Finanzkrise : Postbank rutscht tief in die roten Zahlen

Finanzkrise macht Institut zu schaffen. Keine Nachteile für Kunden. Deutsche Bank hält an Einstieg fest.

Heike Jahberg
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Berlin - Die Postbank wird wegen der Finanzkrise erstmals seit Jahren tiefrote Zahlen schreiben. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres habe es „signifikante Ergebnisbelastungen“ gegeben, teilte die Bank am Freitag in Bonn mit. Zudem habe man sämtliche Aktien verkauft und so schlummernde stille Lasten realisiert. Dennoch will die Bank keine staatliche Hilfe beantragen. „Der Rettungsschirm ist in seiner gegenwärtigen Form für uns nicht attraktiv“, sagte Postbank-Sprecher Joachim Strunk.

Genaue Zahlen wird das Kreditinstitut zwar erst am 19. Februar bei Vorlage der Bilanz nennen, klar ist aber schon jetzt, dass die Bank das Jahr 2008 mit einem „deutlich negativen Ergebnis“ abschließen wird. Bereits bis Ende September war ein Konzernverlust von 114 Millionen Euro verbucht worden, im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen dagegen noch einen Gewinn von 701 Millionen Euro gemacht. Durch die Auflösung der Aktienbestände sei jetzt aber sichergestellt, dass hieraus keine weiteren Belastungen mehr drohen, hieß es am Freitag.

„Die Kunden müssen sich keine Sorgen machen“, betonte Strunk, „die Sicherheit der Postbank ist jederzeit gewährleistet.“ Die Bank ist mit rund 15 Millionen Kunden die größte Privatkundenbank in Deutschland. Mit Sparzinsen von 4,5 Prozent gehört sie zu den bei Sparern derzeit besonders gefragten Adressen. Wer sein Geld bei der Postbank angelegt hat, muss nicht damit rechnen, dass das Geldhaus die Zinsen wegen der Finanzmarktkrise senkt. „Während der vereinbarten Laufzeit sind die Zinsen garantiert“, sagt Peter Lischke, Anlageexperte der Verbraucherzentrale Berlin. Sollte die Europäische Zentralbank die Zinsen weiter herabsetzen, ist aber für neue Angebote eine Zinssenkung nicht ausgeschlossen, betonte Postbank-Sprecher Strunk.

Auswirkungen haben die schlechten Zahlen aber auf die Aktionäre. Die Postbank-Aktie gehörte am Freitag mit einem Verlust von über sechs Prozent zu den größten Tagesverlierern im Deutschen Aktienindex. Die Aktie notierte am Nachmittag bei 13,30 Euro. Das wirft ein negatives Licht auf die angestrebte Beteiligung der Deutschen Bank an der Postbank. Der Branchenprimus will 29,75 Prozent der Postbank übernehmen und dafür 2,8 Milliarden Euro zahlen. Bei der Vereinbarung im September war allerdings noch ein Kurs der Postbank-Aktie von 57,25 Euro festgelegt worden. Die Transaktion sollte Anfang dieses Jahres über die Bühne gehen, wegen technischer Gründe ist das nach Angaben der Postbank aber noch nicht geschehen. Die Deutsche Bank beteuerte am Freitag, sie halte an dem geplanten Einstieg fest. Ein Sprecher wollte sich aber auf Anfrage nicht dazu äußern, ob die Bank nun über einen Preisnachlass verhandelt.

Größte Aktionärin der Postbank ist derzeit die Deutsche Post. Sie hatte im November neu ausgegebene Postbank-Aktien im Wert von einer Milliarde Euro gekauft, für die sich kein externer Erwerber gefunden hatte, und hält jetzt knapp 63 Prozent der Anteile. Der Rest befindet sich im Streubesitz. Heike Jahberg

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