Finanzkrise : Luxus ist wieder angesagt

Luxushersteller haben die Krise überwunden. Besonders in Asien gibt es eine wachsenden Nachfrage nach Rolex und Co.

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Glänzende Geschäfte machen die Luxuskonzerne in China und Russland.Foto: Reuters
Glänzende Geschäfte machen die Luxuskonzerne in China und Russland.Foto: ReutersFoto: REUTERS

Die Rolex am Handgelenk, das Collier von Cartier um den Hals, das Prada-Täschchen am Arm und den Mercedes vor der Tür – Luxus ist wieder angesagt. Vor allem die stark wachsende Nachfrage aus China, Brasilien oder Russland beschert den Herstellern von teuren Uhren, Schmuck oder Lederwaren kräftige Zuwächse. Weltweit hat sich der Markt für Luxusprodukte von den Einbußen in der Krise erholt. Bereits 2010 waren die Umsätze wieder auf den Rekordwert von 172 Milliarden Euro gestiegen. Im laufenden Jahr werde der globale Luxusmarkt um weitere acht Prozent auf 185 Milliarden Euro zulegen, schreiben die Beratungsfirma Bain & Company und die Fondazione Altagamma, der führende italienische Verband der Luxusgüterhersteller, in einer aktuellen Studie.

Allerdings verändere zum Beispiel das Internet auch das Verhalten von verwöhnten Kunden. „Luxusartikel haben ein brillantes Comeback gezeigt, müssen sich aber jetzt den neuen Realitäten und veränderten Kundenbedürfnissen anpassen“, sagt Branchenexperte Rudolf Pritzl. Anspruchsvollere Kunden oder die zunehmende Verzahnung von On- und Offlinegeschäft veränderten die Luxusgüterindustrie gerade in den aufstrebenden Schwellenländern. Vor allem der Service rund um die Produkte müsse weiter ausgebaut werden, um auch in 15 Jahren noch Erfolg zu haben. Dabei spiele gerade die Bindung an Marken eine entscheidende Rolle. „Die heutigen Luxuskunden in China sind 20 bis 25 Jahre jünger als die westliche Klientel. Das bedeutet ein Umdenken für die Luxusgüterunternehmen“, sagte Pritzl. Bis 2014 werde der weltweite Luxusmarkt auf 220 Milliarden Euro wachsen, erwarten die Experten. In Deutschland setzte die Branche im vergangenen Jahr rund acht Milliarden Euro um – das ist der siebte Platz weltweit. In Europa ist Italien mit 16,6 Milliarden Euro der größte Luxusmarkt.

Seit der Krise sind die Erwartungen der Verbraucher an Luxusmarken gestiegen – davon ist auch die Beratungsfirma Vivaldi Partners überzeugt, die ebenfalls aktuell eine Studie zum Luxusmarkt vorgelegt hat. „Mehr denn je sind echte Qualität und Service gefragt“, sagte Markus Pfeiffer von Vivaldi Partners dem Tagesspiegel. Qualität wiege schwerer als Bekanntheit und Exklusivität und sei damit der größte Wachstumstreiber. Auch soziales Engagement und nachhaltige Produktion würden zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. „Was für Konzerne wie Otto selbstverständlich ist, müssen viele Luxuskonzerne noch lernen“, sagte Pfeiffer. „Es gibt nur wenige, die in dem Bereich gezielt etwas machen.“ Nachholbedarf sieht der Experte auch bei der Servicequalität. „Die steht zwar für 52 Prozent der Luxuskunden in Deutschland an zentraler Stelle. Doch oft geraten sie an schlecht geschulte Verkäufer – das schreckt viele Kunden dann ab.“ Schließlich sieht Pfeiffer noch enormes Potenzial für die Konzerne im Internet. „Obwohl die Hälfte der Befragten explizit Kontakt zu den Luxuskonzernen über das Netz wünschen, behandeln diese die digitalen Medien immer noch stiefmütterlich“, sagte Pfeiffer. „Viele haben den Trend schlicht verschlafen und besitzen nicht einmal einen Webshop. Wirklich innovative Ideen haben nur wenige.“ Mehr noch: „Das große Interesse an sozialen Medien wird von den Luxusmarken nicht bedient.“

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