Finanzkrise : Schott verschiebt Börsengang

Die Finanzkrise hat die Börsenpläne des Mainzer Solarkonzerns Schott Solar durchkreuzt.

Frankfurt am Main - Das Unternehmen verschob den für diesen Monat anvisierten Börsengang auf unbestimmte Zeit. Eine mit der Lage vertraute Person sagte, Schott wolle abwarten, wie die Wall Street auf das Rettungspaket der US-Regierung reagiere. „Wir wollen die Situation erst einmal ein, zwei Tage beobachten.“ Angesichts der Turbulenzen an den Kapitalmärkten habe sich das Unternehmen nach Gesprächen mit Investoren entschlossen, keine Preisspanne für den Börsengang zu nennen, erklärte Schott. Mit dem vorliegenden Emissionsprospekt sei ein Börsengang noch bis Mitte Oktober möglich, es müsse nur der Angebotspreis nachgetragen werden, hieß es.

Vom Gang an den Kapitalmarkt versprach sich Schott Solar Erlöse von 500 Millionen Euro. Damit wäre der Konzern der größte Börsenneuling 2008 im Prime Standard gewesen – aber nach SMA Solar und GK Software auch erst der dritte. Die Bedingungen für Börsengänge haben sich seit Ausbruch der Finanzkrise deutlich verschlechtert. Die Zwischenbilanz, die die Beratungsfirma Ernst & Young zieht, fällt mager aus. So hat sich die Zahl der IPOs (englisch: Initial Public Offerings) in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2007 halbiert. Weltweit wurden in den ersten sechs Monaten 2008 bei 505 Börsengängen 79 Milliarden Dollar erlöst. In Deutschland rechnet Ernst & Young-Partner Heinrich Lind bis zum Jahresende mit „maximal einer Handvoll“ Börsengänge. „Der Markt ist sehr unsicher“, sagte er dem Tagesspiegel.

Auch die Pläne der Deutschen Bahn, die am 27. Oktober an die Börse will, beurteilt Lind skeptisch. Hinter der Ankündigung des Vorstands, man wolle am Fahrplan festhalten, verberge sich „viel Zweckoptimismus“. Sollte die Bahn bei ihrem Plan bleiben, erwartet der Berater einen Preisnachlass für die Aktie. „Das grundsätzliche Interesse ist weiterhin vorhanden. Das Entscheidende ist der Preis. Ich rechne mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent, dass der Börsengang kommt“, sagte Florian Weber vom Brokerhaus DKM. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn warb in den vergangenen Tagen in Hongkong, Singapur, Schanghai und Kuwait um Investoren. „Das Interesse dort ist ungebrochen“, sagte eine mit dem Börsengang vertraute Person. „Da gibt es keine Auflösungserscheinungen.“ mot

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