Finanzkrise : Papandreou kontert Ackermann: Griechenland als gute Investition

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou erklärt, dass niemand an seinem Land zweifeln muss. Doch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist nicht der einzige Skeptiker.

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In die Offensive: Ministerpräsident Papandreou verteidigt sein Land gegen Deutsche-Bank-Chef-Ackermann.
In die Offensive: Ministerpräsident Papandreou verteidigt sein Land gegen Deutsche-Bank-Chef-Ackermann.Foto: AFP

Unverhohlen hatte Josef Ackermann die Zahlungsfähigkeit Griechenlands infrage gestellt – und flugs dreht sich die Debatte in Deutschland um den Deutsche-Bank-Chef und nicht mehr um das südosteuropäische Land. „Der Name Ackermann ist inzwischen Synonym für Sabotage“, schimpft Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. Sein Verhalten sei „unverantwortlich und unverschämt“. Ausnahmsweise sind sich Bundesregierung und Opposition einig. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) geißelt Ackermanns Äußerung als „überraschend, ungewöhnlich und ärgerlich“.

Kann nicht sein, was nicht sein darf? Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou versucht, mit Argumenten Zweifel daran auszuräumen, dass sein Land die gigantischen Schulden am Ende auch bezahlen wird. Harte Arbeiter seien die Griechen – „und Sie in Deutschland müssten das eigentlich wissen, denn Hunderttausende Griechen haben als Gastarbeiter in deutschen Fabriken gearbeitet. Sie haben oft jene Arbeiten verrichtet, die kaum ein anderer machen wollte“, sagt Papandreou im „Handelsblatt“.

Den Namen Ackermann nennt er nicht, aber die Zweifler spricht er an. „Wenn jetzt alle sagen, die Griechen können das nicht schaffen, dann verurteilen sie uns zum Scheitern. Das wäre nicht fair. Wir haben unseren politischen Willen, diese Krise zu bewältigen, sehr deutlich demonstriert. Kein anderes Land hat sich in den vergangenen Jahrzehnten so starke Einschnitte auferlegt. Keines! Unterschätzen Sie nicht unsere Entschlossenheit.“ Griechenland brauche keine Geschenke, sondern Kredite, die mit hohen Zinsen zurückgezahlt würden. „Griechenland ist, da bin ich sicher, eine gute Investition.“

Er habe schon vor Regierungsantritt gewusst, dass schwierige Reformen des öffentlichen Sektors und der Sozialsysteme anstünden, sagt Papandreou. Auch sei klar gewesen, dass Vetternwirtschaft und Korruption bekämpft werden müssen. „Was wir nicht wussten, war, wie desolat die Finanzlage tatsächlich war.“ Als die Zahlen offengelegt worden seien, habe der Finanzmarkt überreagiert. Drei Mal habe Griechenland neue Sparpakete nachgeschoben, um die Spekulanten zu bremsen. „Und schließlich war die Panik so groß, dass nicht nur Griechenland, sondern die ganze Eurozone in Gefahr geriet.“

Griechenland müsse sparen – aber auch für Investoren attraktiv sein. „Bei den erneuerbaren Energien, in der Biotechbranche und im Tourismus sehe ich große Chancen für die griechische Wirtschaft. Wenn wir diese Krise meistern wollen, brauchen wir Wachstum.“ Papandreou setzt zudem auf mehr Steuerehrlichkeit. „Es geht nicht an, dass die Mehrheit der Griechen, die hart arbeiten und ihre Steuern zahlen, für die Verbrechen anderer bluten müssen. Die Menschen wollen mehr Gerechtigkeit.“

Die Lage in Griechenland sei ein Testfall und zeige, dass sich die Europäische Union (EU) stärker integrieren müsse. „Europa hat zu langsam reagiert; aber zugleich hat es viel schneller reagiert als je zuvor in seiner Geschichte“, sagt Papandreou. Auch müsse der Finanzmarkt transparenter und besser reguliert werden. „Wir stehen vor der Situation, dass Regierungen die Banken mit Milliardenhilfen stützen, die Banken dieses Geld den Hegdefonds geben und die Hedgefonds damit gegen die Staaten spekulieren. Das ist nicht fair. Und das ist wirtschaftlich schädlich.“ Die Finanzmärkte seien weltweit eine neue Herausforderung, mit der zuvor noch keine Generation konfrontiert gewesen sei.

Doch so eindringlich Papandreou argumentiert und so sehr die deutsche Politik sich an seine Seite stellt: Ackermann ist mit seinen Zweifeln nicht allein. „Griechenland wird es sehr, sehr schwer haben, die Schulden ordnungsgemäß zu bedienen“, zitiert „Handelsblatt Online“ Ulrich Kater, den Chefvolkswirt der Dekabank. Für sinkende Schulden benötige das Land Primärüberschüsse – also Überschüsse vor Zinszahlungen – in der Größenordnung von fünf Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Renate Künast ficht das nicht an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse sagen, ob gelte, was sie sage oder „was ihr dampfplaudernder Chefberater von sich gibt“. Ackermann sei als Merkels Berater nicht tragbar, lässt sie sich von der „Leipziger Volkszeitung“ zitieren. Minister Brüderle, der für einen eiligen Abstecher in den Schuldenstaat Portugal gerade schwer in die Kritik geraten war, findet die „starke Bewertung“ Ackermanns nicht hilfreich, wie er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte. Mit „verantwortungslosen Äußerungen“ habe Ackermann „zu einer weiteren Verunsicherung der Märkte beigetragen“, zitiert die Zeitung auch den Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion, Peter Altmaier.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gibt sich kämpferisch. „Die Europa-Idee sollte uns mehr wert sein als die unleidigen Diskussionen darüber, wer was bezahlt“, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben dem „Handelsblatt“. Europa sei in Asien ein Vorbild für Integration und dürfe nicht nur durch die Währungsbrille betrachtet werden. „Nennen Sie mir eine Region in der Welt, die weniger Probleme hat als Europa. Da werden Ihnen nicht viele einfallen. Wir verkaufen den Euro unter Wert.“

Auch EU-Vertreter verbreiten naturgemäß Zuversicht. „Jeder Bürger kann sich am Umrechnungskurs zum Dollar oder zu anderen großen Währungen davon überzeugen, ob wir Erfolg haben“, hatte Energiekommissar Günther Oettinger im Tagesspiegel am Sonntag empfohlen.

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