aussichten zu negativ zu zeichnen. „Im Vergleich zur letzten Rezession sehen wir bei unseren Kunden deutlich mehr Sicherheiten“, sagte der Banker. „Die Unternehmen haben ihr Pulver trocken gehalten.“

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) sieht dennoch harte Zeiten auf die Wirtschaft zukommen. „Wenn wir im nächsten Jahr eine schwarze Null haben, sind wir gut“, sagte er mit Blick auf das Wachstum in Berlin. Er kritisierte das Konjunkturprogramm der Bundesregierung als „absolut unzureichend“ und „fehlkonstruiert“.

Bereits am Donnerstag hatte Wolf angekündigt, dem Mittelstand, wenn nötig, Kredite in Höhe von einer Milliarde Euro über ein Globaldarlehen der Investitionsbank Berlin (IBB) bereitzustellen. „Wenn die Märkte nicht funktionieren, werden wir mit Globaldarlehen einspringen“, versicherte auch IBB-Chef Dieter Puchta am Freitag. Auch die Finanzpolitik soll helfen. „Was an konjunkturbedingten Mindereinnahmen kommt, werden wir nicht nachsparen“, sagte Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD). Er schloss nicht aus, die Wirtschaft auch mit gezielten Investitionen anzukurbeln. Zunächst müssten jedoch die vorhandenen Mittel ausgeschöpft werden.

Wie schon in vergangenen Jahren hat das Land Berlin auch 2008 gut 90 Millionen Euro an vorgesehenen Investitionsmitteln nicht ausgeschöpft. Diesen Luxus werde man sich im kommenden Jahr nicht leisten können, sagte Wirtschaftssenator Wolf. Er schlug vor, einen Reservepool mit Maßnahmen vorzuhalten, die schnell umgesetzt werden könnten, wenn andere Vorhaben ausfielen. Stefan Kaiser

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