Wirtschaft : Finanzkrise trifft auch Deutsche Bank

FRANKFURT (MAIN) (rtr).Die Deutsche Bank hat wegen der weltweiten Finanzkrisen im dritten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten.Das Betriebsergebnis sank von 1,26 Mrd.DM im Vorjahreszeitraum auf 70 Mill.DM, wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Zwischenbericht der Bank hervorging.Im Eigenhandel enstand sogar ein Verlust von 224 Mill.DM, nachdem diese Sparte vor Jahresfrist noch einen Gewinn von 1,03 Mrd.DM erzielt hatte.Analysten sagten, die Quartalszahlen seien schlechter als erwartet.Es sei aber wichtig, daß die Bank trotz der Krisen unter dem Strich keinen Verlust gemacht habe.Konzernchef Rolf Breuer führte dies auch auf das weiterentwickelte Risikomanagement zurück.

"Wir wußten, daß es schlecht sein würde", sagte Markus Strigl von HSBC Trinkaus."Wir wußten nur nicht, wie schlecht." HSBC nahm ihre Gewinnprognose je Deutsche-Bank-Aktie für dieses Jahr auf 6,90 DM von 7,95 zurück.Dennoch behielt Strigl seine Empfehlung für Deutsche-Bank-Aktien bei.

Britta Graf von der französischen BNP sagte, die Zahlen hätten im Rahmen ihrer Erwartungen gelegen."Es ist wichtig, daß die Deutsche Bank keinen Verlust gemacht und das Kostenwachstum kontrolliert hat." Für eine Änderung der Anlageempfehlung sei es noch zu früh.Die Bankexperten machten vor allem den relativ stabilen Block der Erträge aus dem Kreditgeschäft sowie das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank dafür verantwortlich, daß die Einbrüche nicht noch schärfer ausgefallen seien.Durch die breite Anlage der Universalbank sei der Gewinnrückgang weniger stark ausgefallen als bei den US-Investmenthäusern, die auf das kursempfindliche Wertpapiergeschäft spezialisiert seien.In den ersten neun Monaten sank das Betriebsergebnis des deuschen Branchenprimus um 24,1 Prozent auf 3,13 Mrd.DM.Unter dem Strich konnte der Bankkonzern seinen Gewinn nach Steuern dennoch um 8,2 Prozent auf 2,58 Mrd.DM steigern.Am deutlichsten machten sich die Finanzkrisen in den Positionen Risikovorsorge und Eigenhandel bemerkbar.Mit 0,7 Mrd.DM lag die Risikovorsorge für Bonitätsrisiken im Rahmen der Erwartungen des Konzerns, wie Breuer im Brief an die Aktionäre schreibt.Zusätzlich wurde jedoch für Rußland noch eine Ländervorsorge von 0,3 Mrd.DM gebildet, so daß sich für die Risikovorsorge gegenüber den ersten neun Monaten 1997 eine Steigerung um 40,4 Prozent auf 1,02 Mrd.DM ergab.Im Eigenhandel sackte das Konzernergebnis um 25,1 Prozent auf 2,27 Mrd.DM ab und fiel damit schlechter aus als von Analysten erwartet.Als Grund nannte Breuer Verluste im Handel auf den aufstrebenden Märkten und einen Ergebnisrückgang bei festverzinslichen Wertpapieren.

Im Betriebsergebnis für die ersten neun Monate schlug sich zudem der um 1,1 Prozent auf 8,37 Mrd.DM gesunkene Zinsüberschuß sowie der um sechs Prozent auf 14,3 Mrd.DM gestiegene Verwaltungsaufwand nieder.Das Provisionsergebnis nahm vor allem wegen der Ergebnisse der Vermögensverwaltung und des Aktiengeschäfts um 16,8 Prozent auf 7,4 Mrd.DM zu.Dadurch konnten jedoch die Einbußen in anderen Bereichen und der Kostenanstieg nicht ausgeglichen werden.Dafür kam Geld herein durch die zeitanteilige Anrechnung der Sonderdividende von Daimler-Benz in der Gesamthöhe von 3,2 Mrd.DM.

Die verbleibenden Wochen des Jahres werden nach Breuers Einschätzung weiter von den Unsicherheiten an den Finanzmärkten geprägt sein.Der Konzern sei jedoch unverändert zuversichtlich, ein zufriedenstellendes Jahresergebnis erwirtschaften zu können, sagte Breuer.Die Deutsche-Bank-Aktie rutschte nach zunächst freundlichem Beginn am Donnerstag kräftig ins Minus.Später erholte sich das Papier wieder.

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