Finanzkrise : SAP brechen die Aufträge weg

Europas größter Softwarekonzern SAP wagt im unsicheren wirtschaftlichen Umfeld keine Umsatzprognose mehr für 2008. In seiner langen Zeit bei SAP habe er noch nie erlebt, dass Kunden in so kurzer Zeit ihre Ausgaben so stark reduzierten, sagte Vorstandschef Henning Kagermann.

Corinna Visser
SAP
Sparprogramm. SAP will am Jahresende eine Zwangspause einlegen und verhandelt darüber mit dem Betriebsrat. -Foto: dpa

Berlin -  Ursprünglich war SAP davon ausgegangen, im Kerngeschäft mit Software für Unternehmen und dem damit verbundenen Service zwischen 24 und 27 Prozent mehr zu erlösen als 2007. Nicht nur davon hat sich SAP nun verabschiedet – auch von seiner Gewinnprognose. Statt der in Aussicht gestellten Marge von 28,5 bis 29 Prozent im operativen Geschäft rechnet die Unternehmensführung jetzt nur noch mit einer Marge von 28 Prozent.

Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise halten sich viele Kunden beim Kauf von Software-Lizenzen zurück und zögern beim Abschluss langlaufender Wartungsverträge. Beim Mittelstand spürt SAP nach Angaben des Managements derzeit die Zurückhaltung am stärksten, dabei wollte SAP gerade in diesem Bereich stark wachsen.

Um der rückläufigen Nachfrage zu begegnen, hat SAP, weltweit der größte Anbieter von Software für Unternehmen, bereits ein umfangreiches Sparprogramm eingeleitet. Die Kosten von insgesamt zwei Milliarden Euro im Jahr sollen um zehn Prozent sinken. An den Abbau von Arbeitsplätzen werde derzeit nicht gedacht, sagte SAP-Chef Kagermann. Eingestellt wird aber auch nicht mehr. SAP hatte in diesem Jahr ursprünglich 4000 neue Stellen schaffen wollen. Über eine geplante Betriebsruhe um den Jahreswechsel werde mit dem Betriebsrat noch verhandelt, sagte Kagermann.

Bereits vor einigen Wochen waren einige Details des Sparprogramms bekannt geworden: Es werden nicht nur keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt, auch Reisen zwischen den Standorten werden auf ein Minimum reduziert und Dienstwagen überprüft. Die Manager fliegen nur noch Economy-Klasse, und die Vorstände verzichten auf zehn Urlaubstage. Auch die Mitarbeiter wurden aufgerufen, freiwillig auf Urlaub zu verzichten. Ob und wie viele eingewilligt haben, sagte SAP am Dienstag nicht.

Bereits Anfang Oktober hatte SAP die Märkte gewarnt und von einem abrupten und unerwarteten Abschwung des Geschäfts berichtet. Mit der Warnung und der Einleitung des Sparprogramms hat die erfolgsverwöhnte SAP die Investoren verschreckt. Seit Wochen ist die Aktie auf Talfahrt. Am Dienstag stürzte das SAP-Papier nach Handelsbeginn zunächst um mehr als 15 Prozent ab, konnte sich im weiteren Verlauf aber wieder etwas erholen. Zum Börsenschluss notierte die Aktie bei 23,45 Euro – das war ein Minus von 4,6 Prozent.

Im abgelaufenen Quartal ist das Geschäft sogar einen Tick besser gelaufen, als von vielen Beobachtern nach der Warnung erwartet worden war. SAP setzte in den Monaten Juli bis September insgesamt 2,7 Milliarden Euro um. Im wichtigsten Bereich, bei der Software und den softwarebezogenen Services, erlöste SAP 1,99 Milliarden Euro und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn des Walldorfer Unternehmens im dritten Quartal von 408 Millionen Euro in der Vorjahresperiode auf 388 Millionen Euro. Der Ertrag vor Zinsen und Steuern stieg dagegen von 606 Millionen auf 614 Millionen Euro. Auch im Zweikampf mit dem schärfsten Rivalen, dem US-Softwarekonzern Oracle, musste SAP einen Rückschlag hinnehmen. Der weltweite Marktanteil ging im dritten Quartal von 33,7 auf 33,4 Prozent zurück.

Viele Analysten hatten – gerade was die Softwareumsätze betraf – ihre Prognosen nach der jüngsten Warnung bereits reduziert und lagen mit ihren Schätzungen nun leicht unter den tatsächlichen Ergebnissen. Die Marktteilnehmer hätten offensichtlich bereits im Vorfeld in ihren Erwartungen ein Rezessionsszenario für SAP zugrunde gelegt, hieß es bei der Société Générale.

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